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Wie übersetzt man einen nicht zu übersetzenden Titel Marke „Lock, Stock and two smoking Barrels“? Gar nicht, man macht ein nettes deutsches Wortspiel draus: „Bube, Dame, König, grAs“.
Wie so viele Gangstergrotesken kommt auch Guy Ritchies Film mit einer Story daher, die gleichzeitig simpel und kompliziert ist. Im Grunde genommen geht es nur um den Gangsterboss Harry (P.H. Moriarty), der a) die vier Freunde Eddie (Nick Moran), Bacon (Jason Statham), Soap (Dexter Fletcher) und Tom (Jason Flemyng) beim Pokern so abzockt, dass sie ihm eine halbe Million Pfund schulden, und b) den Auftrag erteilt, zwei antike Flinten stehlen zu lassen. Das setzt dann ein Gerangel in Gang, in das noch zwei Gangs mit hineingezogen werden und welches einige Leichen hinterlässt…
Doch gleichzeitig sind die ganzen Verstrickungen, die sich dabei ergeben, kaum alle aufzuzählen. Die Charaktere laufen sich andauernd über den Weg, machen miteinander Geschäfte und verzwirbeln die einzelnen Handlungen auf andere Weise hintereinander. Am Ende läuft natürlich alles zusammen und wie so oft in diesem Genre wird die ganze Situation dadurch gelöst, dass nahezu alle Beteiligten ums Leben kommen. Doch aus diesem altbekannten Rezept strickt Guy Ritchie einen wirklich unterhaltsamen Film.

„Bube, Dame, König, grAs“ punktet zum einen durch den absurden Humor, z.B. wenn der brutale Geldeintreiber Big Chris (Vinnie Jones) seinen Sohn mit zu den Jobs schleppt, diesem aber das Fluchen verbietet, oder Dealer eine schwer bewaffnete Gang mit einem Luftgewehr besiegen wollen. Zwar sind die Gags nicht unbedingt innovativ, doch Guy Ritchie setzt sie stets mit viel Timing um, sodass es reichlich zum Lachen gibt.
Zum anderen inszeniert Ritchie den Film wieder sehr kunstfertig und probiert ungewöhnliche Bilder aus: Da kreist die Kamera stets mitten ins Geschehen rein, guckt direkt in Gewehrläufe hinein usw. Zudem läuft „Bube, Dame, König, grAs“ nicht so geradlinig und umkompliziert wie viele vergleichbare Filme ab, sondern fordert ein wenig Aufmerksamkeit vom Zuschauer: So läuft zu Beginn jemand brennend aus einer Kneipe und man erfährt erst wesentlich später, was dieses kleine Detail zu bedeuten hat.
Schauspielerisch kann „Bube, Dame, König, grAs“ ebenfalls überzeugen, wobei vor allem die Leistungen von Vinnie Jones und Jason Statham herausstechen, denen dann auch die größeren Karrieren vergönnt waren. Doch schlecht sind die sonstigen Darsteller (darunter auch Sting in einer sehr coolen Nebenrolle) keinesfalls, sondern fast ebenso gut.

„Bube, Dame, König, grAs“ ist eine sehr witzige Gaunergroteske, die das Genre zwar nicht neu erfindet, aber ziemlich gut unterhält. „Snatch“ fand ich persönlich noch lustiger und cooler inszeniert, aber „Bube, Dame, König, grAs“ kann knappe 8 Punkte einstreichen.

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