Review

Und wieder wird das Resteessen vom Vortag aufgewärmt. Einfach alle Zutaten in den Topf werfen, einmal kräftig durchrühren und gut ist. Dazu noch von einem mäßig talentierten Koch namens Ernest K. Dickerson, der vor und nach „Bones“ überwiegend passablen Halb-Trash abgedreht hat, aber kaum mal wirklich gutes Material vorweisen konnte.

Eine Zutat dürfte zumindest für viele Mitfutterer gesorgt haben, und zwar Dre-Schützling Snoop Dogg, der in seiner eigentlichen Homebase, dem Rap-Music-Bizz, wohl zu den schillerndsten Figuren gehören dürfte, da er seit Anbeginn seiner Karriere sichtlich darauf bedacht ist, sich stilistisch von allen anderen abzuheben. Ein Näschen für kreative Selbstdarstellung ist ihm daher nicht abzusprechen, und es ist unübersehbar, dass dieser Ansatz in den vorliegenden Film hinübergerettet wurde – trotz Horror/Fantasy-Ansatz.

Es geht um Jimmy Bones (Snoop Dogg), in den groovin` Seventies stylisher Pate seines Viertels. Cool „wie ein verdammter Eiszapfen im Kühlschrank“, stets an der Grenze zur Kriminalität, dennoch seine schützende Hand über das Viertel legend, wird er von seinen Mitmenschen als Heiliger angesehen (man kennt sicherlich die vielzitierte Szene aus „Der Pate II“).
Alles ist cool, bis ihn ein Vertrauter zu einem Geschäftsmeeting mit ein paar zwielichtigen Genossen überredet, die ihn dann auch prompt abknallen, als die Sache nicht zu ihrer Zufriedenheit verläuft. Bones` Partner und seine Geliebte (Pam Grier) werden gezwungen, jeweils einmal auf den verblutenden Bones mit seinem eigenen Klappmesser einzustechen, damit jeder Fingerabdrücke auf der Mordwaffe hinterlässt und die eigentlichen Mörder ungeschoren davonkommen (Oh mein G...).

Soweit zur Vorgeschichte. Die eigentliche Story befasst sich damit, dass ein paar Kiddies zufällig den Ort des Geschehens, ein gothisch anmutendes Haus kaufen, um dort einen Club zu eröffnen, wobei sie aus Versehen Snoopy wieder zum Leben erwecken. Der macht sich dann auch gleich auf, um seine Peiniger – inklusive seiner eigenen Partner, die dazu gezwungen wurden, auf ihn einzustechen – kaltzustellen. So weit, so normal. Da könnte man durchaus mit leben, denn Haunted Hill-Stories sind schon viel zu abgegriffen, als dass man hier noch innovativ sein könnte.
Wie es dennoch schön gruselig und spannend werden kann, das frage man am besten die Macher von „House on Haunted Hill“. Bei „Bones“ wird man jedenfalls nichts weiter finden als eine Film-Plattform für den Rap-Star und ein paar nette Einfälle.

Die Schwächen beginnen beim Fundament des Filmes, dem Hauptdarsteller. Wobei sein Einbau in das Gesamtkonzept noch ganz gut gelungen ist, wenn auch nicht ganz so sehr wie bei Eminem in „8 Mile“ (der ja auch beinahe schon autobiographische Züge hat). Immerhin wird die Figur Jimmy Bones der Person von Snoop Dogg gerecht (zumindest der öffentlichen Person Snoop Dogg). Für die Godfather-Attitüden mit Goldkettchen, teuren Pelzen und Anzügen könnte man sich jedenfalls keinen besseren vorstellen. Es steht und fällt aber mit seiner Performance, und die ist nicht einmal annähernd hauptrollenreif. Vor allem passt sie nicht in das düstere Ambiente eines Horrorfilms; als „Huggy Bear“ in „Starsky & Hutch“ kann er trotz beinahe identischem Charakter und ähnlich schwacher Schauspielleistung überzeugen. Fern jeglicher Selbstironie – welche zwar in „Bones“ zeitweise aufkommt, aber nicht in Bezug auf den Hauptdarsteller – fällt das beinahe müde Acting jedoch viel stärker ins Gewicht.
Auch der Support bekleckert sich nicht mit Ruhm. Pam Grier wirkt zwar solide in ihren Szenen als verbitterte Einsiedlerin, ist als Geliebte von Bones aber mehr als unglaubwürdig. In ihrem Retro-Afro-Look wirkt sie wie ein billiges Plagiat ihrer eigenen Filmkarriere. Ebenso wenig bleibenden Eindruck hinterlassen die Jungdarsteller, wobei Pams Filmtochter noch am meisten überzeugen kann. Lediglich einzelne Charaktere wie der schmierige, weiße Cop, der schwarze Gangster mit dem Haarnetz oder sein blondes Dummchen wissen zu gefallen, weil sie es verstehen, ihre Rollen mit einer gehörigen Portion Selbstironie zu spielen.

