Nach dem herrausragenden Erfolg von Romeros Dawn of the dead / Zombie 1 (1978), war es nur eine Frage der Zeit, bis andere Regisseure sich an besagter Zombiethematik versuchten. Das dies viele Nachzügler nach sich zog, weiss man als Zombiefilmfan ohnehin und das dies überwiegend italienische Produktionen waren, die bis ca. 1981 aus dem Boden wie Pilze sprossen, zeugt von der unheimlichen Qualität von Romeros Film. Doch kein geringerer als Altmeister und Goregott Fulci, war der erste der sich an dem Stoff zu schaffen machte und man muss getrost sagen, das seine Umsetzung neben den vielen anderen italienischen Zombiefilmen eine der besten ist. So ist es auch naheliegend, dass Fulci seinen Woodoo - Schreckensinsel der Zombies auch als (in)offizielle Fortsetzung von Zombie 1 ankündigte und diesen in einigen Ländern als Zombi 2 oder eben Zombie 2 vermarktete. Den Namen, darf er zurecht tragen, nicht das Fulci seinen Film als Medium für Sozialkritik benutzen wollte, vielmehr ist und war Fulcis Zombie 2 ein Meilenstein, natürlich aus anderer Sicht zu sehen, ein Werk, das mit alter Voodoothematik (White Zombie 1932) aufwartete und dies geschickt mit der neuen Charakterisierung der Zombies verbindete. Eben jene Zombies, die man sich nach Romeros Erfolg vorstellte. Nämlich blutrünstige, menschenfressende Ungeheuer.
Soll milde ausgedrückt natürlich, wie in diesem Genre üblich, bedeuten, dass es hier storytechnisch sehr sehr mager aussieht und eher zum Zwecke als zur Tiefgründigkeit dient. Egal, was solls und was anderes erwarten wir auch von solchen Filmen nicht.
Auf einer tropischen Insel gibt ein Arzt einer eingehüllten Leiche den letzten Gnadenstoss und verkündet, dass es hier nichts mehr zu tun gäbe und das Schiff könnte auslaufen. Das besagte Schiff steuert dann vollkommen führerlos in New Yorks Hafen ein und nachdem ein Polizist von einem verfault aussehenden Wesen getötet wird, erfahren wir, dass das Schiff dem Vater einer gewissen Ann Bowles gehört. Natürlich möchte Ann erfahren, was es mit diesen irreführenden Umständen auf sich hat und steuert mit Journalist Peter West die Insel Matul an, auf der ihr Vater zuletzt gewesen sein soll. Mit der Hilfe eines Päarchen gelangen sie letztendlich auf die Insel, die von ihnen "Insel der Verdammten" genannt wird. Und dort angekommen, müssen sie auch feststellen, dass es hier nicht mit rechten Dingen zu geht.
Nun gut, bis der Film nach seinem vermeintlichen Anfang so richtig in Fahrt kommt vergehen zwar stellenweise arge und trockene Szenen und nach dem Überfall des Zombies auf der Yacht bis hin zu der Ankunft der beiden Päarchen auf der Insel wird der Film mit kläglichen Situationsaufklärenden Szenen, Klamaukszenen auf der Yacht und vielen Dialogen gefüllt, so ist es aber genau dieser Vorspann, der Aufbau der Story, der dazu dient zwischen dem vermeintlichen Paradies und der besagten Hölle zu wechseln. Dies wird hier deutlich symbolisiert, der Aufenthalt auf dem Boot des Päarchen unterlegt mit 70er Jahre Musik, wie sie in witzigen Bud & Spencer Filmen vorkommt bis zu der unheilvollen Atmosphäre der verdammten Insel Matul, auf der grausame Dinge vor sich gehen. Fulci zeigt uns hier im Wechsel Bilder des Verfalls und der vermeintlichen Apokalypse ( verfaulte Fleischreste und abgetrennte Körperteile auf der Yacht des Vaters) und der heilen Welt (grüne, schön blühende Urlaubsziele und die freizügige Tauchaktion der Frau), nicht zuletzt ist es diese Szene, die Tauchszene im Wasser, die eine ansteigende erdrückende Atmosphäre aufblühen lässt. Der Unterwasserkampf mit dem modrigen Zombie und dem Hai, mag zwar storytechnisch unnötig und unlogisch sein, unterhält aber ungemein, nicht zuletzt weil sie den Zuschauer mit diesem Getöse darauf vorbereitet, was ihn auf der Insel erwartet. Ohnehin bleibt diese Unterwasserszene ewig im Kopf hängen und ist etwas, was einen Film auszeichnet. Auf der Insel, erlebt die Meute dann die Aufklärung. Nachdem uns in den ersten paar Sekunden des Films, diese Szene offenbart wird, in denen der Arzt davon berichtet, dass alles getan wäre und das Schiff könnte auslaufen, wiederholt sich diese, um aufzuklären, dass der Vater tot sei. Die darauffolgenden Szenen, eigentlich sozusagen die letzten 30 Minuten des Filmes, sind Szene für Szene düster, atmosphärisch, morbide und dreckig, nichtzuletzt sorgt der unheimliche Score mit seinen Synthiklängen und den Voodootrommeln für eine Atmosphäre wie man sie sich letztendlich bloss wünscht. Die Szenen auf dem alten, spanischen Friedhof, auf denen plötzlich die Toten auferstehen, deren Masken überaus gelungen sind, der schlürfende Zombie im Inseldorf, die Szenen im Haus, in der die Frau des Arztes aufgefressen wird und das feurige und blutige Finale in der Scheunenklinik sind explizit, explizit morbide, beklemmend und grausam atmosphärisch, das man sich als geneigter Zuschauer nur so freut. Auch, wenn sich einige der Darsteller irgendwo in manchen Situationen dumm anstellen, so dient dies irgendwo auch Mittel zum Zweck, ohne diese gewisse Doofheit würde man erstens keine dieser guten Goreeffekte sehen, die in diesem Werk Fulcis überaus überzeugen und auch zur Dramatik des Filmes beitragen. Nicht zuletzt sorgt das Ende für eine Stimmung, die auch in Romeros Zombie gekonnt umgesetzt wurde. Die Welt scheint überrannt, aussichtslos von den Untoten bevölkert. Grade in einer grossen Stadt wie New York kommt das gut zur Geltung und besagte Szenen, lassen einen im Sessel erstarren.
Fazit:
Auch wenn der Film sich stellenweise quält und sich lange Zeit lässt, ist es das unheilvolle Ende, das alles wieder komplett raushaut. Atmosphäre pur, die dieser italienische Zombiefilm versprüht. In all seinen Facetten ein Meisterwerk, auch wenn einige der Aufklärungsversuche und Szenen unlogisch erscheinen, so ist es die Inszenierung die diesen Film unverkennbar macht. Und das sollte ja zum Grossteil, der Grund sein, einen solchen Film zu sehen.
Atmosphärisch, düster, morbide, blutig und unverkennbar dreckig.
9/10