Guy Ritchie sorgte mit seinem selbst geschriebenen Kinofilm "Bube, Dame, König, Gras" (1998) für eine Sensation. Die Krimikomödie mit Jason Flemyng und Dexter Fletcher avancierte zum erfolgreichsten Gangsterfilm der 90er Jahre in Großbritannien, Kritiker verglichen ihn bereits mit Genreklassikern von Quentin Tarantino oder John Woo.
Die vier Londoner Jungs Tom, Soap, Eddie und Bacon sitzen in der Klemme. Poker-Ass Eddie (Nick Moran) verliert bei einem Spielchen 500.000 Pfund gegen Pornokönig "Hatchet" Harry (P.H. Moriaty), einem Unterweltboss. Innerhalb einer Woche sollen die Jungs ihre Schulden begleichen, sonst ist es um ihre Finger geschehen - und danach, so die Drohung, geht's an die Bar von Eddie's Vater. Woher nehmen und nicht stehlen? Richtig. Da kommen die dünnen Wände der kärglichen Behausung gerade recht: so lassen sich die Nachbarn prima belauschen und welch Glück, es handelt sich um eine zwielichte Bande die gerade ein paar bekiffte Hanfbauern ausnehmen wollen.
Die Freunde beschließen sofort deren Pläne zu durchkreuzen. Etwas nachteilig wirkt sich die Tatsache aus, daß die Jungs als Laien es mit ausgewachsenen Verbrechern aufnehmen müssen. Doch die Angst vor Harry und seinem "Schuldeneintreiber" Chris (inklusive Nachwuchstalent, seinem eigenen Sohn) ist größer und so startet eine aberwitzige, verworrene, herrlich amüsante und kurzweilige Story, bei der so unglaublich real und menschlich Zufälle passieren, peinliche Pannen und typische Gespräche stattfinden, was uns alle Protagonisten so nah und wirklich erscheinen lässt. Ein Film mit einer Vielzahl an Leichen, riesigen Mengen von Drogen und zwei antiken Gewehren.
Kein Darsteller profiliert sich wirklich, alle sind gleichsam wichtig und nehmen Raum ein. Anachisch, witzig, wild, verzwickt - Guy Ritchies furioses Regiedebüt ist ein Musterbeispiel für die Renaissance des britischen Kinos. Die Gaunerkomödie lebt von verblüffenden Drehbuchwendungen, aufregenden filmischen Einfällen und den enthusiastischen Darstellern, zu denen auch Popikone Sting und Fussballstar Vinnie Jones zählen. Abgerundet wird das ungewöhnliche Filmerlebnis durch den coolen Soundtrack, einer Mischung aus Soulklassikern, Britpop und Dum`n Bass für Cineasten.
Obwohl schon einige Vergleiche zwischen Guy Ritchie und Quentin Tarantino gezogen wurden, wäre es unfair den brillanten Witz der Geschichte und die innovative Kameraarbeit unterzubewerten, die der Regisseur in sein Debütwerk einbringt. Ritchie's Film ist eine urkomische und gelegentlich rührende Betrachtung von Freundschaften und Treue. Der Regisseur und seine Kumpel (die einen Großteil der Besetzung ausmachen) hatten hier offenbar einen Heidenspaß, was in einigen glänzenden schauspielerischen Leistungen herüberkommt -- hervorzuheben sind der ehemalige Fußballer Vinnie Jones (Big Chris) und ein besonders extravaganter Vas Blackwood (als Rory Breaker), der den anderen fast noch die Schau stiehlt.
Ein Film, den man fast zweimal ansehen muss, um wirklich alles zu verstehen und alle Details zu entdecken. Und den man noch viel öfters ansehen kann, ohne dass einem langweilig wird. Ein Film der eigentlich 10 Punkte verdient - weil: was wollte man besser machen? Ich weiß es wirklich nicht, aber die 10 sind in diesem Fall Tarantino'eskem Stil einfach dem Meister Himself vorenthalten - also bleibt: (9,5/10)