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Brian De Palma ist bekannt dafür, optisch beeindrucken zu können. Kaum ein Regisseur der letzten 30 Jahre spielt so oft mit der Split-Screen-Technick oder mit den visuellen Gewohnheiten des Publikums, um es öfter mal in die Irre zu führen. De Palma geht dabei meistens derart ästhetisch vor, dass der Zuschauer erst gar nicht auf die Idee kommt, irgendwelche Logiklöcher zu hinterfragen.
Insofern war er wohl eine adäquate und vor allen Dingen nachvollziehbare Wahl für den Regiestuhl bei Mission Impossible. Denn was die Serie "Kobra, Übernehmen Sie" (jene legendäre Serie, auf der Mission Impossible basiert)ja vor allen Dingen auszeichnet, ist das Spiel mit den Sehgewohnheiten und Erwartungshaltungen des Publikums auf Kosten der Logik.

Und tatsächlich, es gibt jede Menge Logiklöcher in Mission Impossible, dafür kracht es aber auch an jeder Ecke und Kante, der Zuschauer hat kaum Zeit zum Luftholen, der Film ist pures Adrenalinkino.
Gleich zu Anfang entledigt sich der Film dabei der Grundprämisse der erfolgreichen Serie, auf der er basiert, und tötet die gesamte Agentencrew, mit Tom Cruise als Ethan Hunt als dem einzigen Überlebenden. Fortan wird er von seinen eigenen Geheimdienst zum Maulwurf gehalten und gejagt, so dass es letztlich auf eine One-Man-Show von Tom Cruise hinausläuft.
Ist die Serie auf eine Interaktion der einzelnen Crewmitglieder und perfekt abgestimmtes Handeln angelegt, so wird hier ein amerikanischer Bond-Ersatz kreiert.

Wer die Serie verehrt oder geliebt hat, wird auf den ersten Blick verstört oder entsetzt sein, aber letztlich behält der Film vieles bei, was die Serie auszeichnete, vor allen Dingen die technischen Spielereien.
Und er behält auch die sensationelle, reißerische Titelmusik bei, die damals Lalo Schiffrin so sensationell erdachte.
So kommt es nicht von ungefähr, dass sehr vieles Wiedererkennungswerte hat.

Unterstützt wird das alles durch eine durchweg gute Besetzung, von Ving Rhames über Emanuelle Beart, bis hin zu Jon Voight und Jean Reno, sogar Emilio Estevez darf mal kurz durch das Bild wackeln.
So weiß man deshalb auch nie so recht, wem man trauen kann und wem nicht und dieses Who-Dunnit-Motiv, ebenfalls eine Spezialität De Palmas, gibt dem Film ebenfalls einen recht dramatischen Aspekt.

Dass der Charakter Ethan Hunts eindimensional bleibt, liegt in der Natur dieses Films begründet, da es sich hier ganz offensichtlich um den ersten von vielen geplanten Filmen handelt, und in diesem Film erst Mal nur der Charakter dem Publikum vorgestellt wird und sich erst noch beweisen muß.

Alles in allem ist Mission Impossible ein sehr gelungener Kinofilm mit Actionszenen, die schon längst die Grenze zur Unglaubwürdigkeit überschritten haben, mit einem Plot, der kaum haarsträubender sein könnte, aber perfekt in Szene ist und von daher auch als das durchgeht, wofür er konzipiert wurde:
Perfektes Popcornkino, nicht mehr und erst recht nicht weniger.

Bliebe nur eine Frage offen: Wenn Tom Cruise sowieso die bekannte Serie nur als Vehikel für eine Einzelkämperagentenfilmserie gebrauchen wollte, wieso nimmt er sich dann einer Serie an, die ganz offensichtlich ihren Charme und ihre Stärke aus dem Teamwork greift?
Hätte er sich nicht einfach einer anderen spektakulären serie der 60er und 70er annehmen können? Ganz spontan fiele einem da mit Sicherheit "Solo from UNCLE" ein...

6 Punkte

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