Das Original aus dem Jahre 1997 kenne ich nicht, aber da mich der Film an sich reizte, mir die Schauspieler des Remakes mehr zusagten und hier angeblich nur eine 1:1-Kopie vorliegt, hab ich mich für diese Version entschieden.
Mitreißend inszeniert sind die ersten 60 Minuten. Die Familie kommt zu klassischen Klängen im Ferienhaus an, und nur die kurze Grindcore-Passage lässt erahnen, dass diese Idylle bald unterbrochen wird. Die Bösewichter bringen sich schon nach wenigen Minuten ins Gespräch, erst freundlich und dann immer dreister, bis die Situation eskaliert. Nun checkt auch die Familie dass sie es hier mit waschechten Psychopathen zu tun hat, und der Überlebenskampf beginnt. Dieser verläuft fesselnd und wird ziemlich krank dargestellt, da die Psychos ein paar „lustige Spiele“ am Start haben.
Aber sobald sie nach circa 2/3 des Films das Haus verlassen, ist die Luft raus. Jeder weiß, dass dies noch nicht alles war und die Opfer noch nicht in Sicherheit sind. Deshalb sind die nächsten gut 20 Minuten äußerst langweilig. Klar, man soll mitfiebern, und die Verzweiflung der Opfer soll den Zuschauer schocken, aber das funktioniert nicht richtig, und Suspense geht irgendwie anders. Stattdessen wartet man nur auf die Rückkehr der Täter, und auch das Ende kann dank deren bereits geäußerter Einstellung nicht mehr überraschen. Die Idee mit der Fernbedienung war nett, aber wenn damit irgendwelche Rachebedürfnisse befriedigt und den Zuschauern ein Spiegel vorgehalten werden sollte, hatte das zumindest bei mir nicht den gewünschten Effekt.
Die Darsteller gefielen mir gut, bis auf Brady Corbet, der viel zu brav wirkt. Ich hätte gern Garrett Hedlund (den Gang-Anführer aus „Death Sentence“) in dieser Rolle gesehen, der optisch so ähnlich aussieht und mir bei der Rezeption spontan in den Sinn kam. Michael Pitt, Naomi Watts und Tim Roth spielen glaubwürdig souverän, und selbst das Kind nervt nicht. Leider kann dieses Ensemble nicht über die Schwächen im Aufbau hinweg trösten. Denn wenn man 1/5 des Films Watts und Roth dabei zusehen muss, wie sie rumhüpfen, jammern, sich entfesseln, gegenseitig Mut zusprechen, telefonieren bzw. Hilfe holen, ist das einfach nur verdammt öde, weil man erahnen kann dass der wahre Schock noch kommen wird. Deshalb gibt es von mir schweren Herzens nur 7 von 10 Punkten, obwohl diese Geschichte wahrlich genug Potenzial für 8 oder 9 gehabt hätte.