Review

"Von Löwen und Lämmern" setzt sich aus 3 wesentlichen Handlungssträngen zusammen. Während 2 Soldaten abgeschieden von der Gruppe in Afghanistan um ihr Leben kämpfen müssen, versucht ein US-Senator, gespielt von Tom Cruise diesen Einsatz vor der Reporterin Meryl Streep zu rechtfertigen und versucht diese für seine Sache zu gewinnen. Zum gleichen Zeitpunkt erklärt ein Universitätsprofessor, gespielt von Robert Redford, warum sich seine ehemaligen Schüler für den freiwilligen Einsatz in Afghanistan gemeldet haben.

Momentan scheinen kritische amerikanische Kriegs-Dramen ja in Mode gekommen zu sein. Peter Berg machte mit "Operation Kingdom" den Anfang, es folgten "Machtlos" und "Im Tal von Elah" und nun scheint auch Robert Redford den Stoff für sich zu entdeckt zu haben und veröffentlicht das Drama "Von Löwen und Lämmern", dass im Kino übrigens wie die anderen erwähnten Film auch floppte, da die Amerikaner scheinbar nicht noch nicht dazu bereit sind in den Spiegel zu schauen. Aber der Film hätte dies auf jeden Fall verdient!

Die Story ist genial und vielschichtig. Die 3 Handlungsstränge sind gut miteinander verknüpft und werden parallel gezeigt. Obwohl die einzelnen Figuren alle einen verhältnismäßig kurzen Part haben, werden sie mit emotionaler Tiefe konstruiert, aber im Mittelpunkt steht natürlich der Konflikt mit Afghanistan, den Redford hier aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Redford bringt alle bereits aus Talkshows und Stammtischen bekannten Argumente vor und platziert diese in seiner Story, ohne für irgendeine Seite Partei zu ergreifen. Für amerikanische Verhältnisse ist "Von Löwen und Lämmern" sehr kritisch und ehrlich. Der Film besteht fast ausschließlich aus intelligenten Dialogen, die dem Zuschauer auch im Nachhinein noch etwas zu Denken geben. Er beschäftigt sich mit demokratischen Idealen, dem politischen Konflikt zwischen Afghanistan und den USA, aber auch mit der Rolle der Medien bei einem solchen Konflikt und verdeutlicht die vielen Aspekte hervorragend an seinen Hauptfiguren. Ein kleines Problem sehe ich jedoch darin, dass Redford sich für seinen, gerade einmal 88-minütigen Film eine zu große Palette an Themen auswählt, die er nicht alle ausführlich behandeln kann. Dennoch ist die Story hervorragend, vielschichtig, ehrlich und kritisch.

Robert Redford leistet als Regisseur einmal mehr hervorragende Arbeit. Die Filmmusik tritt die meiste Zeit über in den Hintergrund, da der Film sehr dialoglastig ist. Der Schnitt ist hervorragend. Redford wechselt die ganze Zeit über in einem rasanten Tempo zwischen seinen Handlungssträngen und hält damit das Erzähltempo sehr hoch . Es gibt kaum Momente, in denen nicht über das brisante Thema diskutiert wird. Redford baut zwar ein paar Kriegs- und Schuss-Szenen mit ein, diese fallen aber eher unter den Tisch und stellen nur einen Bruchteil des Films dar. Einmal mehr beweist Redford, dass er zu den talentiertesten Filmemachern gehört und führt nach "Der Pferdeflüsterer" und "Die Legende von Bagger Vance" nach 7 Jahren wieder Regie.

Der Unterhaltungswert ist hoch, wenn man denn dazu bereit ist, sich mit dem Stoff auseinander zu setzen. Wenn man sich mit den Argumenten und den verschiedenen Perspektiven des Films auseinander setzt, kann man als Zuschauer einiges mitnehmen, darüber hinaus wird der Film seine Aktualität wohl nie verlieren, da man ihn im Prinzip auf jeden Konflikt beziehen kann. Wer jedoch einen Anti-Kriegsfilm mit deftigen Action-Sequenzen wie "Der Soldat James Ryan" oder "Der schmale Grat" erwartet, wird diesen Film definitiv hassen. "Von Löwen und Lämmern" hat eigentlich gar keinen richtigen Anfang und wirft den Zuschauer mehr oder weniger in das Geschehen und er endet auch relativ offen. Dennoch kann der Film mit der Zeit Spannung und Dramatik aufbauen und ein hervorragendes Finale bieten. Wenn man sich nicht mit der Materie beschäftigen will, sollte man sich den Film am besten erst gar nicht ansehen.

Die Darsteller sind ebenfalls gut. Robert Redford präsentiert sich einmal mehr routiniert und spielt die Rolle des engagierten Universitäts-Professors hervorragend. Darüber hinaus merkt man seinem starken Spiel an, dass er es mit der Botschaft des Films ernst meint. Mal wieder kann Redford einige hochkarätige Darsteller um sich scharen. So spielt Tom Cruise die Rolle des konservativen Senators ebenfalls hervorragend und macht nach "Collateral" und "Last Samurai" endgültig seinem Sunnyboy-Image ein Ende. Auch Meryl Streep präsentiert sich in der Rolle einer kritischen Journalistin, die die Absichten des Senators direkt durchschaut hervorragend. Und auch die weiteren Nebendarsteller, zu denen unter Anderem Michael Pena und Kevin Dunn gehören, spielen überzeugend. Auch Peter Berg, der "Operation: Kingdom" inszenierte, spielt mit und dürfte damit wohl neben Michael Moore zum Staatsfeind Nr. 1 avancieren.

Fazit:
"Von Löwen und Lämmern" ist ein gelungenes und vor allem kritisches Drama, dass den Afghanistan-Konflikt und demokratische Ideale hervorragend beleuchtet. Mit hervorragenden Darstellern setzt Redford das Drama routiniert um und gibt dem Zuschauer somit einige Denkanstöße. Wer jedoch ein Kriegs-Drama, das vor lauter Action überkocht erwartet, wird wohl bitter enttäuscht werden. Das intelligente Drama ist durchaus empfehlenswert.

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