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Ein paar Jahre nach „The End of Evangelion“ (1997) entschied sich Serienschöpfer Hideaki Anno, mit einem dafür gegründeten Studio eine Neuauflage seines Anime-Komplexes auf den Weg zu bringen. In vier Filmen sollte die Geschichte neu aufbereitet werden und auch einen anderen Weg einschlagen.

Auf Wunsch seines Vaters kommt der vierzehnjährige Shinji Ikari nach Neo Tokyo 3. Dort wird er Zeuge des Kampfes des Militärs gegen einen sogenannten „Engel“. Diese riesenhaften Wesen greifen die Menschheit in unregelmäßigen Abständen an. Sie können nur von den EVAs gestoppt werden, ebenso große humanoide Kampfmaschinen. Shinji wird eröffnet, dass er als Pilot eines solchen EVA vorgesehen ist.

Das Meiste ist aus den ersten Folgen der Serie bekannt, der Film wirkt da somit noch recht vertraut. In einzelnen Szenen und Ereignissen weicht er ab, am Ende gibt es gar eine komplett neue Sequenz. Und ab dort nimmt die Reihe immer weiter Abstand von der ursprünglichen Geschichte, wie sich in den folgenden Filmen recht schnell feststellen lässt.
Die hier abgedeckte Handlung ist aber ordentlich gestrafft worden, das Tempo insgesamt hoch. Dadurch ist das Gesehene leichter konsumierbar, auf der anderen Seite wird auch nicht so viel ausgearbeitet und geht entsprechend nicht in die Tiefe, da die Zeit fehlt. Hintergründe der Figuren, Entwicklungen und ein gewisses Wirkenlassen mancher Vorkommnisse fallen somit aus.
Eingestreut werden hier und da aber ein paar Hintergrundinformationen, die essentiell sind und in der Serie mitunter erst viel später auftauchten. Man kann vermuten, dass eben einige Dinge jetzt schon geklärt werden mussten, da man mit den restlichen Filmen inhaltlich einen anderen Weg gehen wollte.

Nicht geändert hat sich die Figur Shinji, der dort wie hier ein schwieriger Charakter ist. Er bleibt einfach schwer zu mögen. In Anbetracht der Entwicklung in der Serie und den Bezügen zum Serienschöpfer Anno, bleibt aber ein gewisses Interesse an ihm bestehen. Auch die anderen Figuren sind hier überwiegend in bekannter Form vorhanden. Die Basis wurde somit im ersten Film aufpoliert, ohne große Veränderungen.

Visuell ist das Ganze eine Spur größer, was an den neuen Animationen und dem Format liegt. Neben dem vermehrten Einsatz von CGI wurden u. a. auch Hintergründe und Figuren neu erstellt. So wirkt die Präsentation frischer und filmischer. Das mag Puristen abschrecken, ich kann mit dieser Modernisierung gut leben. Auch einige Musikstücke haben es aus der Serie in den Film geschafft, was ein quasi heimeliges Gefühl beschwört.

„You are (not) alone“ ist der Auftakt zum Neubau der Serie, der gemischte Reaktionen hervorrief, mir aber durchaus zusagt. Die Kenntnis der Serie vorausgesetzt wirkt der erste Teil wie eine flotte, großkalibrige Zusammenfassung der ersten paar Folgen mit der ein oder anderen Änderung.

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