Review

Woodoo, alias der Film den ich sowohl englisch als auch italienisch, jedoch noch nie deutsch gesehen habe, wird von einigen als der beste Fulci betrachtet, während andere "The Beyond" als sein bestes Werk betrachten.


Vor der Küste von New York trudelt ein führerloses Boot ein. Die Polizei findet an Bord ein Zombie, schießt es über den Haufen, und Anne, eine junge Frau, stellt entsetzt fest daß dies das Boot ihres Vaters sei. Mit Hilfe des sympathischen und draufgängerischen Reporters Peter West, wirklich mal eine Figur mit gewissem Charakter (ungewöhnlich für Fulcis Filme), findet Anne heraus, dass die Spur auf die Antillen führt, auf eine Insel namens Matool.

Nachdem beide mit zwei weiteren Amerikanern Freundschaft geschlossen haben, sind diese dazu bereit, Anne und Peter nach Matool rüberzubringen, eine Insel, von der die Eingeborenen behaupten, sie sei verflucht. Susan, eine der beiden Amerikaner, geht (zweckdienlich gleich oben ohne) tauchen und trifft neben einem Hai auf den einzigen Unterwasserzombie der Filmgeschichte, der gleich an dem Hai herumzufrühstücken beginnt.  Mag der ein oder andere diese Szene so-lala finden, weil der Zombie Schwimmbewegungen beherrscht, muß man bedenken es handelt sich um ein echtes Tier, und mit denen ist es nicht ungefährlich, herumzuschwimmen um einen FIlm zu drehen. Auch sollte lobend festgestellt werden, daß dem Darsteller des Zombie hier tatsächlich keine Atemluft-Blasen nach oben emporsteigen, alles in allem ein wesentlich interessanter erster Kontakt mit den Untoten, als, wie in anderen Filmen, kurz mal kreischend mit weit aufgerissenen Augen die Präsenz eines Zombie hinterm nächstgelegenen Busch zu outen.

Auf der Insel Matool treffen die vier jungen Leute auf Dr. Menard, einen Mann, der mit seiner Frau auf Matool lebt und der seit drei Monaten vergeblich versucht, das Phänomen der sich erhebenden Leichen mit medizinisch-wissenschaftlichen Wegen zu erklären. Bislang leben, oder sollte ich sagen wandeln diese, auf der anderen Seite der Insel. Annes Vater war ein Freund Dr. Menards und starb als einer der Ersten an der "Seuche", die nach Menard's Angaben ursprünglich die untote Frau eines Fischers verbreitet hatte. Menards Frau ist durch diesen Wahnsinn und die Angst, ob und wann die Toten diese Seite der Insel erreichen, psychisch am Ende, und auch ihn selbst setzen die ihm täglich wegsterbenden Patienten mehr als zu, nicht nur weil er ihnen nicht helfen kann, sondern, weil es ihn belastet, einen nach dem anderen durch Schuß in den Kopf zu "erlösen", wenn sie sich als als Untote zu erheben versuchen. Durchaus nachvollziehbar, ist er in den drei Monaten der "Epidemie" sichtbar heruntergekommen. Er hängt bereits wieder einmal verzweifelt an der Flasche als seine Frau Opfer der Zombies wird: Die Untoten haben die hiesige Seite der Insel erreicht, nun folgt der Kampf auf Leben und Tod, der seinen Höhepunkt findet, als die Untoten den letzten sicheren Ort, das Hospital Menard's, erreichen (und somit die ganze Insel erobert haben).

Ich mag diesen Film sehr, hier wurden die Toten nicht von irgendwelchen Giftgasen reanimiert, sondern es war allem Anschein nach ein Schamane, auch, wenn Dr. Menard dies als Mediziner einfach nicht akzeptieren kann. Die Zombies sind somit "richtige" Zombies, zusätzlich gibt es noch uralte begrabene Tote, die sich plötzlich ebenfalls zu erheben beginnen. Selbstredend für einen Film dieser Art gibt es einige zweckdienlich inszenierte Szenen, und ich lache mich tot, sehe ich mir die unmenschliche Wunde an, die Menard an Peters Fußgelenk verarztet und mit der er trotzdem angeblich noch laufen konnte (die Rocky Mountains sind weniger tief dagegen).

Minuspunkte gibt also natürlich auch. Den ganzen Film über spielen zum Beispiel zwar irgendwelche Bongos, damit man das Voodoo-Flair spürt, doch sieht man zu keiner Zeit einen der (angebl. auf der anderen Inselseite lebenden) Eingeborenen. Die Bongos sind also keine Klänge der Umgebung sondern nur Musik. Ein Blick auf die andere Seite der Insel hätte nicht geschadet. Man will uns ja erzählen NewYork sei, wo die Zombies hinkamen, doch Matool sei, wo sie herkamen. Aber diese Seite der Insel ist nicht wo sie herkommen, falls verständlich wird, was ich damit sagen will. Ein Kral mit nem Feuer bei Nacht und einem weißgeschminkten, totenschädelbehängten Medizinmann wäre wirklich die Kirsche auf dem Kuchen gewesen. Und 1970er/80er getreu sind alle vier im Film vorkommenden Frauen natürlich völlig hilflose, wandelnde Kreisch-Hühner, deren Höchstleistung lediglich darin besteht, den männl. Protagonisten die Waffen (Hier: Molotov-Cocktails) anzureichen statt, sie selbst zu benutzen/werfen, und Dr. Menard scheuert seiner Ollen natürlich auch einfach mal eine, wenn sie aufmüpfig wird - alles typisch für Filme dieser Zeit - aber ansonsten ist der Film wirklich gut. Der musikalische Score passt auch sehr schön, und bedenkt man, daß es dieser Film war, der den Startschuß für die zahllosen Nachahmer gab, erhält er für diese beiden Sachen auch noch zwei Punkte Kultbonus - ohne diesen Film hätten uns die zahlreichen Regisseure ihre eigenen, etlichen Schüsseln Zombiespaghetti nicht serviert, danke also, Lucio, und guten Hunger, ihr Zombies ^-^

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