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Regisseur Rob Reiner wagte sich schon öfters an emotionale Filme. Sein "Stand by me" dürfte so gut wie Jedem ein Begriff sein, "Harry & Sally" ebenfalls, sowie die zwei spannenden Thriller "Eine Frage der Ehre" und "Misery". Mit Morgan Freeman und Jack Nicholson hat Reiner zwei Schauspielgrößen, bei denen praktisch nichts schiefgehen kann. Die beiden Oscarpreisträger haben aber auch anspruchsvolle Charaktere zu mimen, sie tragen den Film auf ihren Schultern. "Das Beste kommt zum Schluss" befasst sich eigentlich mit einem, für den Menschen, grausamen Thema. Damit meine ich nicht nur den Tod, sondern noch viel schlimmer, man weiss ungefähr wann man abtritt.
Sein Leben lang schuftete Carter Chambers (Morgen Freeman) als Automechaniker, nun bekommt er eine niederschmetternde Nachricht vom Arzt. Er hat unheilbaren Krebs, man gibt ihm noch circa sechs Monate. Im Krankenhaus freundet er sich mit dem Millionär Edward Cole (Jack Nicholson) an. Auch Edward hat Krebs, die Ärzte geben ihm nicht viel länger als Carter. Die Beiden beginnen eine Löffel-Liste, was man noch alles unbedingt tun will, bevor man stirbt. Edward und Carter werden gute Freunde, lassen es nochmal so richtig krachen und erfüllen sich ihre Lebenswünsche. Doch irgendwann schlägt der Krebs zu.

Man kann gar nicht anders, man fühlt mit Edward und Carter. Vor allem mit Carter kann man sich identifizieren, denn er stellt den normal arbeitenden Bürger da. Sein ganzes Leben hat er gearbeitet, die Rente vor Augen, nun diese Diagnose. Doch ob arm oder reich, Beide trifft es schlimm. Edward ist Millionär, ihm gehört sogar das Krankenhaus. Ein ziemlich garstiger Mensch, der seinem Assistenten Thomas (Sean Hayes) oft übel zusetzt. Der kluge Carter, der jede Antwort bei "Jeopardy" kennt und der jähzornige Edward werden gute Freunde.
Im ersten Drittel lässt es Reiner extrem ruhig angehen. Seine Hauptcharaktere brauchen Platz und müssen erst zusammenfinden. Dies braucht natürlich seine Zeit. Doch trotz der traurigen Handlung kann man öfters herzhaft lachen, besonders wenn sich Carter über die miese Erbsensuppe beschwehrt, oder Edward das erste Mal Bekanntschaft mit einer Chemotherapie macht.
Sobald die Beiden beginnen ihre Liste abzuarbeiten erhöht Reiner das Tempo. Ob Fallschirmspringen, einen Shelby fahren, die Pyramiden, eine Safari in Afrika oder den Himalaya. Man cruist in der gesamten Welt umher. Die Dialoge verlieren nie ihren Pepp und Witz, bis es gegen Ende natürlich traurig wird. Aber Reiner kann den Kitsch komplett umgehen und liefert zwar ein trauriges, aber dennoch freudiges Ende.
Viel hat Reiner dem tollen Duo Freeman/Nicholson zu verdanken. Zwei großartige Mimen, die in jeder Situation überzeugen. Während Freeman eher Ruhe ausstrahlt, ist Nicholson gewohnt schadenfroh, manchmal auch garstig. Die restlichen Darsteller haben da keine Chance, obwohl auch sie gute Arbeit leisten. Aber Reiner konzentriert sich hauptsächlich auf die unterschiedlichen Hauptcharaktere.

Hier dürfte selbst ein Eisblock auftauen. Aus einem solchen Thema eine Komödie zu machen ist nicht leicht. Vor allem wenn man Klischees umgeht, nie dem Kitsch verfällt und tolle Dialoge zu bieten hat. Hinzu kommen die brillianten Leistungen von Morgan Freeman und Jack Nicholson. "Das Beste kommt zum Schluss" erwärmt einem das Herz und macht gleichzeitig unheimlich Spass.

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