Im Jahr 1998 setzten gleich zwei Filme parallel dazu an die Erde vom All aus zu vernichten. In beiden Fällen sollten es Asteroiden sein, die sich den weiten Weg durchs All gemacht haben um die USA...äh...die Welt zu vernichten. Der eine, Armageddon, wurde von Michael Bay zu einem 145 Millionen Dollar teuren Actionfilm, der an unfreiwilliger Komik und fehlender Logik kaum zu überbieten ist und wohl deshalb an den Kinokassen ordentlich abräumte. Der zweite Film, Deep Impact, ist zwar streckenweise ähnlich simpel gestrickt wie Michael Bays Patriotismusgranate, kann aber durch eine andere Herangehensweise an das Thema doch Punkten.
Bei "Deep Impact" steht die Actionreiche Katastrophe nicht am Beginn und wird bestimmendes Element, Regisseurin Mimi Leder beschäftigt sich mehr mit Einzelschicksalen, die sie rausgreift und erzählt. Da ist der Schüler, der den tödlichen Kometen entdeckt und auf Grund dessen einen Platz im schützenden Riesenbunker sicher hat, in diesen aber nicht ohne seine ebenso junge Frau gehen will und sie im Finale vor der tödlichen Flutwelle auf einen Berg rettet. Da ist die junge, aufstrebende Reporterin, die nicht nur Probleme mit ihrem Vater und dessen junger Freundin hat, sondern sich anhand der bevorstehenden Katastrophen hocharbeitet und sich letztlich für ihre Konkurrentin opfert. Der farbige Präsident, der zunächst versucht die Sache zu verbergen, dann aber doch an die Öffentlichkeit geht und im Finale vor einem zerstörten Weißen Haus eine erste Ansprache an das Volk hält. Natürlich dürfen auch die Astronauten nicht fehlen, die mit einem eiligst gebauten Riesenraumschiff den Kometen den bedrohliche Himmelskörper sprengen sollen, scheitern und letztlich dank des Oldies an Bord sich selber opfern und somit die Menschheit (zumindest einen gro0ßen Teil davon) retten. Natürlich wirkt das alles teilweise übertrieben kitschig und auch wird kaum ein Klischee ausgelassen. Erstaunlicherweise funktioniert der Film trotzdem sehr gut, auch wenn er sicher kein Meisterwerk ist, dafür gibt es dann doch zu viele Schwachpunkte. Trotzdem muss man der Regisseurin zugestehen, das sie es geschafft hat einen gelungenen Katastrophen Film zu drehen, der eher das Drama Genre bedient.
Die Effekte kommen dabei natürlich nicht zu kurz. Insbesondere die Szenen im All und auf dem Asteroiden schlagen hierbei den doppelt so teuren Armageddon eindeutig und wirken weit weniger lächerlich als in Bays Film. Computererzeugte Effekte und toll gestaltete Kulissen bieten ein eindrucksvolles Bild. Auch der Einschlag eines Bruchstücks in den Atlantik und die anschließende Flutwelle sehen auch heute, 6 Jahre danach, noch sehr eindruckvoll aus und haben nichts von ihrer Wirkung verloren, auch wenn man durchaus eingestehen muss, dass man diese Effekte heute wohl doch bedeutend besser hinbekommen würde.
Die Darstellerriege wartet mit beeindruckenden Namen auf. So sieht man Morgan Freeman als Präsident, auch wenn man sagen muss, das Freeman sicherlich schon bessere Rollen gespielt hat. Die Jungstars Leelee Sobiski und Elijah Wood spielen überzeugend und lassen erahnen was in ihnen steckt. Maximilian Schell spielt einmal mehr sich selber, als alternden Frauenabschlepper und Teah Leoni als seine Tochter und aufstrebende Reporterin kann auch überzeugen. Am meisten sticht aber einmal mehr Robert Duvall heraus, der als Landungsexperte mit im All ist und sich letztlich opfert. Das geht übrigens erfreulicherweise weniger peinlich von statten als in Armageddon.
Auch wenn Armageddon an der Kinokasse das Duell der Zerstörungskracher eindeutig für sich entschieden hat, ist für mich doch "Deep Impact" der eindeutig bessere Film. Eine ordentliche Darstellerschar, die nicht wie im Bay Film hinter der Action zurücksteht und eine kitschige aber irgendwie doch mitreißende Geschichte sorgen dafür, das man sich durchaus gelungen unterhalten lassen kann. Sicherlich wird auch hier nicht an Patriotismus gespart und im Finale wird ordentrlich dick aufgetragen, aber letztlich ist der Film doch knapp über Durchschnitt. 6,5 von 10 Punkten.