Kleingauner Martin Lawrence und braver Bürger Tim Robbins als ungleiches Paar in einer Buddy-Komödie.
Nick Beam (Tim Robbins) hat alles, was man sich wünschen kann: Einen tollen Job als Werbekaufmann, ein schickes Haus und eine hübsche Ehefrau. „Nix zu verlieren“ baut das Bild der perfekten Idylle auf, nur um diese dann besonders genüsslich (und lustig) wieder zu demontieren. Denn eines Tages kommt Nick nach Hause und sieht, wie seine Frau und sein Chef Sex in im Ehebett der Beams haben.
Ebenso genüsslich wird dann auch Nicks anschließende Lethargie zelebriert: Nick steigt ins Auto und fährt los: Ohne auf Verkehrszeichen zu achten und dabei meist im Schneckentempo. Als er in einem eher miesen Viertel dann doch an einer Ampel anhält, klettert der Kleinganove T. Paul (Martin Lawrence) in sein Auto und will ihn ausrauben – doch Nick verriegelt die Türen und fährt mit vollem Tempo los. Da darf Lawrence dann wieder eine seiner typischen Panikattacken bekommen, was schon wieder den nächsten Lachkrampf produziert.
Als Nick dann endlich nach zig Kilometern im nächsten Bundesstaat anhält, kriegen sich die beiden mächtig in die Haare. Beim Streit erklärt Nick T. dann auch, wie er seine Überfälle professioneller machen könnte – und entwickelt dabei einen Plan, wie sie gemeinsam seinen Chef abzocken könnten, was nicht nur Geld, sondern Nick zusätzlich Genugtuung brächte…
Sicherlich hat Steve Oedekerks Komödie nicht den allerbesten Plot, aber weit mehr als eine reine Nummernrevue ist „Nix zu verlieren“ doch. Es gibt ein paar handfeste Überraschungen und die Spannung bewegt sich auf solidem Niveau. Auch wie happy das Ende nun schlussendlich sein wird, ist nicht klar, auch wenn man „Nix zu verlieren“ anmerkt, dass er seien Figuren nie etwas wirklich Böses widerfahren lässt. Längen gibt es nur ein paar kleinere, die aber meist erst beim zweiten oder dritten Ansehen auffallen.
Trotz der „Bad Boys“-Erfahrung von Martin Lawrence sollte man bei „Nix zu verlieren“ keinen großen Actionkracher erwarten, aber ein paar kleinere Actionszenen gibt es schon. Allerdings wird hier nur etwas jugendfrei geballert und verfolgt, was aber meist zur Unterstützung der Komik dient. Ebenso intelligent setzt Oedekerk zur Verstärkung des komödiantischen Effekts Musik ein: Da wird ein unfreiwilliger Steptanz mit Musik von Scatman John unterlegt oder zu einer wilden Knutscherei gibt es den Song „Ladies’ Night“ zu hören.
Denn Komik ist hier das A und O und man kann sich oft wirklich schlapp lachen. Pointierte Dialoge, urkomische Missverständnisse und wunderbar getimter Slapstick sorgen für den rechten Schwung in „Nix zu verlieren“. Mein persönlicher Favorit ist die Szene, in der Nick auf T.’s Ansprache reagiert, wie er am besten mit seiner Frau umgesprungen wäre. Auch bei mehrmaligem Sehen kann man über die Gags noch wunderbar lachen, auch wenn einige dann nicht mehr ganz so komisch sind. Zum Glück lässt „Nix zu verlieren“ seine Charaktere aber nie zu reinen Witzfiguren verkommen, sondern zeigt viel Gefühl, vor allem in Szenen mit T.’s Familie. Auch dies führt dazu, dass der Film bei mehrmaligem Sehen noch gut unterhält.
Martin Lawrence gibt mal wieder alles und liefert eine tolle Comedy-Performance ab. Tim Robbins als meist ruhiger Gegenpol wirkt gerade durch seine Zurückhaltung ziemlich komisch, weshalb die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern so wunderbar funktioniert. Die Nebendarsteller, darunter unter anderem Rebecca Gayhart und Kelly Preston, sind auch ziemlich gut, müssen aber hinter dem Protagonisten-Gespann eindeutig zurückstecken, denn der Film gehört eindeutig Lawrence und Robbins.
Auch wenn „Nix zu verlieren“ bei mehrmaligem Ansehen nicht mehr ganz so komisch wie beim ersten Mal ist, so hat Steve Oedekerk doch eine sehr lustige und temporeiche Komödie geschaffen.