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Für Mildred Pierce läuft es nicht besonders gut im Leben. Sie lässt sich von ihrem Mann scheiden, eine ihrer Töchter liebt sie nicht richtig, sie schuftet zu viel, nur um eben dieser Tochter jeden Wunsch zu erfüllen. Doch damit rückt sie dem Abgrund immer näher.


Mildred Pierce ist ein Film Noir der klassischen Ära, stylisch, hervorragend inszeniert und großartig gespielt. Joan Crawford hat den Oscar sicher zurecht bekommen.

Sie spielt ihre Mildred mit Hingabe und Liebe, tut alles, hat Erfolg, verdient Geld und doch ist es nie genug. Von den Männern bekommt sie keine Anerkennung, für den einen macht sie alles falsch, der andere will sie quasi nur besitzen, der nächste will ihr Geld. Gleiches gilt für ihre oberflächliche Tochter, die nur für Luxus lebt und Frau Mutter, blind vor Liebe zu ihrem Kind, tut alles, um ihr zu geben, was sie will. In ihrem Bestreben ihre Tochter glücklich zu machen, vergisst sie sich selbst, ignoriert ihr eigenes Glück.

Und da liegt das Drama des Films und das Dilemma. Zweifelsohne ist das alles mit großem Können geschrieben, gespielt und inszeniert, doch kommt für mich der Kriminalfall zugunsten des Dramas, das btw. nie melodramatisch wird, zu kurz. Dabei sieht man in den wenigen kurzen Szenen im Büro des Detectives die Düsternis, die Stimmung ist fast körperlich spürbar, doch wird das leider nicht ausreichend ausgebaut. Dafür ist der Dramateil, bei dem sehr lang und ausführlich erzählt wird, wie alles dazu kam, mehr als einmal deutlich zu lang, die Entwicklung der Geschichte zu langsam. Große Twists bleiben indes aus und auch die Auflösung ist letztlich durchaus erahnbar. Dabei bleibt man vor allem Dank Joan Crawford, deren Figur sich eigentlich nur nach etwas ehrlicher Liebe und Zuneigung sehnt, diese von ihrem Umfeld jedoch nicht bekommt. Man wünscht ihr Glück und doch ist der Abgrund absehbar und nicht aufzuhalten, denn sie verschließt immer wieder ihre Augen. Man fühlt mit ihr, denn zumindest für mich war sie, vielleicht von ihrer Freundin Ida und einer Angestellten abgesehen, die einzig erwähnenswerte sympathische Person im Film.


Viel Drama, wenig Noir bzw. Krimi, doch großartig gespielt und dadurch immer noch gutes Kino. Mit der richtigen Erwartungshaltung sehenswert.



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