Review

Nicht, dass ich unbedingt etwas gegen Splatterfilme habe. Allein die Filme sollten zumindest eine nachvollziehbare Handlung haben und das grausame Geschehen doch in irgendeiner Weise motiviert sein. Dies ist bei "100 Tears" nur bedingt der Fall. Fast hat man den Eindruck als sei den Filmemachern (allen voran Drehbuchschreiber Joe Davison, der auch eine der Hauptrollen spielt) die Handlung erst während des Drehs eingefallen. Dieser Befund wird durch Aussagen im "Making of" gestützt, wo Davison ausführt, dass zum Beispiel die Rolle des Polizisten Dunkin erst später hinzugefügt worden sei, da man unbedingt den Schauspieler dabei haben wollte.

Wie gesagt, die Handlung spielt bei diesem Film eher eine Nebenrolle - es geht eher darum einen Handlungsfaden zu präsentieren, in dessen Verlauf der Clown Gurdy immer wieder brutale Morde, bei denen er seine Opfer verstümmelt oder zerhackt, verüben kann. So beginnt auch der Film mit solchen Morden, um dann mit einer Rückblende (one week before) die Protagonisten auftreten zu lassen. Dabei handelt es sich um ein Journalistenpärchen, das endlich mal die große Story landen möchte. Die Frau, Jennifer Stevenson, schlägt vor, eine Artikelreihe zu regionalen Serienmördern zu kreieren. Ein aktueller Fall, von dem sie von ihrer bei der Polizei arbeitenden Schwester gehört habe, dränge sich förmlich auf. Es geht um den "Tränenkiller", der schon 168 Mal zugeschlagen habe und an den Tatorten immer mit Blut gemalte Tränen hinterlasse (wieso heißt dann der Film 100 Tears - konnten hier der Drehbuchschreiber oder der Regisseur nicht zählen?). Die beiden Reporter machen sich also auf die Suche nach Informationen und können auch frische Tatorte besichtigen, nachdem der Zuschauer zuvor dort ein Gemetzel des Clowns miterleben durfte. Viele der Morde mögen dem Splatterfan plausibel erscheinen, sind aber physisch einfach unmöglich (z.B. Blutfontänen, die aus schon getöteten Personen hervorsprudeln oder ein Fußtritt, mit dem es der Clown schafft, einen Schädel in einem Rutsch zu zertreten). 

Aber ich will mich hier nicht in den blutigen Details der Handlung verlieren. Das Spiel der Akteure hat, wie bei einer Low Budget Produktion üblich, in der der Drehbuchschreiber eine Hauptrolle übernimmt, häufig eher Laienspielcharakter. Einzig Jack Amos, der den Clown mimt, konnte mich durch sein Mimen(!)spiel überzeugen, denn er hat in dem Film zwar eine recht aktive, aber stumme Rolle. Zum Glück für ihn, denn die Dialoge sind dürftig und hätten vielleicht in der deutschen Synchronisation überarbeitet werden dürfen. Beispiel 1, wenn die Reporter ein Mordopfer finden: "Ist sie tot?" "Sehe ich aus wie ein Pathologe?" Oder Beispiel 2, berühmte letzte Worte der Polizisten, als sie das Haus betreten, in dem der Clown auf sie wartet: "Was soll schon passieren?"

Ja, was soll schon passieren, außer eine Aneinandereihung von Grausamkeiten, wobei man zugeben muss, dass die Gore-Effekte gut in Szene gesetzt wurden (dafür gibt es in der Wertung einen Extrapunkt). Tabubrüche, wie die Enthauptung einer Rollsatuhlfahrerin scheinen für Regisseur Marcus Koch dazu zu gehören. Er bedient in vielen Einstellungen auch die Kamera, kann aber dem Film selber keine besondere Note verleihen. Stattdessen präsentiert er uns Drehorte, die wenig überzeugen, z.B. ein "Obdachlosenheim" mit einem ATM-Automaten.

Die mir vorliegende Fassung ist nicht indiziert, was mich verwundert, wird hier doch stellenweise ordentlich zugelangt. Die Synchronisation ist eher blass, das heißt, es fehlen jegliche Hintergrundgeräusche. Sie reiht sich also in den Low Budget Charakter des Ganzen ein.

Splatterfans werden eventuell den Film gut finden, mich hat er mangels überzeugender Handlung irgendwann gelangweilt - schade um die Bildschirmzeit.

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