Nahezu jeder kennt den Grusel-Thriller „The Sixth Sense“, der anno 1999 in Sachen Plot Twist völlig neue Maßstäbe setzte. Mit dem großen Knall am Ende möchte man den Streifen prompt ein zweites Mal sehen, um etwaige Logikfehler zu entdecken, doch diese bleiben aus.
„Someone Behind You“ muss man sich hingegen nicht zweimal reinziehen, - die Plot Holes, die die Auflösung mit sich bringt, sind bereits während der Zuspitzung ein deutliches Manko des von der Prämisse her interessanten Korea-Gruslers.
Interessant, weil ausnahmsweise mal keine dunkelhaarigen Rachegeister unter der Decke kleben und mit roten Klüsen auf ihr Opfer herab blicken.
Im Mittelpunkt steht Schülerin Ka-in, in deren Umfeld die urplötzliche Besessenheit umzugehen scheint. Erst wird ihre Tante während der eigenen Hochzeit vom Geländer gestürzt und später im Hospital mit einem Messer nieder gemetzelt. Später steht Ka-in selbst im Fokus diverser Mordabsichten, denn niemandem, so der zwielichtige Fremde Seok-min an ihrer Seite, könne sie trauen, nicht einmal sich selbst…
Trotz des enttäuschenden Verlaufs vermag der Streifen auch mit auffallend positiven Eigenschaften zu überzeugen. So entstehen größtenteils brauchbare Figurenzeichnungen und genügend Raum für die Hauptfigur, einschneidende Geschehnisse emotional zu verarbeiten, was für einen Asia-Grusler alles andere als selbstverständlich ist.
Der melodiöse Score transportiert eine fast melancholische Stimmung, die das Innenleben der Hauptfigur recht gekonnt widerspiegelt.
Auch die Handlung setzt zunächst positive Impulse. Was deutet der Vater mit einem Familienfluch an und warum drehen vertraute Personen in Ka-ins Umfeld plötzlich scheinbar grundlos durch? Was hat es mit dem verschlossenen Begleiter Seok-min auf sich und warum erscheinen ihr in Visionen verbrannte Kreaturen?
Lange Zeit tappt man im Dunkeln und bis dahin sind durchaus ein roter Faden und Logik vorhanden.
Eifersucht, so lenkt das letzte Drittel mit Erklärungsansätzen ein, sei der Schlüssel zu allem, was Ka-in während einer Reise zu einem vogeligen Alten erfährt.
Doch ab da geht es mit der Logik völlig bergab, da sich das Drehbuch offensichtlich nicht einig ist, ob diese oder jene Auflösung die gelungenere sei und bringt demzufolge gleich zwei, die rein gar keinen Sinn ergeben, zumindest nicht als Einheit betrachtet.
Das können auch nicht die durchweg überzeugenden Darsteller und die visuell ansprechende Inszenierung kaschieren.
Gewiss wird Freunden asiatischer Gruselkost willkommene Abwechslung geboten, trotz deutlichem Mangel an Schockeffekten und nicht zu auffällig blutiger Szenen.
Wie eine eifersüchtige Streberin auf Ka-in losgeht, ein Lehrer sein zweites Gesicht zeigt und jemand von einer vergangenen Affäre berichtet, - das ist inszenatorisch dicht verpackt und wird ohne erzählerische Durchhänger vorgetragen.
Doch all das nützt herzlich wenig, wenn das Skript gegen Ende völlig den Durchblick verliert und einen logischen Patzer nach dem anderen raus haut.
Nicht, dass das letzte Drittel nun den Gesamteindruck komplett in den Boden rammt, aber wer ein wenig mitdenkt und logische Zusammenhänge als Ganzes betrachtet, wird die bis dato positiven Impressionen mit einem bitteren Beigeschmack erleben.
Insofern nur bedingt zu empfehlen,
5,5 von 10