Review

RTL2-Fassung

Während die realen US-Truppen eher glücklos versuchen, dem allgegenwärtigen weltweiten Terror Herr zu werden, ist zumindest die TV-Welt für die Amis noch in Ordnung: Knallharte Agents vom Schlage Jack Bauer putzen in Serien wie 24 oder E-Ring ganze Horden von meist arabischen Terroristen im Alleingang vom Bildschirm. Etwas erstaunlich schon, dass George jrs. ehemals beste Kumpels von der britischen Insel das gleiche Thema ohne große Umschweife mal eben komplett auf den Kopf stellen: Terroranschläge als Teil einer Verschwörung, Söldner und Konzerne als Kriegstreiber und –profiteure, Geheimdienste und Politiker an vorderster Front der bösen Jungs. Das Ergebnis ist ein sehenswerter, wenn auch immens komplexer Polit-Thriller, der den Spagat zwischen politischer Gardinenpredigt und Pantoffelkinoreißer phasenweise erstaunlich gut hinbekommt.

Als ein britisches Flugzeug über den USA einem Terroranschlag zum Opfer fällt, ist der Schuldige schnell gefunden: Ein Terrorist aus einem (fiktiven) zentralasiatischen Staat, dessen Diktator die US-Regierung nur zu gerne ins Saddam-Hussein-Museum für gut abgehangene Tyrannen verklappen möchten. Doch dem britischen Botschafter „Sir“ Mark (charismatisch: Jason Isaacs) kommen bald Zweifel. Und es kommt noch schlimmer: Brutale Söldner im Auftrag eines Großkonzerns, ein vermeintlicher Atomwaffenschmuggel, ein Todeskandidat als Intrigenopfer, der Mord an einem Oppositionsführer, eine knallharte US-Ministerin, alles deutet auf eine gewaltige Verschwörung.

Klare Sache: Eine derart kurze Inhaltsangabe wird dem im Original rund sechsstündigen Werk nicht annähernd gerecht. Verschärfend kommt hinzu, dass der TV-Sender RTL2 das ganze nicht nur in zwei vielstündigen Marathonsitzungen mit reichlich Werbepausen rausballert, sondern (so war jedenfalls zu lesen) dabei auch noch mal eben rund 50 Minuten rausgekürzt hat. So ist höchste Aufmerksamkeit angesagt: Nach zügigem Auftakt mit dem gut inszenierten Flugzeugattentat gilt es, unfallfrei durch ganze Kompanien von Geschäftsleuten, Schattenmännern und ein paar aufrechten Kämpfern für das Gute durchzusteigen – wobei die Fronten zwischen Gut und Böse vorsichtig gesagt flexibel verlaufen. Nicht zu vergessen ein knappes halbes Dutzend von Handlungssträngen, die zwar, man ahnt es, alle irgendwie zusammenhängen, aber doch erst mal eine ganze Weile nebeneinander herlaufen. Bei dem Versuch, den Überblick zu behalten, wird man dabei nicht durch allzu viel Action behindert; das ist zwar insgesamt folgerichtig und trägt zum Realismus bei, macht aber die erste Hälfte des Mammutprojektes doch etwas mühsam. Wer zu diesem Zeitpunkt abschaltet, verpasst aber ein Finale (also grob geschätzt mal die letzten 90 Minuten), das zu dem Besten gehört, was in letzter Zeit über den gar nicht mehr so kleinen Schirm geflimmert ist. Das Tempo zieht unmerklich, aber stetig immer mehr an, die unvermeidliche persönlichen Gefahrensituationen werden perfekt mit der politischen Intrige verbunden, und das alles völlig kitsch- und pathosfrei. Fast schon genial ist die Schlussszene; da wird der in letzter Zeit arg schematisch verlaufende Einsatz von Cheffolterer J.B. zur lachhaften Geisterbahn für Polit-Prekarier degradiert.

Apropos Politik: Die zahlreichen Schienbeintritte, die sich die BBC-Produktion gegen George und seine Bush-Krieger erlaubt (auch wenn er nie persönlich genannt wird), wird man hierzulande wohl überwiegend mit tosendem Applaus aufnehmen. Auch wenn der Gedanke, dass ein britischer Botschafter im Alleingang Weltpolitik macht, etwas arg naiv daherkommt, ein allzu simples Schwarz (Amis) –Weiß (Briten) -Schema kann man dem Film jedenfalls nicht attestieren.

Dass man die meisten Schauspieler – bis auf die auch nicht ganz überzeugende Sharon „Cagney“ Gless – hierzulande nicht unbedingt kennt, stört dabei in keiner Weise, die meisten machen ihre Sache sehr gut. Einzig die mal wieder recht mäßige TV-Synchro tut dem Vergnügen etwas Abbruch.

Fazit: Megakomplexer britischer TV-Politkrimi als konsequentes Gegenstück zur simplen Weltsicht der Generation Bauer. Nach gutem Auftakt im Mittelteil etwas arg unübersichtlich, gegen Ende dann aber ein absoluter Top-Thriller.
Vorläufig 7 Punkte von mir; wenn ich das Teil in angemessener und vor allem ungekürzter Darreichungsform (sprich DVD) nochmals gesichtet habe, lege ich den sicher verdienten 8. Punkt dazu.

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