Review

Eine Gruppe aus vier Klein-Ganoven legt 100.000 Dollar zusammen, um an einer illegalen Pokerpartie teilnehmen zu können, da sie jedoch betrogen werden, schulden sie einem brutalen Gangster-Boss eine halbe Million Pfund und beschließen nun, eine Bande aus Drogendealern zu überfallen, damit sie nach dem Ablauf einer Woche ihre Finger behalten können.

Guy Richie hatte sich für sein Regie-Debüt offensichtlich zu viel vorgenommen. Mit bleihaltiger Action, einem Schuss schwarzen Humor und einer überaus skurrilen Inszenierung, die (rein zufällig) an Quentin Tarantino erinnert wollte er wohl ein zweites "Pulp Fiction" auf die Leinwand bringen, doch selbst ich, dem Tarantinos angebliches Meisterwerk nie gefallen konnte, fand "Bube, Dame, König, grAs" noch schlechter als "Pulp Fiction" und auch Guy Richies nächster Versuch Tarantino zu toppen, "Snatch", war zumindest einen Tick besser, als dieser unterdurchschnittliche Gangster-Film. Schon bei der Story versucht Guy Richie, Tarantino zu imitieren, mit ein paar skurrilen Einfällen, einer absolut überzeichneten und übertriebenen Charakterkonstruktion und mit absolut sinnfreien und gelegentlich komischen Dialogen versieht er sein Werk. So weit ist das ganze noch einigermaßen verträglich, Richie scheitert jedoch daran, möglichst viele Nebenfiguren und Nebenhandlungen einbauen zu wollen. Mit dutzenden Wendungen und Nebenschauplätzen, die die Handlung nicht einmal ansatzweise voranbringen, ist die Story eindeutig zu komplex und prall geworden, ist damit unübersichtlich und erzeugt im Film an einigen Stellen Leerlauf. Damit gibt es keinen roten Faden im Film, da es Richie nicht schafft die Handlung in seiner skurrilen Welt aus dutzenden Gangstern und Verschwörungen auf den Punkt zu bringen. Weniger wäre in diesem Fall definitiv mehr gewesen, so ist die Story aber viel zu prall geworden und mitten in diesem unübersichtlichen Gewirr können auch die wenigen gelungenen Wendungen und Überraschungen nicht so richtig zünden.

Auch bei der Inszenierung versucht Richie sein großes Vorbild Quentin Tarantino zu imitieren und scheitert auch hier. Seine überkonstruierte Story bringt er viel zu schnell auf die Leinwand und hastet dermaßen schnell durch seinen Film, dass er überhaupt keine Atmosphäre aufbauen kann, einen ganz niedrigen Spannungsbogen erzielt und darüber hinaus nicht einmal einen Ansatz von Dramatik auf die Leinwand bekommt. Die skurrilen Charaktere lassen den Film stellenweise zur Freak-Show abgleiten und die Dialoge, die wohl witzig sein sollen, liefern viel zu wenige Lacher. Die Action ist ziemlich bleihaltig und brutal, ist aber nicht gut genug in Szene gesetzt, um einen wirklich hohen Schauwert zu erzeugen. Die Bildsprache des Films nervt ebenfalls nach einer Zeit, da auch sie zu spröde und skurril geraten ist und die wenigen wirklich lustigen Momente dauern nicht lang an, da das Tempo so rasant ist. Alles in allem ist "Bube, Dame, König, grAs" damit nur mäßig unterhaltsam und geht neben wesentlich besseren Filmen des Genres, wie "Lucky Slevin" deutlich unter.

Die Darsteller sind teilweise überzeugend und finden sich in ihren skurrilen Rollen teilweise ganz gut zu Recht, ein paar der Nebendarsteller stolpern aber auch recht unbeholfen durch den Film. Das Hauptdarsteller-Quartett macht sich ganz gut und alle vier spielen die Rollen der chaotischen, aber liebenswerten Kleingangster durchaus überzeugend, wobei keiner außer Jason Statham durch den Überraschungserfolg einen größeren Karriereschub bekommen konnte. Statham, der hier in seiner ersten Rolle zu sehen ist, spielte in "Snatch" erneut unter der Regie von Guy Richie, bevor er schließlich auch in den USA zum Star wurde.

Fazit:
Mit einer völlig überkonstruierten Story mit viel zu vielen Nebenhandlungen und Nebenfiguren und einer schwachen Inszenierung, die weder Spannung noch Humor bietet und durch eine spröde Bildsprache nervt, ist "Bube, Dame, König, grAs" eine unterdurchschnittliche Gangster-Komödie die eindeutig bei Quentin Tarantino abgeschaut wurde und auch die wenigen guten Gags und der solide Cast können den Film kaum noch retten.

35%

Details
Ähnliche Filme