Review

Ein solider Unterhaltungsfilm, nicht mehr und nicht weniger


Ich kannte mal jemanden der meinte im Straßenverkehr genau zu wissen wie der Lenker, die Lenkerin im Fahrzeug vor ihm denkt, und deshalb auch riskante Überholmanöver unternehmen zu können: so oder so ähnlich scheint es Michael Haneke ebenfalls mit dem (potentiellen) Publikum von "Gewaltpornographie" zu gehen, worunter er jedoch scheinbar keine nonkonsensualen sexuellen Handlungen versteht, sondern spaßige Spezialeffekte in einem Genre-Film der objektiv (!) lüge während er subjektiv (!) dem Realismus nachgeht. Das ist so natürlich alles schwer auszuhalten meint er, wie in praktisch jedem Interview mit dem Maestro zu seinem Oeuvre sinngemäß zum Vorschein kommt, und dabei spielen die "Funny Games" halt auch in ihrer zweiten Inkarnation eine zentrale Rolle.
"Funny Games U.S." lässt sich mit dem Manierismus der Gewaltverbrecher, die da wie meiner Meinung nach halt immer bei Haneke von außen auf eine gutbürgerliche, diesmal eben amerikanische, Familie höflich einstürmen, aber kaum mehr als "Elternkritik" verstehen - wie einmal interessanterweise vorgeschlagen wurde, sondern für mich halt leider nur mehr als "Medienkritik", und langweilt mich als Wiederkäu der gleichen österreichischen Ressentiments halt auch entsprechend schnell - wie schon in den Neunziger Jahren. Und wenn Eli Roth in seinem "Hostel" mit Gewalt wenigstens einen Umgang ermöglichen will und Hanke dieselbe (bloß) denunzieren, dann frage ich mich als denkender Mensch - obwohl ich das laut seinen Ausführungen ja eigentlich am allerwenigstens sein sollte - auch womit, und kann als Antwort nur immer wieder moralische Überlegenheitsdünkel finden - worauf ich wiederum stets gern verzichte.


Rating 4.0

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