Nach B-Movies wie „The Stepfather“ und kleinere Hollywoodfilmen wie „Der Feind in meinem Bett“ durfte Regisseur Joseph Ruben mit „Money Train“ eine Actionkomödie drehen.
Ein Besoffener wankt ihn in eine U-Bahn-Station, hockt sich auf eine Bank – und ruckzuck stehen zwei Jugendlich bereit, um ihn auszunehmen. Doch der vermeintlich Besoffene stellt sich als U-Bahn-Polizist Charlie Taylor (Woody Harrelson) heraus, der mit seinem Adoptivbruder und Partner John (Wesley Snipes) nur auf Diebe gelauert hat. Bei der Verfolgung kommen sie jedoch dem Geldzug in die Quere, den der skrupellose Vorgesetzte Donald Patterson (Robert Blake) auch nicht anhalten lässt, als sie sich auf den Gleisen befinden. Als der Flüchtige den Wachen zu nahe kommt, wird er kaltblütig erschossen. Ganz netter Opener für die Actionkomödie, auch wenn die Skrupellosigkeit von Peterson und den Wachen zu übertrieben ist.
Nach einem zusätzlichen kräftigen Gemecker durch Patterson geht John nach Hause – und Charlie zum Kartenspiel. John muss ihn nach dem Spiel rausboxen, aber Charlie schuldet einem Gangsterboss immer noch 15.000 Dollar. Die Idee aus dem Buddy-Gespann ungleiche Adoptivbrüder zu machen, verändert zwar nicht viel an der Genre-Grundstruktur, aber ist mal was anderes.
Den beiden wird bald noch ein weiter Officer zugeteilt – die schön Grace Santiago (Jennifer Lopez). Beide verlieben sich in die smarte Beauty, worunter leider ihr brüderliches Verhältnis leidet. Dem vernünftigen Einfluss von John ein wenig entkommen, bekommt Charlie dumme Gedanken, was den Geldzug angeht...
Bevor es zum Finale im titelgebenden „Money Train“ kommt, muss sich der Zuschauer eine Weile gedulden. Vorher wird taucht er wie ein roter Faden zwar immer wieder auf, aber nur der Showdown beinhaltet eine längere Sequenz mit ihm. Zuvor dreht es sich um das Leben und Arbeiten der beiden Brüder, die u.a. auch einen Psycho namens „Die Fackel“ (Chris Cooper aus „American Beauty“) jagen. Das Ganze ist zwar nicht hochspannend, aber trotzdem auch nicht langweilig und unterhält den Zuschauer.
Die Comedy von „Money Train“ ist nicht ganz so witzig wie andere Filme des Genres wie z.B. „Bad Boys“, „Last Boy Scout“ oder „Lethal Weapon“. Trotzdem kann man über die Sprüche, welche die Helden ablassen, immer wieder schmunzeln; nur keine großen Brüller sind halt dabei.
Action gibt es in „Money Train“ eher wenig und fast nur im Showdown. Dieser bietet dann einige sehr gute Stunts und Plattmachszenen, die auch Genrefans noch hinter dem Sofa vorlocken können. In der Zeit davor darf dann noch etwas geballert und gekämpft werden, was vor allem bei Wesley Snipes mal wieder cool aussieht. Dabei gibt es nur eine einzige Szene, welche die FSK 16 Freigabe rechtfertigt (der Tod der „Fackel“ durch Brennen und anschließendes Zugüberfahren), die dann in der TV 12er von RTL auch gleich komplett entfernt wurde.
Wesley Snipes und Woody Harrelson blödeln und spielen sich recht gut durch dieses Buddy Movie. Ihre Leistungen sind zwar alles andere als Oscarreif, aber für einen Film dieses Genres recht ordentlich. Auch die Nebendarsteller sind solide, auch wenn Robert Blake als Fiesling zu überzogen wirkt.
„Money Train“ ist ein Fun-Movie ohne viel Hirn, aber einem Unterhaltungspotential, welches für vergnügliche 105 Minuten sorgt.