Review

Eine Sündendame

Der Film Noir entwickelt sich zu, nein, ist schon längst eines meiner liebsten Subgenres bzw. einer meiner bevorzugten filmischen Kategorien, Epochen, Gattungen. Und Filme wie „Mildred Pierce“ sollten das eigentlich mit jedem Filmfan anstellen - denn dieser Michael Curtiz-Krimi mit einer legendär guten Joan Crawford ist eine Perle, ein rauchiges Diadem der schwarzen Serie. Legendäre Darsteller, komplizierte Morde, famos geschriebene Figuren, Qualm und Intrigen, Melodrama und Mystery, Tote und Taten. Töchter, die das Leben zur Hölle machen und die man doch gegen alle Widerstände liebt. „Mildred Pierce“ lässt einen mit der Zunge schnalzen. Ein Gourmethappen der Kontraste, visuell wie menschlich. Hollywood in gewisser Weise auf seinem Zenit. Kitsch trifft Coolness. Anspannung trifft Anspielungen. Rehaugen treffen auf ein eiskaltes Herz… Über eine Frau und Mutter, die des Mordes verdächtigt auf dem Polizeirevier ihre Lebens- und Leidensgeschichte erzählt in der vor allem ihre egoistische Tochter dominant-gefährlich intrigiert…

Joan Crawford… Legende

„Mildred Pierce“ ist ein Film Noir wie kein anderer. Irgendetwas zwischen Melodrama und der schwarzen Serie, irgendetwas zwischen Übermutter und Sklavin, zwischen Familientragödie und American Dream (mit Alptraumtendenzen). Wohl die Crawford-Rolle überhaupt, die ihre gesamte Karriere prägen und lenken sollte. Edelste Bildsprache. Allein das Intro am Pier und mit dem offenen Mord ist top of the class. Dazu die absolut verzogene und hassenswerte Ann Blyth als unvergessliche „Veda“. Das hat zum Teil was von einer Soap, wird dann aber oft genug düsterer als die meisten anderen Film Noirs mit höheren Bodycounts, noch eher seelisch wie sichtlich. „Mildred Pierce“ als 4K Blu-Ray von Criterion ist kaum schlagbar. Ein Edelstein in jeder Filmsammlung. Und ein Werk, das ohne geringsten Zweifel Bestand hat, an dem ich über die Jahrzehnte immer neue grausame wie hoffnungsvolle Facetten entdecken werden. Das hat man einfach im Gefühl, wie Mildred, dass es mit ihrer undankbaren bis diabolischen Tochter Veda nicht gut ausgehen kann… 

Fazit: ganz, ganz großes und dramatisches Star- und Film Noir-Kino - allein wegen Crawford sehenswert, aber auch der Rest ist exquisit. Vielleicht Curtiz' zweitbester Film nach „Casablanca“. Zeitlos gut. Sonne und Schatten vereint. Vor allem auch eine ganz üble Mutter-Tochter-Erfolgs-/Verlustgeschichte. „Mildred Pierce“ scheint hell wie ein Diamant im familiären Dreck. 

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