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Nach dem Erfolg der Zombiefilme Romeros schwemmten von Italien Unmengen von Rip-Offs auf den Weltmarkt, das auch ein guter Vertreter wie Lucio Fulcis „Woodoo“ unterzugehen drohte.
Der teilweise sehr dreist unter dem Titel „Zombi 2“ als Pseudosequel zu „Zombie – Dawn of the Dead“ vermarktete Film schlägt inhaltlich einen Bogen zu den amerikanischen Zombiefilmen, indem er den Auftakt und die Endsequenz in New York ansiedelt. Hier wird nämlich eine verlassene Yacht gefunden, zwei Mitglieder der Küstenwache gehen an Bord und einer von ihnen fällt einem Zombie zum Opfer. Was anfangs noch wie ein plumper Marketinggag wirkt, bekommt zum Ende hin noch Relevanz, wie die famose letzte Einstellung von „Woodoo“ zeigt.
Die Yacht gehörte einem verschwundenen Wissenschaftler, worauf dessen Tochter Anne (Tisa Farrow) Ermittlungen anstellt. An ihrer Seite steht der Reporter Peter West (Ian McCulloch), der eine gute Story wittert. Beide stoßen sie auf die Karibikinsel Matul und lassen sich von einem Pärchen dorthin schippern. Insofern stellt Fulcis, wie der Titel schon sagt, eine Rückbesinnung zum ursprünglichen Zombiemythos dar, dem Voodoo aus der Karibik.

Auf Matul geht gerade die Post ab, denn durch Voodoo-Riten erwachen die Toten hier regelmäßig zum Leben – leider raffte es auch Annes Vater dahin. Leider kommt das Quartett gerade in dem Moment an, in dem die lebenden Toten die Insel langsam übernehmen...
„Woodoo“ mag vieles richtig machen, inhaltliche Mängel kann man Fulcis Film trotz seiner flotten Erzählweise aber nicht absprechen. Außer den diffusen Äußerungen, dass man die Toten durch Voodoo wiedererwecke wird auf die Herkunft der Zombies nicht eingegangen und großartige Überraschungen gibt es auch nicht: Kurz nach Landung auf der Insel beginnt schon das übliche Run-and-Fight-Spiel der Menschen gegen die Zombies. Zudem kann sich „Woodoo“ in Besinnung auf seinen Exploitationcharakter auch ein paar unnötige Fleischbeschau-Einlagen nicht verkneifen, die den Film aber nicht weiterbringen.
Auch darstellerisch ist „Woodoo“ nur im Bereich von OK – auch wenn es im Bereich des italienischen Low Budget Films da wesentlich Grausigeres gibt. Preise gibt es für die hier versammelte Meute dann aber nicht, doch ihre bloß grob charakterisierten Rollen stellen sie ganz ordentlich dar.

Doch wichtiger als die altbekannte Story oder die schauspielerischen Leistungen ist hier die Atmosphäre und die stimmt. Vor allem die geschickt eingesetzte Musikuntermalung sorgt immer wieder für Gruselflair und die Schockeffekte bei den Zombieattacken sind stets gut platziert. Und das bereits erwähnte Ende hat einen schon apokalyptischen Touch, der den vorher an Voodoo-Mythen orientierten Film wieder in die Nähe der Romeroschen Distopien rückt.
Zudem bietet „Woodoo“ allerdings auch jene Form von Effektreichtum, den Genrefans zu schätzen wissen. Es fängt bei den überzeugenden Maskeneffekten der Zombies an und geht weiter über beeindruckend getrickste Sachen wie den Unterwasserkampf von Zombie und Hai (die beste Szene des Films) bis zu den nicht gerade zimperlichen Gore-FX. Da werden Zombies zerschossen und verbrannt, Fressszenen zelebriert und als Krönung gibt es dann die berühmt-berüchtige Splitterszene zu sehen. Doch trotz ihres hohen Grades an graphischer Gewalt wirken die entsprechenden Szenen nicht selbstzweckhaft, was „Woodoo“ von diversen Exploitation-Kollegen abhebt.

Inhaltlich und darstellerisch mag „Woodoo“ also keine Preise abräumen, doch inszenatorisch ist Fulci hier ein wirklich stimmiger Film gelungen: Flott erzählt, stimmungsvoll gemacht und mit einigen Schauwerten – definitiv sehenswert für Horrorfans.

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