Das möglicherweise beste Werk Fulcis - gut, das mag für einige nicht viel heißen, schließlich ist (bzw. war) der Italiener berüchtigt für die himmelschreiende Unlogik seiner Filme und belanglose, quälend hinausgezögerte Sequenzen völliger Langeweile. Nichts davon ist in Woodoo zu spüren, im Gegenteil, die besten Eigenschaften des Regisseurs (die leider immer wieder übersehen werden) zeigen sich in diesem Film: Ein Gespür für unheimliche, schöne und unheimlich-schöne Bilder, eine Story, die zwar immer noch keinen Preis gewinnt, aber nur selten das ungläubige Zucken einer Augenbraue verursacht und einfallsreiche Ideen, die zum Glück nicht einem mangelhaften Budget zum Opfer fielen. Dazu das, was wir auch aus den anderen Fulcifilmen kennen: schnoddrige Zombiemasken, vor Schreck weit aufgerissene Münder und ein weiteres Auge, das nicht ungeschont davonkommt.
Von Anfang an fällt positiv auf, wie straff die Story gehalten ist. Nur das Nötigste wird erzählt, es gibt keine unsinnigen Füllszenen; wenn die Kamera ein Stück verharrt, dann nur, um eine der zahlreich vorhandenen wunderbaren Landschaftsaufnahmen festzuhalten. Ein einsames Boot kommt in New York an. Der einzige an Bord: Ein hungriges Geschöpf, das sich sogleich über die Küstenwache hermacht. Das Boot gehörte einem Wissenschaftler, dessen Tochter sowie ein neugieriger Reporter herausfinden möchten, was mit ihm passiert ist. Dazu fliegen sie in die sonnige Südsee und sprechen ein Pärchen an, das zufällig ein Boot besitzt. Bald hat man sich geeinigt und fährt zu viert auf die Insel, auf der der Wissenschaftler arbeitete. Dort aber läuft einiges schief - Voodoo, (ganz laaaaangsam) schlurfende Untote und stetiges Trommeln mit gräuslichem Gesang. Was genau dort aber (wortwörtlich) im Busch ist, wird (wenn auch wahrscheinlich nur aus Bequemlichkeit) zum Glück nie geklärt, wodurch die geheimnisvolle, gruselige Stimmung des Streifens stets anzieht. Zu viele Erklärungen haben noch jeden Horrorfilm versaut - nicht so hier, fast wie Lovecraft hält sich Fulci zurück mit den Hintergründen des Terrors.
Der ganze Film hat eine fiebrige, schwüle Atmosphäre, die sich in fast quälend langsamen Schnitten, der dräuenden Musik, aber auch den Landschaftsbilder ausdrückt. Erstere sind fulcitypisch: Jede Szene wird ausgekostet, sei es Gewalt oder die Abwesenheit jeder Handlung; das schleppende Tempo dieses Films fällt ganz und gar positiv auf, da es nie schlurft und zum Langweiler wird, sondern im richtigen Moment wieder anzieht, zum anderen aber die albtraumhafte Unausweichlichkeit der Geschehnisse unterstreicht.
Die Musik ist schlicht grandios. Obwohl natürlich nicht in die Liga der Werke gewisser anderer italienischer Komponisten zu setzen, ist der Score von Fabio Frizzi (Fulci-Stammkomponist und gar kurzzeitig Mitglied von Goblin) und Giorgio Tucci äußerst stimmungshaft. Die oldschool Synthies versetzen den Zuschauer sofort in das passende Flair, die teils herrlich naiv wirkende Musik trägt zur Atmosphäre genauso bei wie aufgelöste, dumpf wummernde Bässe; wenn dann die Titelmusik erklingt, ist Mitsummen angesagt. So muss ein Score sein!
Genauso stimmungsvoll sind die Landschaftsbilder. Sei es die kristallklare See, die saftig grüne Dschungelvegetation, das staubig-trostlose Hüttendorf der Insel oder die notdürftig zusammengehauene Kirche unter tiefhängenden, grauen Wolken - Fulci hat hier ein Händchen für die gerade passenden Aufnahmen, keine Szene wird zu lang gezogen, im Gegenteil, teils hätte ich noch gerne länger in den teils traumhaft schönen, teils albtraumhaft faszinierenden Bildern geschwelgt.
Fehlt noch was? Wie? Oh, ach ja, die Zombies! Überflüssig zu erwähnen, dass natürlich hier ausschließlich die langsame, Schritt für Schritt schlurfende Variante zum Einsatz kommt. Das Makeup reicht von gerade tot und nur ein bisschen gammlig bis gut durch und ist, wie 70er-/80er Zombiemasken sein müssen: jederzeit als solche zu erkennen, aber stets sehr markant und stimmig in Szene gesetzt. Natürlich versäumen es die Untoten nicht, im richtigen Moment plötzlich sehr schnell zuzupacken, und da gibt es einiges zu sehen. Alles, was man erwarten würde, ist dabei - Fleisch rausreißen, Gedärme kauen, in Blut baden (habe ich das Auge schon erwähnt?). Und auch die Zombies selbst kommen nicht gut weg. Da wird zerschossen und zerschlagen, dass die Hirnmasse nur so fließt. Gut, bei solchen Beschreibungen darf man natürlich nicht (und wird es auch nicht, wenn man Fulci kennt) ein Non-stop-Massaker erwarten. Dies sei nur erwähnt, weil ich diesen Fehler (als Fulci-Frischling) vor einigen Jahren beging und mir so den Filmspaß gehörig vermieste. Denn der Film wird nicht von der Gewalt getragen, sie unterstützt ihn nur (wenn auch durchaus tatkräftig). Dann darf zum Schluss natürlich nicht die wohl originellste Szene der Zombiefilmgeschichte vergessen werden: Es entspannt sich ein wilder Kampf ums Überleben - im karibischen Korallenriff. Die teilnehmenden Personen: Eine halbnackte Frau, ein Zombie und ein Hai. Und das auch noch spannend und so wenig trashig wie möglich in Szene gesetzt!
Woodoo ist ein fiebriger, sehr atmosphärischer Horrorfilm, der bei seiner liebenswürdigen Altbackenheit den Trashfaktor so gut wie möglich umschifft und mit wunderbarer Musik, traumhaften Landschaftsaufnahmen und einer gehörigen Portion Zombies bestens zu unterhalten weiß. Wer Fulci in guter Erinnerung behalten möchte, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen.