Was waren das noch Zeiten,als ich heimlich in der imposanten Videosammlungen meines Onkels rumgestöbert habe,und mir dabei so manchen Klassiker für mich entdeckt habe.Dieser Film und Die Rückkehr der Zombies waren mein früher Einstieg ins Splattergenre.
Fulcis Meisterwerk wurde ja oft mit dem ebenfalls großartigen Dawn of the Dead verglichen,und wird es heute noch.Auch Äußerungen ,die von einer schnell heruntergekurbelten Kopie des 1978 Klassikers von Romero,bekommt man noch so einige Male zu Ohren.Das jedoch kann man so nicht stehen lassen.Dazu folgendes:
Unterschiedlicher könnten die Stories nicht sein(sieht man einmal von den lebenden Toten ab).Romero lässt seinen Film mitten im Geschehen beginnen,Fulcis Verfilmung des fiktiven Ende der Menscheit können wir von anfang an mitverfolgen(Gut,Dawn of the Dead beginnt quasi dort,wo Night of the Living Dead endete,also müsste als Vergleich Night of the Living Dead herangezogen werden,was aber auch so gut wie keine Vergleichspunkte liefert,von daher sehe ich Woodoo als eigenständigen Film).
Die Locations:
Während beim "großem Bruder" sich so ziemlich alles fast in mehr oder minder großen Räumlichkeiten abspielt(Ausnahmen:die Szenen wo das US Militär und Bürgerwehr zur fröhlichen Jagd blasen,und die Helikopterlandeplatz Sequenz,die zwischendurch eingestreuten "Ausserhalbszenen"mal nicht mitgerechnet.
Woodoo verlegt seine Handlung von New York(anfangs),später in die Karibik,was eine für meinen Geschmack sehr düstere Atmosphäre erzeugt(ich erinnere hier an die Szene,in der die Untoten nachts angreifen,unter Palmen und ihre Gesichter in Nahaufnahme gezeigt werden,oder der eine Zombie,der alleine durch ein verlassenes Dorf streift,und am Strassenrand grast eine Ziege ,nur genial.)
Die Darsteller
ich finde sie machen ihre Sache keinen Deut schlechter als die in Dawn...,was meine Meinung ist.hier und da wird halt öfters mal gehölzt geschaupielert,aber ernsthaft:Wer will denn schon in einem Zombie Oscarreife Darsteller sehen?(Eigentlich ein recht lustiger Gedanke,oder?*g*)
Der Soundtrack
Auch hier spricht alles für Woodoo.Während Dawn..(in der ursprünglichen US Fassung)nur aus klimperhafter Fahrstuhlmucke bestand(den Goblin Soundtrack gabs nur in der vom guten Dario Argento bearbeiteten Eurofassung),macht Fulcis Spektakel gleich von Anfang an mächtigst Wind.Egal ob die bedrohliche,vorsintflutliche Anfangstitelmelodie,manisches Urwaldgetrommel,gespenstischer Synthesziser Einsatz oder gar fröhlich klingende Reagge!klänge,es passt einfach alles zu der jeweiligen Situation.
Die Zombies/Spezialeffekte
hier kommt nun der tragendsteUnterschied zum Vorschein.Während es Romero vorzog,seine Zombies eher leichenblass bis schlumpfblau anzumalen,ging man in Italien auf Nummer ultraheftigst:Was schon einige Jahre zuvor recht eindrucksvoll in Spanien demonstriert wurde(nämlich das Make Up der untoten Templer aus der Reitenden Leichen Reihe)findet hier seine Vollendung.Extrem verrottete Zombiefratzen mit lebenden Maden und Würmern garniert.So und nicht anders haben länger gelagerte Tote auszusehen.Auch in Aussehen ist hier Abwechslung reichlichst geboten:Vom frisch mutierten Zombie,über Eingeborene Untote,bis hin zu extrem verfaulten Kadavern.Selbst ein spanischer Conquistador aus der Erobererzeit,der auf der Insel seine letzte Ruhe gefunden hatte,schaut aus seinem Grab vorbei.Grandios.
Auch das Ende der jeweiligen Filme ist extrem unterschiedlich.Während man in Dawn...die letzten beiden Überlebenden per Hubschrauber entkommen lässt,treiben die bei Woodoo mitten auf dem Ozean Richtung Heimathafen,nur um dann per funk im Radio zu hören das in Amerika mittlerweile im wahrsten Sinne des Wortes der Bär steppt.....und dann bekommt man mal so eben eine der legendärsten Szenen,die die filmwelt je hervorgebracht hat,zu sehen:Zig Untote marschieren auf einer Brücke Richtung Innenstadt.Besser wurde die Apokalypse nie dargestellt.
Und daher ziehe ich jederzeit Fulcis Werk vor......dort spürt man regelrecht die Endzeitstimmung permanent,etwas was ich bei Romero nie so intensiv erlebt habe,da es dort immer wieder Hoffnung gab,und wie man ja am Ende von Land of the Dead sah,sogar so etwas wie ein "Happy End"....eine Sache,die es bei italienischen Zombiestreifen nie gab.
Leuten,die zum ersten Mal in die Zombiewelt eintauchen wollen,lege ich dringenst diesen Film nahe.
Weniger als die Höchstpunktzahl zu geben wäre da der blanke Hohn