Die Filmstruktur ist eigentlich noch das beste am Film. Souverän und solide wechselt Dickerson zwischen Gegenwart und Rückblenden, fügt einen Prolog ein, schneidet gekonnt zwischen Dialogen, Suspense-Momenten und konkretem Horror. Die Kritik bezieht sich eher auf das Gezeigte. So sind die Ideen überwiegend dreist aus Horrorklassikern geklaut. Das sich langsam regenerierende Skelett ist aus „Hellraiser“, die Seelenwände aus der „Nightmare“-Reihe, der schwarze Hund als Energieüberträger ist – neben seiner Eigenschaft als auf Snoop Dogg zugeschnittenes Stück Kulisse – ein seit Poe immer wiederkehrendes Motiv. Das muss nicht notwendigerweise schlecht sein, aber die Stücke setzten sich einfach nicht zusammen.
Darüber hinaus sind die Schockeffekte dilettantisch. Ein einziges Mal bin ich zusammengezuckt, und das auch nur, weil ich über Holz kratzende Fingernägel nicht ertragen kann. Ansonsten erlebt man die Schockmomente wie durch ein dickes Stück Plastik hindurch. Das ist nicht zuletzt auf die mies ausgearbeiteten Schockeffekte zurückzuführen. Die CGI-Schatten, die durch das Haus wandern, erinnern an die einzig schlechte Idee aus „House on Haunted Hill“, nämlich das überhaupt nicht Angst einflößende Schattenmonster am Ende des Films. Der Hund, der aus dem Gesicht der „geheimnisvollen“ Frau bricht, ist viel zu grobschlächtig und verschleiert, um zu überzeugen. Ja, selbst das Blut ist viel zu hell und sieht deshalb deutlich nach Farbe aus. Eine nette Idee, die einen Hund und Maden beinhaltet, wird aufgeworfen... das war's dann aber auch mit der Herrlichkeit.

Gegen Ende wusste man scheinbar nicht mehr so recht, welche Grundstimmung den Film denn nun bestimmen sollte. Lieber bierernst? Oder eklig? Suspense? Oder gar Ironie? Choose one, es ist alles dabei, und es vermischt sich zu einem undefinierbaren Etwas. So wird der Rachefeldzug des Jimmy Bones in die Lächerlichkeit gezogen, als der plötzlich mit einem seiner Opfer in der Hand herumläuft – einem sprechenden Kopf. Das kommt so plötzlich und unverblümt, dass man sich fragt, ob man wirklich noch den gleichen Film guckt.

Der Film schließt in einem Raum voller Special Effects und Kulissen, mit einem maskierten Hauptdarsteller à la Eddie Murphy in „Vampire in Brooklyn“ und einem bemüht erscheinenden bösen Ende.
Gesehen hat man letztendlich einen Film, den man nicht unbedingt gesehen haben muss, um glücklich zu sein. Wer Haunted-Filme im Allgemeinen mag und nichts gegen einen Hauptdarsteller hat, der außer seiner Prominenz nicht viel zu bieten hat und auch nichts gegen einen Film, der vollkommen auf diesen Hauptdarsteller zugeschnitten ist, der darf gerne einen Blick riskieren. Mit etwas Wohlwollen kann man sich zumindest unterhalten fühlen, weil „Bones“ nicht besonders anstrengend ist; von Belang ist er aber auch nicht.
3/10

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