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"Ihr Daseinszweck ist uns zu vernichten, die wir vom Baum der Erkenntnis genommen haben."

Auf Basis der erfolgreichen Serie "Neon Genesis Evangelion" entsteht eine vierteilige Filmreihe, die die anspruchsvolle Handlung auf ein technisch aktuelles Niveau bringen soll. "Evangelion: 1.11 You Are (Not) Alone" ist eine leicht erweiterte Fassung des ersten Films.

Trotz des schlechten Verhältnisses kommt der 14-jährige Shinji Ikari auf Wunsch seines Vaters Gend? nach Neo Tokyo 3 und gerät bei seinem Eintreffen mitten in einen Kampf zwischen dem Militär und einer riesigen Kreatur, die als Engel bezeichnet wird. Von Misato Katsuragi wird Shinji in das Hauptquartier der geheimen UN-Organisation NERV gebracht, die von seinem Vater geleitet wird. Da selbst das massive Feuer durch das Militär dem Engel keinen Schaden zufügt, wird Shinji beauftragt einen Evangelion, ein riesiger, humanoider Kampfroboter, zu steuern und gegen den Engel anzutreten. Zunächst weigert er sich. Als aber die verletzte Rei Ayanami, die für einen weiteren Evangelion vorgesehen ist, seinen Platz übernehmen soll, willigt er ein. Durch die Verbindung zum Evangelion spürt er an sich selbst den Schaden, den der übergroße Koloss nimmt. Nur mühsam erringt Shinji den Sieg gegen diesen vierten Engel, auf den noch weitere Folgen sollen.

Das Science-Fiction Epos um zwischenmenschliche Beziehungen, einer komplexen, mit religiösen Bezeichnungen überhäuften Handlung und brachialer Materialschlachten erfreut sich nach wie vor äußerster Beliebtheit. Obwohl schon länger ein Realfilm der Anime-Serie in Planung ist, erblickt zunächst eine modernisierte Zeichentrick-Variante das Tageslicht.

Es ist offensichtlich, dass die Laufzeit von 26 Folgen sich nicht in vier Filmen abgedecken werden. Somit spiegeln sich in "Evangelion: 1.11 You Are (Not) Alone" die ersten 6 Folgen der Serie in gestraffter Form wieder.
Die Straffung gestaltet die Geschichte zugänglicher. Alleine schon, da der Informationshagel sich ein wenig lichtet. Allerdings wird damit auch ein Teil des Tiefganges eingebüßt, der die Urfassung ausgezeichnet hat. Die versuchte sich erfolgreich am Balanceakt, gleichzeitig Alltagsleben mit humorvollen Einlagen und ein postapokalyptisches Szenario zu schildern, und zeichnete so ausgefeilte Charakterbilder. In der komprimierten Neufassung gerät das Gleichgewicht aus dem Lot, da die gegensätzlichen Stimmungsbilder so unmittelbar aufeinander folgen.

Die komplexe Vorgeschichte und die soziale Konstellation der vielen Charaktere werden erst im Verlauf der Handlung schrittweise aufgehellt. Zunächst steht jede Menge Action im Vordergrund. Und davon enthält der erste Film eine Menge.
In aufgefrischten Bildern kracht und explodiert es ordentlich. Stimmungsvoll fügen sich 3D-Effekte ein und detailreichere Hintergründe vermitteln ein glaubhafteres Abbild der dystopischen Zunkunftsvision.

"Evangelion: 1.11 You Are (Not) Alone" entledigt sich seiner einstigen verwirrenden Erzählstruktur und erzählt die Handlung verständlicher durch weniger verworrene, chronologisch folgende Ereignisse. Unter den Tisch fallen dabei allerdings einige Nebenhandlungsfäden von Randfiguren und die Motivation der Protagonisten.
Obwohl der Film in sich geschlossen scheint, bleiben am Ende ein paar Fragen zurück. Besonders die Verhältnisse unter den Personen und die Vorgänge hinter den beteiligten Parteien wirken hier noch nicht ganz so rund.

Ist "Evangelion: 1.11 You Are (Not) Alone" am Ende besser als der Einstieg in die Serie? Schwer zu sagen. Einerseits ist die Handlung konsumierbarer, andererseits gehen Teile der ausgefeilten Charakterpsychologie verloren. Letzten Endes wird die Geschichte ohnehin erst als Gesamtwerk stimmig beurteilbar sein. Denn wo der erste Film sich noch an gleichen Szenen der Serie entlang hangelt, werden in den folgenden neue Handlungsfäden hinzu kommen. Aber eins ist sicher: Die technische Erneuerung tut der gespannten Stimmung verdammt gut. Knappe...

8 / 10

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