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Nach dem Erfolg von "Zombie" begann sich so langsam eine Welle italienischer Zombiefilme aufzutürmen, um über das Genre hereinzubrechen. Lucio Fulcis Beitrag "Woodoo - Schreckensinsel der Zombies" war in dieser Hinsicht noch einer der ersten und konnte sich sogar tatsächlich als einer der populärsten, italienischen Filme des Genres etablieren.

Was "Woodoo" sicher charakterisiert, ist sein gelassenes, sorgenfreies Auftreten gegenüber dem Erzählen einer vernünftigen Geschichte. Denkbar unkompliziert wird der Plot so ins Rollen gebracht, bis er sich auf einer karibischen Insel irgendwann im Sande verläuft. Dass die Geschichte völlig neben der Spur steht und die Charaktere gänzlich ohne brauchbare Konturen gezeichnet sind, fällt also sofort auf. Und doch versprüht "Woodoo" irgendwie einen gewissen Charme, der so locker und unbekümmert daherkommt wie die in der Luft schwebende Mentalität einer Karibikinsel. Konkrete Erklärungen für die lebenden Toten spart man gleich aus. Voodoo klingt als Ursache zwar an, doch wieso, warum, weshalb und ob überhaupt bleibt äußerst fadenscheinig beziehungsweise ganz unbeantwortet.

Ein Mysterium für sich ist ebenfalls die inhaltliche Funktion der Figur des Dr. Menard. Als Arzt hat er keinen blassen Schimmer, was er dort auf der Insel eigentlich zu bekämpfen versucht. Von seinen Patienten vegetieren ihm täglich unzählige vor seinen Augen zugrunde, ehe er die dann zu lebenden Toten Mutierten stets per Kopfschuss niederstreckt. Inhaltlich ist die ganze Angelegenheit also wirklich kaum ausgereift, und darauf schien man auch gar nicht so viel Wert zu legen. Vielmehr liegt der Fokus auf einer ordentlichen Inszenierung der Zombies, ihrem Lieblingszeitvertreib und einigen anderen originellen Einfällen. Berüchtigt sind die Holzsplitterszene sowie der idyllisch ins Bild gebrachte Unterwasserkampf zwischen Zombie und Hai. Doch gewiss zählt auch das Herausbrechen einiger Zombies aus der Erde oder die fantastische, bis in den Abspann hineinreichende Endsequenz zweifellos zu den Highlights.

Die Effekte sind ausgewogen dosiert, in ihrem Härtegrad nicht zimperlich und im Großen und Ganzen von hervorragender Qualität gekennzeichnet. Besonders das brillante, verblüffend realistisch wirkende Make-Up der Untoten soll an dieser Stelle noch einmal Erwähnung finden. Eingefangen wurde das ganze Treiben mit einer zufrieden stellenden, ein ums andere Mal aber auch sehr einfallsreiche Perspektiven bietenden Kameraarbeit unter der teils in Erscheinung tretenden Begleitung von beispielsweise transzendentem Getrommel. Und wenn man sich die vom Skript nur äußerst geringfügig substanziell angelegten Charaktere ansieht, so ziehen sich die Darsteller auch noch achtbar aus der Affäre.

Bleibt resümierend nur noch zu sagen, dass - anders als bei Romeros Genrevertretern - bei Fulcis "Woodoo" nicht einmal das Bemühen um einen inhaltlich nennenswerten Rahmen zu konstatieren ist. Herzlich unbesorgt schickt der dürftige Plot vier Protagonisten auf eine karibische Insel, um sie dort bei den Untoten auszusetzen. Mit einigen legendären Einfällen und herzhaften Splattersequenzen unterstrichen ist dies zwar ziemlich anspruchslos, aber in diesen Genre-Gefilden dennoch durchweg angenehm unterhaltend.

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