Ein Bekenntnis vorweg: ich bin ein großer Fan des späten D´Amato-Erotikstils, wie er vor allem in den drei Filmen "Sklavin für einen Sommer", "Skandalöse Emanuelle" und "Die Lust" zu tragen kommt. Dieser Stil wird nicht von allen goutiert. Man muß sich auf die melancholische Stimmung einlassen, die erst den Hintergrund für die erotische Dekadenz der Dreißiger Jahre abgibt. Diese Stimmung ist wohl sowohl dem alternden D´Amato wie seinen ebenfalls in die Jahre kommenden Erotikstars angemessen und wird ziemlich professionell auf die Leinwand respektive den Bildschirm gebracht. In "Die Lust" erleben wir eine Altersrolle von Gabriele Tinti, der wenig später auch verstorben ist. Im Film trauert er allerdings um seine - ausschweifende - verstorbene Frau und läßt sich von seiner Stieftochter widerstrebend dazu verführen, die alten erotischen Erlebnisse mit ihr nachzuspielen. Isabella Andrea Guzan macht dies ganz großartig. Die erotischen Szenen finden in stimmigen Locations Venedigs statt, nicht in irgendwelchen Hotelzimmern (wie in dem D´Amato-Sleaze der 70er). Das edle Bordell, das wir auch in "Skandalöse Emanuelle" als Schauplatz kennen lernen, wird von Dagmar Lassander geleitet, die die Jungfräulichkeit der jungen - storymäßig minderjährigen - Stieftochter an den Meistbietenden verkaufen soll, weil sich der ersehnte Stiefvater verweigert hat. Lilli Carati billiert als Geliebte und Haushälterin, die ein mütterlich-amouröses Verhältnis mit dem Stiefsohn des Hausherrn hat. Laura Gemser hat wie in "Skandalöse Emanuelle" keinen Auftritt, der groß in Erinnerung bleibt.
Zusammengefaßt: ausdrucksstarkes Erotik-Kino, ein Schwanengesang auf die Welt der Erotik, ein Vermächtnis von D´Amato (dessen Abneigung für glatte Pornographie, mit der er sich sein Geld verdienen mußte, ja bekannt ist) und Gabriele Tinti.