Review

Eine vierminutenlang anhaltende Kamerafahrt durch ein Haus mit allen relevanten Protagonisten und der Score der belgischen Ambiance-Band Airlock sind die einzig positiven Merkmale dieses surreal anmutenden Kammerspiels.
Arthouse-Puristen mögen da eine Menge hinein deuteln, würde ich auch gerne, wenn „The Room“ denn tatsächlich Raum dafür böte.
Mehr als ein paar simple Anleihen zu Kings „Shining“ lassen sich jedoch, auch mit viel Wohlwollen, nicht bescheinigen.

Ein Zugang zu der im Mittelpunkt stehenden, zerrütteten Familie wird einem von Begin an verwehrt. Melinda, 29 und von einem Unbekannten schwanger, fühlt sich zwar ihrem mongoloiden Bruder Alex verpflichtet, will aber unbedingt von ihren demütigenden Eltern weg. Diese bestehen aus einem erfolglosen Komponisten, der seinen Frust an den übrigen Familienmitgliedern auslässt und der Mutter, die ihre Verbitterung mit verbalen Tiefschlägen zum Ausdruck bringt.

Anfangs gibt es noch den Jüngsten der Familie, doch der verschwindet hinter einer mit Hieroglyphen verzierten Holztür, die es eigentlich nicht gibt. Ähnlich ergeht es weiteren Familienmitgliedern, - den geplagten Zuschauer freut´s - noch eine Nervensäge weniger.
Aber auch zu den Hauptfiguren, dem Halbgeschwisterpaar Melinda und Alex, baut man zu keiner Zeit eine emotionale Bindung auf.
Schlimm ist hingegen: Man kann diesem Ekelpaket von abgespaceden Vater nicht entkommen, weil das Haus komplett dicht macht, auch wenn der Freak die Axt (noch ein Gruß an Shining) herauskramt, - die Figuren sind eingeschlossen und müssen sich ihren im innersten der Seele verborgenen Hürden stellen – das ist das, was „The Room“ wohl ursprünglich aussagen wollte.

Heraus gekommen ist indes unsäglich langweiliger Quark, der zu keiner Zeit auch nur durchschnittliches Interesse am Verlauf aufkommen lässt, weil er ohne roten Faden beliebige Szenen zusammenstückelt, aber nie auf den Punkt kommt.
Sicher, schön, dass sich mal wieder jemand seit „Sin City“ der Colorkey-Technik bedient, um rote Blumen oder roten Teppich im Schwarzweiß-Umfeld hervorzuheben, - wenn diese symbolträchtige Visualisierung denn wenigstens etwas brächte.
Als Stilmittel ist das ebenso uneffektiv wie überbelichtete Sequenzen, güldene Momente mit Gelbfilter oder überstrapazierte Blaufilter, die überwiegend eingesetzt werden.
Dazu gesellen sich schräge Kameraperspektiven, gerne mit 45-Grad-Drehung vom Boden aus und schon bildet der visuelle Budenzauber Futter für Style-over-Substance-Jünger.

Inhaltlich kann weder der Horrorfilmfan noch der Dramen-Freund davon zehren. Mit null Gespür für Charakterisierung werden überspitzte Figuren ins Haus geworfen, dessen Interieur wie die 08/15 Einrichtung von Tante Auguste um die Ecke wirkt.
Dazu gesellen sich Overacting der Darsteller und theatralisch überschwängliche Dialoge, wobei der unberechenbare Horror-Dad zumindest noch ansatzweise für emotionale Bewegung sorgt, - da alles andere nahezu still steht und Opfer wie von einer unsichtbaren Macht in den titelgebenden Raum gezogen werden und das alles rein gar keinen Schrecken auslöst.

So erhält Tochter einen Abschiedsbrief von Mom, eine familiäre Lüge wird aufgedeckt, der ominöse Raum wird betreten und verlassen und hinterlässt völlig unpassende Eindrücke von weniger glücklichen Kindern.
Der finale Plot Twist löst eher ein „Ja und? Das ahnte ich bereits, - und weiter?“ aus, und bei alledem muss man sich doch ernsthaft fragen, wozu man sich etwas antut, was dermaßen schlechte Laune hervorruft.

Ergo: Eine völlig zerklüftete, nahezu debile Familie ist im Haus eingeschlossen und wird mit den Fakten der Vergangenheit konfrontiert. Daraus ließe sich durchaus ansprechender Stoff basteln, wenn Pacing, Suspense und Atmosphäre nicht dermaßen darunter leiden würden.
Denn nichts entwickelt sich hier ansprechend, - ein Trauerspiel in Sachen experimentelles Thriller-Drama; - so ist man froh, wenn die ohnehin knappen 79 Minuten Laufzeit nicht länger auf den Nerven des Zusehers herumtrampeln.
1,5 von 10

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