Noch so eine Schwarz-Weiß-Paarung nach "Money Talks" und auch gleich aus demselben Produktionsjahr. Schwer zu sagen, für wen das nun wieder ein Starvehikel sein sollte, jedenfalls schneidet hier das "Weißbrot" wesentlich besser ab, als im Gegenstück und überhaupt ist der Film um einiges unterhaltsamer als der nur noch nervende Chris-Tucker-Film.
Unter dem Strich ist "Nothing to lose" ein sinnfreies, nur zu Unterhaltungszwecken gestricktes Stück alberner Quark. Aber eben doch sehr unterhaltsam.
Das Drehbuch scheint auf Experimentalbasis gebaut worden zu sein, die Grundsituation (Ehemann entdeckt Ehefrau mit seinem Chef im Bett) dient als Auslöser, eine Exposition wie ein Tortenboden, auf den jetzt alles gepfeffert wird, was nicht niet- und nagelfest ist. Tim Robbins, der gehörnte Ehemann, ist von nun an auf Scheißegal-Tour, was ihn bald zwangsweise an den Kleinganoven T., alias Martin Lawrence bindet. Deren wilde Fahrt führt zwar zum zentralen Punkt (wir rauben den ehebrecherischen Chef aus), die Umsetzung desselben ist im Film jedoch relativ unwichtig.
Der Film ergeht sich vielmehr in allerlei lustigen oder durchgeknalltenKleinigkeiten, skurilen und seltsamen Episoden, aus deren Gewirr am Ende die gesamte Konstruktion besteht. So führt u.a. eine große Spinne im Auto zu einem Abschüttel-Ekel-Tänzchen von Robbins, bei dem sich seine zuvor benzingetränkten Schuhe entzünden (treffend untermalt von "I'm a Scatman"), was alles von Lawrence mit einer Kamera aufgenommen wird, ein Film, der am Ende noch eine Rolle spielen wird. Ein völlig kaputter Ladendiebstahl, bei dem beide ihren Überfallsstil mit dem alten Besitzer diskutieren, bringt sie in den Besitz zweier Taschenlampen mit Radios, die ihren Raub später stark erschweren werden usw.
Meistens an ein knuddeliges Buddy-Movie erinnernd, durchlaufen beide Protagonisten eine Reihe von Katastrophen und Mißerfolgen, bei denen immer einer den anderen rettet, weil der jeweils nicht klar kommt. Lawrence labert sich dabei zwar die Kanne blank, aber die Regie vergißt hier nie, wann Schluß sein muß. Die besseren Punkte macht auf dem Fish-out-of-Water-Terrain sowieso Tim Robbins, dessen Unschuldsgesicht hier wie in "Hudsucker" absolut niedlich eingesetzt wird.
Stringente Handlungsführung und Story-Aufbau nach bekanntem Schema gibt es hier nicht, obwohl Steve Oedekerk immer alle Fäden in der Hand behält. Die Episodenhaftigkeit darf jedoch nicht stören, sonst wartet man stets auf einen bedeutenden Handlungsbogen, der eh nicht kommt. Doch diese Bauklötzchen-Arbeit kann wunderbar unterhalten, wenn man das meiste später auch bald wieder vergessen hat.
Einen Bonuspunkt gibt es noch für den hervorragend eingesetzten Soundtrack, der immer passend und up to date ist, um die Szenen stimmungsmäßig zu untermalen. (So wird ein Road-Trip-Lied für wenige Sekunden einfach gekappt, als die beiden eine Pinkelpause machen, setzt aber sofort wieder ein, als die Fahrt weitergeht.)
Klar, das ist eine Nichtigkeit hier, aber man kann damit einen Abend lang einen netten Spaß haben, der sogar halbwegs originell und neu ist. Knappe 7/10.