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Als Folge des deutschen Blitzkrieges gegen Polen wurde das Land zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion aufgeteilt. Die Sowjets haben tausende polnische Offiziere, Polizisten, Lehrer, Ärzte und Intellektuelle in mehrere NKWD-Lager in benachbarten Ländern transportiert und im April und Mai 1940 per Kopfschuss ermordet. Zwischen 22.000 und 25.000 Menschen sollen insgesamt in diesen Lagern bei dem als Massaker von Katyn bezeichneten Verbrechen umgekommen sein.

Als 1943 einige der Massengräber gefunden wurden, nutzten die Nazis das für ihre Propaganda aus, um sich in besseres Licht zu rücken. Die sowjetische Führung leugnete systematisch ihre Schuld und wies die Verantwortung den Deutschen zu. Erst 1990 gab Gorbatschow offiziell die Schuld des NKWD zu.


Für Regisseur Andrzej Wajda ist Katyń ein sehr persönlicher Film, denn sein Vater war polnischer Offizier und wurde im April 1940 mit mehr als 3000 anderen polnischen Kriegsgefangenen des NKWD-Lagers Starobelsk in Charkow ermordet. Wajdas Film erzählt von dem Schicksal der vom sowjetischen NKWD ermordeten Offiziere und von der Suche ihrer Familien nach der Wahrheit, immer in der Hoffnung, dass ihre Lieben doch noch zurückkehren. Er verknüpft sorgfältig inszenierte Spielszenen mit authentischem Schwarz-Weiß-Archivmaterial aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, wodurch der Film historisch ausgesprochen authentisch erscheint.

Speziell diese alten Aufnahmen erzeugen eine ungeheure Intensität. Es ist schlicht bedrückend und erschütternd die Exhumierung von Leichen zu sehen, die Einschusslöcher in den Schädeln, die freigelegten Massengräber. Und die schamlose Propaganda, die mit diesen Aufnahmen einhergeht, insbesondere aber die Lügen der Täter, machen wütend. Gleiches gilt für die Spielszenen, die die Offiziere in den Lagern zeigen und besonders in den letzten 15 Minuten, in denen sehr nüchtern skrupellose, von reiner Gefühlskälte geprägte Erschießung der Männer gezeigt wird.


Die ruhige Inszenierung folgt keiner stringenten Erzählweise, denn Wajda springt zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her und zeigt vor allem das weitere Leben der Hinterbliebenen arg bruchstückhaft, fast schon episodisch und fokussiert sich dabei auf menschliche Schicksale, moralische Konflikte und die gesellschaftlichen Folgen von Lügen und Propaganda der verschiedenen Besatzer Polens.

Die sorgfältige musikalische Untermalung durch Krzysztof Penderecki ist durch mehrere alte und neue eher klassische Eigenkompositionen entstanden und ist zu jeder Zeit stimmig.

Allerdings fordert das langsame Erzähltempo und die Vielzahl paralleler Handlungsstränge auch extrem viel Aufmerksamkeit und Geduld, zumal Wajda keine Identifikationsfigur liefert, was trotz des erschütternden Hintergrunds des Geschehens nur schwerlich eine emotionale Bindung aufkommen lässt.


Definitiv ist das kein Film für Mainstream-Zuschauer. Viel zu zäh ist er vor allem im Mittelteil, dennoch ist es ein wichtiger Film für das polnische Volk und zugleich ein sehr persönliches historisches Drama eines oscarprämierten Autorenfilmers.


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