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Auch wenn im Vorspann "Zombi 2" steht - dies kein direkter Nachfolger von Romeros Original "Zombie" Film. Vielmehr wurde der Titel aufgrund besserer Vermarktung gewählt; solch ein „Etikettenschwindel“ hat der Vorreiter der italienischen Zombie-Welle die ab dato auf Deutschland zuraste aber gar nicht nötig. "Woodoo" macht seine Sache gar nicht mal so schlecht und kann mit als eins der Highlights im Zombie-Genre gewertet werden. Immerhin hat dieser Film im Gegensatz zu seinen späteren italienischen Pedanten neben den zahlreichen Effekten eine Handlung und eine tolle Atmosphäre.

Vor der New Yorker Küste treibt ein scheinbar herrenloses Segelschiff, doch als die alarmierte Küstenwache dieses betritt ist es doch nicht verlassen; ein Zombie ist an Bord der flugs einen der Wachmänner angreift, anknabbert und daraufhin von dessen Kollegen erschossen wird. Sehr mysteriös das ganze - dieser Vorfall ruft die Presse auf den Plan, deren Reporter Peter West sich der Story annimmt. Zusammen mit der Tochter des Bootsinhabers die die fadenscheinigen Vertuschungen der Polizei nicht so recht glauben will macht er sich auf Richtung Antillen. Von dort kam die letzte Nachricht ihres Vaters. Ein Pärchen das ohnehin auf Segel-Törn ist nimmt sie mit und so gelangen alle vier auf die Insel. Dort treffen sie nicht auf den Vater der Frau, aber einen anderen Mann - ein befreundeten Arzt der dort mit seiner Frau lebt. Diese hat schon leichte "Insel-Paranoia", denn auf dieser Insel stimmt einiges nicht. Während ihr Mann versucht die Epidemie der wiederkehrenden Toten einzudämmen, bzw. die Ursache für deren Auferstehung zu erforschen überrennen diese langsam aber sicher die Insel…

„Woodoo“ ist einer der frühzeitlichen Klassiker des Zombiefilms und kann zu Recht in einem Zug mit „Zombie“ genannt werden, wenn auch Fulci einen anderen Weg als Romero geht. Er legt Hauptaugenmerk auf die zahlreichen Splatter-Szenen, welche aber - betrachtet man Fulcis weitere filmische „Karriere“ - noch gut platziert in dem Film sind und obwohl reißerisch eingesetzt nicht dominieren. Natürlich ist dies ein Splatter-Film doch richtig losgehen tut es erst in der zweiten Hälfte als die Toten in Massen auferstehen. Dann wird der Film immer mehr zu einer apokalyptische Endzeitvision, dessen Ende mit den Massen von Zombies die auf New York zutorkeln einfach nur einzigartig ist.

"Woodo" möchte im Gegensatz zu „Zombie“ inhaltlich an den alten Zombie-Mythos Voodoo knüpfen ohne sich tiefer gehend damit zu befassen. Zwar glaubt keiner der Charaktere an Voodoo, jedoch ist diese malerische Südseeinsel dafür perfekt geschaffen um die Thematik auch nur oberflächlich zu behandeln. In einer Großstadt wie New York wäre Voodoo als Ursprung von Zombies nur unglaubwürdig. Somit spielt sich das Hauptgeschehen auf der Insel ab. Diese ist recht malerisch, karibische Atmosphäre pur kommt ob der tollen Landschaft auf; auch die Dekors und Bauten überzeugen in ihrer schlichten Bauart, denn obwohl sie „billig“ aussehen passt diese Schlichtheit herein, bietet ob der Bauweise auch den Zombies Platz für spannende Angriffe - Holztüren werden zerborsten, dünne Wände eingerissen oder sich extrem dicht gemacht aus dem Erdreich geschält; Särge gibt es nämlich hier nicht!

Die Erzählweise von Fulci ist hier sehr angenehm, er schafft es in seinem ersten Zombie-Film gleich Bilder zu schaffen die Genre-Fans in Erinnerung bleiben: sei es die Kameraführung „aus den Augen eines Toten“, die bedrohlichen Bilder als in der Nacht die Zombies unter winkenden Palmen auf die Kirche zuwanken oder auch die Unterwasserszene. Für mich das klare Highlight: der Kampf zwischen dem Zombie und dem Hai. Technisch sehr schön gemacht, heutzutage würde man wohl CGI einsetzen, vor knapp 25 Jahren war es ein Stuntman der gegen einen echten Hai kämpft. Musikalisch ist diese Szene wunderschön untermalt, auch wenn der Score diesmal nicht von „Goblin“ kommt ist er sehr elektronisch ausgefallen und gefällt durchweg; typisch italienisch eben. Untypisch italienisch die Besetzung des Stabs durch ausländische Darsteller wie Ian McCulloch oder Tisa Farrow was aber auch an der Vermarktungs-Strategie gelegen haben mag. So ist das agieren der Figuren nicht ganz so hölzern wie bei vielen rein italienischen Produktionen.

Typisch Fulci sind auch die zahlreichen Effekte, nicht umsonst hatte Fulci schon nach „Woodoo“ seinen Ruf weg. Wie gesagt der Film hat auch anfänglich einige harte Effekte, doch richtig gematscht wird erst ab der zweiten Hälfte. Eingeleitet wird das farbenfrohe Schlachtfest durch die wohl bekannteste Szene mit der „Augapfelpfählung“ durch einen Holzsplitter - diese Szene kopierte Fulci später selber in „Geisterstadt der Zombies“, wo aber ein Nagel für fast die gleiche Wirkung sorgte. Doch zeichnet sich hier schon Fulcis Markenzeichen - ausgewalzte Szenen - ab. Richtig genüsslich werden die F/X zelebriert, Kehlenbisse, Gedärme mampfen, Hirne werden zermatscht. Frei von jeglicher „Komik“ die man bei „Zombie“ noch durchschimmern sah. Auch die Zombies von Fulci unterschieden sich von denen von Romero: keine „Blaumänner“ sondern diese Toten sehen echt mal dreckig aus: Maden im Gesicht, die Körper zerfetzt, verfault … quasi toter als tot präsentieren sie sich hier. Und wirken damit auch ziemlich gefährlich und bedrohlich.

Insgesamt ist “Woodoo” eine klare Empfehlung für den Freund von Zombie-Filmen; eigentlich kennt ihn jeder Genre-Freund und sollte ihn in seiner Sammlung haben. Sicherlich Vorzeigefilm des italienischen Zombie-Films und einer von Fulcis besten Streifen.

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