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Anfang der 1980er Jahre entschließt sich die alleinerziehende Mutter Sara Bender (Veronica Ferres) ihren Freund Peter Koch (Peter Kremer) in Erfurt zu heiraten. Die beiden Kinder Sabine "Bine" (Elisa Schlott) und Silvia (Maria Ehrich) aus erster Ehe verstehen sich gut mit Peter, und so ist bald ein Termin gefunden. Auch Saras Vater aus der BRD ist eingeladen, hat jedoch auf der Hinreise einen Autounfall, der ihn ins Krankenhaus bringt. Darüber geschockt verschiebt Sara die Trauung zunächst und möchte ihren schwer verletzten Vater im Spital besuchen, erhält jedoch keine Genehmigung für eine Reise in den Westen. Sara, deren Stasi-Akte ein paar wenig schmeichelhafte Bemerkungen über die DDR beinhaltet, stellt daraufhin einen Ausreiseantrag, welcher ihr erst recht verwehrt wird.
Die junge Frau fasst daraufhin den Entschluß, ihr bisheriges Leben aufzugeben und sich mit beiden Töchtern über Rumänien in den Westen abzusetzen. Nach einem konspirativen Treffen mit einem Mittelsmann setzt sie sich in ihren Trabant und zu dritt geht es los über die grüne Grenze Richtung schwarzes Meer. Der Grenzübertritt gelingt dank Bakschisch zwar einigermaßen problemlos, doch beschleicht Sara ein mulmiges Gefühl, als sie in einem Gasthof einkehrt. Als ihr dort auch noch die Handtasche mit Papieren und Geld gestohlen wird, versucht sie, in der nächstgrößeren Stadt Ersatzpässe beim westdeutschen Konsulat zu bekommen. Die werden der angeblichen "Bürgerin aus Hannover" zwar ausgehändigt, doch kurz darauf wird sie am Flughafen von einigen Stasi-Schergen festgenommen - irgendjemand hat ihre Flucht verraten und sabotiert. Nach einem Verhör werden Mutter und Kinder getrennt voneinander nach Berlin zurückgeflogen - die beiden Mädchen kommen in ein Internat in der Nähe von Dresden und Sara selbst sieht sich mit einer Anklage wegen Republikflucht konfrontiert...

Der deutsch-deutsche Alltag vor dem Mauerfall war für viele Menschen der damaligen Zeit prägend: was man sich heute, über 30 Jahre nach dem Ende des Arbeiter- und Bauernstaates kaum mehr vorzustellen vermag, hat jedoch für etliche Familientragödien gesorgt. Der nach einer wahren Begebenheit abgedrehte TV-Zweiteiler Die Frau vom Checkpoint Charlie zeigt noch einmal die Situation einer DDR-Bürgerin, die wie so viele das Land nicht verlassen darf, weil die allgegenwärtige Stasi sie als unzuverlässig einstuft. Dabei benutzt das kommunistische Regime die beiden 9- und 11-jährigen Kinder als Druckmittel, die aufbegehrende Mutter kleinzukriegen. Die aber steht zu ihrem Entschluß und geht dafür ein paar Jahre ins Gefängnis, bevor sie, natürlich ohne ihre Mädchen, von der DDR abgeschoben wird - bzw. von der BRD freigekauft wird, wie man dies seinerzeit euphemistisch nannte. Fortan ganz auf sich allein gestellt, postiert sich Sara mit einem selbstgemalten, anklagenden Plakat am Berliner Grenzübergang Checkpoint Charlie. Nach dem Motto steter Tropfen höhlt den Stein erregt sie damit bei Touristen und Medien eine gewisse Aufmerksamkeit - doch die DDR-Behörden denken gar nicht daran, die beiden Mädchen zu ihrer Mutter in den Westen ausreisen zu lassen.

Die Frau vom Checkpoint Charlie ist geradezu ein Lehrstück über das Unrechtsregime der damaligen DDR - es zeigt am Beispiel der auseinandergerissenen Familie auch deutlich, wie unverfroren sich die Stasi in höchst private Dinge einmischte und wie weitreichend deren Verflechtungen zu tragen vermochten: im Lauf des Films stellt sich nämlich bald heraus, daß Saras Freund Peter (den sie heiraten wollte) selbst Stasi-Offizier ist und den Lauf der Dinge maßgeblich beinflußt hat. Mit welch miesen Tricks der Geheimdienst arbeitete, wird auch daraus ersichtlich, wie manipulativ mit den beiden Mädchen umgegangen wird: daß ihre Mutter das Sorgerecht abgegeben habe, daß sie also gar nicht mit ihren Töchtern im Westen leben wolle, und als das nicht wirklich fruchtet, wird sogar ein erlogener Zeitungsbericht aus dem Hut gezaubert, daß Sara angeblich bei einem Autounfall gestorben sei...

Daneben gerät auch die kleinteilige Zusammenarbeit der beiden deutsch-deutschen Behörden über alle Gegensätze hinweg kurz in den Fokus - die westdeutschen Funktionäre können der resoluten Thüringerin nämlich nicht weiterhelfen und machen ihr durch die Blume auch klar, daß ihr öffentlichkeitswirksames Auftreten die innerdeutschen Beziehungen mehr oder weniger belaste. So bleibt Sara nicht viel mehr, als immer wieder am Checkpoint Charlie aufzumarschieren - selbst nachdem sie von Stasi-Helfershelfern (im Westen) überfallen und verletzt wird. Mit Unterstützung einer Menschenrechtsorganisation reist sie schließlich zur KSZE-Konferenz nach Helsinki, wo sie den seinerzeitigen Außenminister Genscher treffen will - doch auch die Stasi bereitet sich auf diese Reise vor...

Das Familiendrama in 2 x 90 Minuten ist bis in die Nebenrollen gut besetzt, wobei hier speziell Hauptdarstellerin Veronica Ferres das Lob gebührt, ihre Rolle überzeugend authentisch wiederzugeben - doch auch die beiden Kinderdarsteller der Mädchen oder auch Michael Schenk als Stasi-Oberst Wimpel wirken wie aus dem richtigen Leben gegriffen. Der Fall Jutta Gallus (so hieß Sara Benders Vorbild in der Realität) ist durchwegs spannend mitzuverfolgen, daß es am Schluß doch noch ein Happy End gibt, mag ein wenig darüber hinwegtrösten, daß es in hunderten vergleichbaren anderen Fällen jedoch - dank realsozialistischer Staatsräson - bei einer bitteren Trennung blieb. 8 Punkte.

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