Review

Es ist zwar aus meiner Position verdammt schwer, "Armageddon" als Meteoritenkatastrophenthriller noch zu unterbieten, doch "Deep Impact" schafft es irgendwie dann doch.
Der Grund liegt in der Herangehensweise an das Thema, daß den denkenden Menschen dann doch recht schnell ärgerlich werden läßt, weil man für reichlich spektakuläre FX angelaufen kommt, um dann ohne Ende "Human Drama" präsentiert zu bekommen. Und reichlich amerikanisiertes noch dazu!

Da finden erst der All American Boy und ein Astronom gemeinsam den todbringenden Kometen/Asteroiden/Wasweißich und der Fachmann hat nicht Eiligeres zu tun, als wie ein wackerer Henkersmann durch die Kurven zu jagen, auf daß ihn ein Truck von der Straße fegt. Da wird nicht erst die Expertise mal geprüft, sondern sofort panisch durch die Wälder gejagt.

Aber egal, das macht das Drama nur noch dringlicher und die Story noch verlogener. Was haben wir denn da noch in der Packung: eine Journalistin auf dem Weg nach oben mit gediegenem Vaterkomplex (was ein Wunder, denn es handelt sich um Maxi Schell), den Entdeckerjungmann, der einen Sonderplatz im Rettungsberg bekommen soll, aber gern seine Teeniebraut mitnehmen möchte, die Raumschiffzerstörercrew mit dem ungewollten Alt-Astronauten-Anhang Robert Duvall, der natürlich die Rettung parat hält und als verlogener Höhepunkt, Morgan Freeman als schwarzer amerikanischer Präsident, der erst an die Öffentlichkeit geht, als fast alles im Arsch ist, weil er gleich noch einen Rettungsplan präsentieren will.

Überhaupt ist es mal wieder Amiland, daß hier samt Alibiteamrussen vom Weltall aus die Rettung bringen soll, dafür bekommt es aber auch die besten Brocken ab. Ansonsten geben sich reichlich tv-geprüfte Darsteller hier ein blass menschelndes Stelldichein, als wären die seligen 70er mit "Erdbeben" wieder auferstanden. Aber Tea Leoni (Mrs. David Duchovny) ist eben nicht Ava Gardner, Maxi Schell nicht Lorne Greene und Robert Duvall leider auch nicht Charlton Heston. Aber so geht es eben zu wenn America the Beautiful ins Gras beißen muß:
Der Space Rettungsplan schlägt eher fehl, die Teenie-Geliebte will bei Family bleiben und in der Redaktion geht's bis zum Einschlag um die dicke Story.

Da dürfen die weniger Gutwilligen schon erbost auf den Tisch hauen, denn wir sind wegen der Katastrophenszenen gekommen. Doch es naht Rettung mit poetischer Gerechtigkeit und zentnerweise Kitsch: Oldie Duvall kommt der rettende Selbstopferungseinfall (da können noch reichlich Abschiedsszenen eingebaut werden), Vater und Tochter treffen sich am Strand (werden trotzdem zwei Stunden zu spät von der Flutwelle zermalmt), Boy meets Girl und bekommt ein Baby dazu geschenkt (allein für die Symbolik gehört Mimi Leder der Arsch versohlt) und der schwarze Präsi ist nicht gleich für den Weltuntergang zuständig.

Brrrr, ist das klebrig. Da helfen auch schön computeranimierte Bilder von der NY-verschlingenden Flutwelle nicht mehr, von einer weggerissenen Freiheitsstatue oder dergleichen, denn sie sind kurz und kommen zu spät und haben da schon viel an Wirkung verloren, weil alle im Kino mit dem Saccharinschock zu kämpfen haben oder vor Tränen nichts mehr sehen können.
Nichts gegen menschliche Schicksale, aber dermaßen repräsentative Pappdeckelklischees aus der Patriotenlade konnten auch nur in den USA soviel einspielen wie "Godzilla". Aber der war wenigstens schundig UND lustig. (3/10)

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