Review

Auf der Suche nach neuen Tiefpunkten im Leben eines Film-Vielsehers braucht man sich lediglich in die niederen Gefilde des Amateur-Horrorgenres zu begeben. Dabei ist es egal, wo man wildert, ob bei Schnaas oder im Ausland, fündig wird man eigentlich immer.

Ein ganz besonders abstoßendes Werk, selbst wenn man die eigenen Ansprüche ausnahmsweise unterhalb der Grasnarbe anzusiedeln bereit ist, wurde 2007 aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland importiert und läuft sogar seit geraumer Zeit beim Internetfilmportal Maxdome in leicht gekürzter Form, nämlich „100 Tears“.

Dies ist einer von diesen Filmen, in denen nichts anderes zählt als Gewalt, Blut, Gewalt, Blut und manchmal auch Gewalt und Blut, wenn nicht gerade Gewalt und Blut dazwischenkommt. Worum es geht? Nun ja, um einen fetten Killerclown, der Menschen tötet. Eine Handlung findet quasi nicht statt, stupide wird ein Metzelszenario an das nächste geklebt, in der Hoffnung, daß die Zielgruppe, die anspruchslosesten blutgeilen Slasher-Freunde, befriedigt wird.

Welchen Weg der Film beschreiten wird, macht bereits die Eingangssequenz deutlich: Innerhalb von fünf Minuten werden acht Menschen in einem Obdachlosenheim von dem Clown mit dem großen Hackebeil zerteilt, darunter geschmacklich fragwürdig auch eine Rollstuhlfahrerin. Bereits hier ertrinkt alles in dem roten Lebenssaft, alle Körperteile, die abgehackt werden können, werden auch abgehackt.

Sogar einem kranken Hirn wie dem des Drehbuchautoren Joe Davison war dabei klar, daß er seinem Publikum wenigstens rudimentäre Ansätze einer Geschichte anbieten muß. Daher schrieb er sich selbst als männlichen Part des designierten Heldenduos ins Skript, zwei Schmierblatt-Journalisten, die Nachforschungen anstellen und dem Clown auf die Schliche kommen. Davison, der hier Mark heißt, spielt einen behäbigen Fettsack, der zu seiner Kollegin Jennifer (Georgia Chris) in einer nicht näher definierten Beziehung steht und es lustig findet, ihr bei der Morgengymnastik gepflegt ins Gesicht zu furzen. Jennifer droht dann zwar damit, es ihm heimzuzahlen, indem sie auf sein Kopfkissen kackt, aber in die Tat setzt sie es dann doch nicht um (jedenfalls nicht im Blickfeld der Kamera). Zu diesem Zeitpunkt war ich versucht, mit dem Finger auf die Stoptaste zu drücken, doch die Chronistenpflicht hielt mich davon ab.

Überhaupt ist Davisons Humorverständnis diametral entgegengesetzt zu meinem, wenn hier allgemein gern das Wort „kacken“ in den Mund genommen wird oder sich die Helden zu gar lustiger Countrymusik auf die minutenlange Jagd nach einem Informanten, einen Liliputaner, machen. Ansonsten spielt sich „100 Tears“ (der Titel bezieht sich übrigens auf die Tränen aus Menschenblut, die der Killer an die Wände der Tatorte zeichnet – logo, daß das keinerlei Rolle für den Film spielt) bierernst und versucht mit sekundenkurzen Einschüben und Rückblenden den Clown und sein Verhältnis zu seiner ebenfalls geisteskranken Tochter zu beleuchten, aber da in der nächsten Szene wieder namenlose Milchgesichter (ein rundes halbes Dutzend), gemeuchelt werden, die nicht ein einziges Wort Dialog haben, können die Gekröse-Fans wieder aufatmen und dabei zusehen, wie ein Typ mit seinem eigenen Dickdarm stranguliert wird.

Auch ein Bodycount von dreißig (merke: Quantität ungleich Qualität) kann vor zunehmenden Ermüdungserscheinungen nicht schützen, denn irgendwann ist es auch aus reiner Verhackstück-Sicht nur noch öde, den dreiunddreißigsten Arm bzw. den siebenundvierzigsten Kopf durchs Bild rollen zu sehen, wenn der Film von Anfang an in die Vollen geht und eine Steigerung schlichtweg nicht erkennbar ist. Wiederholung der immergleichen mittelprächtigen Effekte macht das Geschehen nicht interessanter.

Dazu gibt es eine ultrabillige Optik mit einer grottenschlechten Synchronisation, die Nebengeräusche wie das Zuschlagen einer Autotür konsequent ausblendet und jeden Dialog so emotionsarm wie möglich rüberbringt.

Wenn man einen positiven Aspekt nennen will, dann den, daß wenigstens Vor- und Abspann hörenswerte Songs aufweisen, während der Score fast ausschließlich unpassende Technomucke darstellt, mit der die Mordszenen zugekleistert werden. Das ist aber noch das geringste Problem, denn die 90 Minuten sind Gewaltpornographie pur, unangenehm zu betrachten, äußerst bedenklich in seiner Gesinnung (die Macher müssen schon einen gehörigen Sprung in der Schüssel haben, um einen solchen kruden Mist zu schreiben und zu inszenieren, nicht wahr, Herr Koch, nicht wahr, Herr Davison?) und insgesamt einfach die Gattung Film, die normalerweise von unseren Sittenwächtern indiziert oder gar beschlagnahmt wird. Sollte jemand von denen nachträglich noch auf die Idee kommen wie damals im Falle „Voyeur.com“ – ein Verlust wäre es nicht, vielmehr ein Gewinn, nämlich ein schwarzes Loch in der Filmwelt weniger. Ich würde ihm auch keine Träne nachweinen – im Gegensatz zu den mindestens 100 Tränen, die ich während des Films vor Schmerz vergossen habe.

Megabrutales, aber auch megaschundiges Abfallprodukt! 1/10.

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