Nachdem die erste Matt-Helm-Verfilmung „The Silencers“ nicht eben die Agentenfilmwelt in Brand gesetzt hatte, aber die Kasse dennoch oder speziell wegen des Crooner-Talents seines Hauptdarstellers Dean Martin üppig klingelte, machte man nicht lange Federlesens und präsentierte schon Film 1 gleich mit einer Ankündigung auf Film 2: „Murderers’ Row“ – ähnlich dem „James Bond will return“-Vermerk, der jahrelang die Abspänne veredelte. Und der kam dann auch noch im gleichen Kalenderjahr heraus – kein Wunder, wenn man im ersten Film gesehen hatte, wie wenig Martin wirklich tun musste, um als Held und Weltretter zu bestehen.
Ähnlich aufgebaut ist dann auch „Die Mörder stehen Schlange“, doch das Skript von Herbert Baker ist wenigstens einen Hauch besser als das seines Vorgängers und offenbar hatte man sich bei dem guten Bond so einiges abgeschaut.
Ausgangspunkt war wieder Geheimorganisation Big O, die diesmal Washington mit einem Heliostrahl verglühen lassen will. Neuester Finstermann nach Victor Buono war diesmal Karl Malden, dessen nasale Intonation dreimal seriöser war als Buonos peinlicher Fistelasiate.
Erfunden hat den Kokolores mit dem Strahl ein gewisser Dr.Solaris (höhöhö), der jetzt abgängig ist und entweder entführt wurde oder für die Gegenseite arbeitet, aber das ist letztendlich totales Tralala.
Der Film setzt an mit einer Reihe von internationalen Agenten, die mit einem Augenzwinkern weggeputzt werden und dann hat der gut getarnte Matt Helm, der aktuell Models für einen Monatskalender ablichtet, gleich selbst ein Bett voll zu tun, als die gedungene Mörderin wohl den kompliziertesten Mordanschlag aller Zeiten vorbereitet (anstatt ihn wie angedeutet, vielleicht einfach mit Gift umzubringen, was lächerlich einfach gewesen wäre), dem sie (ungesehenerweise) selbst zum Opfer fällt. Grund genug, den Helden dennoch für tot zu erklären und ihn dann incognito an die Riviera zu schicken, wo er einen Mobster unter Alias mimt. Das führt also wieder zu reichlich Bikini-Schönheiten, den Hauptpart übernimmt eine erntefrische Ann-Margaret, die sich im Filmverlauf ausgiebig in einer Austin-Powers-Hampeldisco einen abturnen darf, während Daddy Martin das erst mal lernen muss, ist er doch so gelenkig wie ein Kratzbaum.
Leider ist das der Punkt, an dem das Amüsement dann in so etwas wie Plot umkippen muss und Malden und die Schönheit an seiner Seite verpassen ohne gute Begründung eine schöne Möglichkeit, Helm auszuschalten. Das gilt auch für den monströsen Henchman, der hier erstmals als Widersacher auftaucht, Tom Reese spielt einen gewissen „Ironhead“, der eine metallene Schädeldecke zur Schau trägt, aber dessen Fähigkeiten a) nie recht definiert werden und b) ständig zurückgehalten werden, weil ja der wenig agile Martin irgendwie im Infight mit ihm fertig werden soll (was dann später durch ein paar imbezile Schnitte simuliert wird). Passenderweise erkennt niemand von Big O Helm, obwohl dessen Äußeres im ersten Film weltweit bekannt war, was ebenfalls nie erklärt wird. Immerhin bekommt der Zuschauer mit Szenen auf Abbauhalden mit gigantischen Baggern und diversen Fahrten im Luftkissenboot (offenbar eine Variante der Yacht aus „Feuerball“) endlich mal echte Außenaufnahmen zu sehen, natürlich nur in der Totalen, dann darf wieder die durchsichtige Studioarbeit mit den lächerlichen Rückprojektionen übernehmen. Als Gadget gibt es diesmal eine Verzögerungspistole, die erst 10 Sekunden nach Durchziehen das Projektil abfeuert, aber wie schon die Rückwärtswaffe aus dem letzten Film, reitet man dieses Gimmick zu Tode.
Ferner gibt es auch deutlich weniger Dean-Martin-Songs aus dem Radio zu hören, das wurde um die Hälfte reduziert, aber da man sich um etwas mehr Agentenaction bemühte, fiel nur noch stärker auf, wie limitiert Martin da schon war. Immerhin hängt er sich mit etwas mehr Motivation rein und hat im ersten Drittel auch so einige Bonmots abzusondern, die sogar etwas Spaß machen.
Wer also fancy Diskoszenen mag, wo sich alle Gäste mal so richtig die Hose weghotten, davon hat der Film genug, aber auch dieser Film war wieder mehr ein unseriöses Vehikel für den „swinging“ Modegeschmack und Martins Brieftasche.
Alles in allem einen Happen besser, aber mehr als 4/10 lasse ich mir nicht aus Tasche ballern.