Der erfolgreiche Werbekaufmann Nick Beam (Tim Robbins) hat alles, was zu einem erfüllten und glücklichen Leben gehört. Dies ändert sich jedoch schlagartig, als er den Arbeitstag unerwartet früher beenden kann und zuhause seine bildhübsche Ehefrau Ann (Kelly Preston) dabei erwischt, wie sie es mit Nick´s Boss P.B. (Michael McKean) im Ehebett treibt. Diese Situation trifft Nick so hart, dass er die beiden ungestört zurücklässt, sich völlig apathisch ins Auto sitzt und kopflos durch die Gegend fährt. Weit entfernt von seinem Wohnort und die Gedanken immer noch nicht beisammen wird Nick an einer Ampel von dem Kleinkriminellen Terrance (Martin Lawrence) überfallen, der seine Geldbörse und seine Autoschlüssel will. Doch Nick ist alles egal und dieser Überfall entfacht in Nick einen Kurzschluss, der daraufhin wie ein Irrer durch die Stadt rast. Während der Amokfahrt verliert Terrance das Bewusstsein und erlangt es erst wieder, als sie in der Wüste im nächsten Bundesstaat stehen. Nachdem beide runtergekommen sind, beschließt Nick, es seinem Boss P.B. heimzuzahlen und den Tresorinhalt in der Firma zu stehlen - sehr viel Bargeld. Er rauft sich mit Terrance zusammen und so machen sie sich auf den langen Weg zurück, der viele verrückte Situationen mit sich bringt...
Ich ziehe an dieser Stelle mal blank und gebe gerne zu, dass "Nix zu Verlieren" zu einem meiner Lieblingsfilme gehört. Was für viele die grafisch harte Buddy-Komödie "Last Boy Scout" das Non-Plus-Ultra darstellt (den ich im übrigen auch sehr schätze), genießt diese seichte FSK12-Komödie bei mir einen genau so hohen Stellenwert. Natürlich haben beide Filme bis auf die Buddy-Komponente nicht viel gemeinsam - ich liebe "Nothing to Lose" (Original-Titel) aus anderen Gründen. Für mich stellt dieser Road-Trip eine kongeniale Mischung aus liebenswerten Hauptdarstellern, viel Slapstik und Situationskomik (bei denen ich mir die Unterhose vor Lachen zusaue), einer gut durchdachten Story und einem verdammt guten Soundtrack dar. Das i-Tüpfelchen ist die Charaktertiefe von T-Paul und Nick, sowie der dazu zugehörige Herzschmerz, bei dem ich auch mal ein Tränchen verdrücken kann.
Ich fange mal mit den Charakteren an: Man sagt ja immer, dass man mit fiktiven Charakteren mehr mitfiebert, desto mehr man sich selber in ihnen sieht. So ist das beispielsweise mit Robbin´s Charakter Nick: Gutaussehend, erfolgreich, charmant, gut bestückt. Solch eine Situation wie das Fremdgehen des eigenen Partners haben wir alle schon miterlebt. Das schöne ist, dass ich genauso wie Nick reagieren und mich passiv zurückziehen würde, anstatt wie die meisten - sich die nächstbeste Glasscherbe suchen und dem elenden Hund, der gerade auf Deiner Alten rumhüpft, die Halsadern aufzuritzen. Ganz ehrlich: Was sollte man, selbst wenn man nicht mit den Fäusten aktiv wird, der Freundin/Frau lautstark entgegenbrüllen? Was geschehen ist, kann man nicht mehr rückgängig machen.
Schon beim ersten Ansehen vor vielen, vielen Jahren hab ich Tim Robbins Charakter irgendwie als Art Seelenverwandten gesehen, der gerade die Scheiße durchmacht, die ich auch schon öfters unfreiwillig durchmachen musste. Ich hab Nick Beam direkt ins Herz geschlossen und da hat sich bis heute nach ca. 30 mal Ansehen nach wie vor nichts geändert.
Bei Martin Lawrence vermutet man zu Beginn, dass er lediglich im Eddie-Murphy-Modus für die Kalauer herhalten muss. Natürlich merkt man spätestens nach der dritten Szene auch bei ihm, dass dieser Kleinganove das Herz am rechten Fleck trägt.
Jedoch bekommt gerade dieser Charakter im weiteren Filmverlauf eine unglaublich sympathische Tiefe (mit der ich mich auch irgendwie identifizieren kann), wobei man auch noch für die knallharten Kritiker Zeit hat, einen Hauch Sozialkritik unterzubringen.
Bei den beiden Bad Guys weiß vorallem John C. McGinley zu überzeugen. Immer mit Fluppe in der Fresse, allzeit gewaltbereit und permanent mit Psycho-Blick würde ich ihm nicht gerne nachts begegnen.
Der ganze Film ist vollgepackt mit liebenswerten oder durchgeknallten Nebenrollen. Den Thron der Nebenrollen schnappt sich Steve Oedekerk, der hier als Nachtwächter mit außergewöhnlichen Fähigkeiten an einer Taschenlampe und seiner Variante von Disco-Dancing auf der Nachtschicht auftritt. Oedekerk, man mag es kaum glauben (bei diesem Auftritt), ist auch noch der Regisseur, der diesen Film verbrochen hat.
"Nix zu verlieren" bietet eine ganze Reihe weiterer Highlights an Szenen, die zum Brüllen komisch sind und im Gedächtnis bleiben werden.
Das Tempo ist permanent hoch, die Story durchdacht und vollgepackt mit vielen, kleinen Wendungen bzw. spontanen Entscheidungen, dass es hier wirklich keinem Menschen langweilig werden kann. Untermalt wird das ganze Treiben von einem gut ausgewählten Soundtrack, der nicht nur zum Mitschunkeln auf der Couch animiert, sondern auch viele verstaubte Klassiker und unbekannte Ohrwurm-Musik zu bieten hat (wobei ich noch erwähnen muss, dass bei der OST-CD viele Lieder fehlen und durch andere Gurken ersetzt wurden, die im Film gar nicht vorkommen = totaler Fehleinkauf).
Die Komik trifft genau meinen Geschmack und von daher hab ich nur wenige Ausfälle zu beklagen, wie beispielsweise eine Spinne in den Haaren (unnötiger und merklich gestellter Aufbau für eine neue Slapstick-Nummer) oder beispielsweise der absolut unrealistische Fall vom Balkon.
Tja, was soll ich großartig sagen? Genau so stell ich mir die perfekte Action-Komödie vor, die auch noch etwas für´s Herz bietet. Was will man mehr? Volle Punktzahl
10/10