Man muss sich schon manchmal deutlich vor Augen halten, dass selbst in den horrorüberfluteten 80er Jahren nicht immer nach der gleichen Formel gearbeitet wurde. So geschehen für mich auch bei „Nur Tote überleben“, einer fast vergessenen kleinen Perle, dessen deutscher Titel einem automatisch bei dem Produktionsjahr 1983 suggeriert, dass man es wohl mit einem kleinen Untotenabkömmling zu tun haben wird. Doch weit gefehlt.
Tatsächlich ist der Plot in einer ganz anderen Gegend gelagert, einmal in der Nachbarschaft von „Tanz der toten Seelen“, den Klassiker von 1962, und für moderne Zuschauer besteht eine gewisse Verwandtschaft zu „Final Destination“, auch wenn der Film sich hütet, das genauer zu definieren, was er wirklich ist.
Wie der Originaltitel „Sole Survivor“ schon richtig andeutet, geht es um die einzige Überlebende eines Flugzeugabsturzes, vorhergesehen durch eine hellsichtig angehauchte Schauspielerin. Nachdem die Gute also erholt und relativ psychosenfrei wieder ansatzlos in ihren Job als Werbespotproduzentin zurückkehrt, fühlt sie sich zunehmend von Leuten umgeben, die ziemlich „tot“ aussehen. Wobei „tot“ nicht für geschmackloses Geschmodder steht, sondern für stumm und regungslos in der Gegend herumstehende Personen, die hauptsächlich für Verunsicherung und Beunruhigung sorgen. Natürlich bleibt es nicht bei der Bewegungslosigkeit.
Mit im Spiel sind die Hellsichtige, eine junge Nachbarin und als Love Interest der behandelnde Arzt, womit man in einem Film über die Isolation des Individuums schon mal besetzungtechnisch knapp gut vorarbeitet.
Große Substanz brauch man bei diesem Setting nicht zu erwarten, also melkt Regisseur Thom Eberhardt (der auch im Jahr darauf „Der Komet“ im gleichen Genre drehte) das Maximum an Atmosphäre und Spannung aus den Zusammentreffen zwischen Protagonistin Denise und den meist aus der Pathologie entlaufenen Verblichenen.
Ein tropfendes Kind an einer Notaufnahmerampe, ein seltsamer Mann im Park, ein menschliches Hindernis auf einer Landstraße, eine seltsame Figur auf der anderen Straßenseite, schließlich ein Verfolger in einer – natürlich gerade sonst total leeren – Tiefgarage.
Aus Belästigung und Verfolgung werden nach und nach Attacken, bis die Damen und Herren aus der Pathologie vor Mord und Totschlag nicht mehr zurückschrecken.
„Sole Survivor“ ist kein Film für einsame Singles mit einem zeitfressenden Job, denn gerade dort setzt der Film nach und nach den Hebel an, wenn ihr Arzt Denises einzige Bezugsfigur wird und ihre – viel jüngere – Nachbarin ihr generell sonst bester Kontakt zur Außenwelt.
Einiges hätte man natürlich noch verfeinern können, denn das der Hype um eine einzelne Überlebende eines Absturzes so schnell abflaut, indem sie einfach heimlich das Krankenhaus verlässt und mit ihrem Job weitermacht, ist ziemlich unwahrscheinlich, aber der Film reduziert den Plot auf den wesentlichen Handlungsstrang, der zwischendurch immer mal durch die Visionen der von Denise beschäftigten Schauspielerin befeuert wird, die sich als Hellsichtigkeit herausstellen. So schließt der Film praktisch den Kreis vom vestörenden Vorspann (die Busfahrt durch die nächtliche Stadt entlang von Schaufenstern voller Mannequins), wenn genau das Gesehene am Ende tatsächlich noch einmal so geschieht.
In Sachen Darsteller hat man sicherlich keinen Höhepunkt bespielt, aber Anita Skinner gibt sich sichtlich Mühe, wirkt aber vor allem am Anfang seltsam unbeteiligt und fehl am Platz, gewinnt aber im Laufe des Films an Profil. Mit einem beklemmenden Finale und dem stetig steigenden Druck auf die Protagonistin in der zweiten Filmhälfte qualifiziert sich „Nur Tote überleben“ dann doch für die Oberstufe der generellen Videothekenware und funktioniert prima als Verbindungslink zwischen den beiden Filmen, die ich eingangs als Verwandte erwähnte. Insgesamt sehr erfreulich. (7/10)