Filme von Erwin C. Dietrich faszinieren mich immer mehr, je mehr ich sehe. Begonnen habe ich mit eher unterdurchschnittlichen Episoden-Heulern im Stil von BLUTJUNGE VERFÜHRERINNEN, und irgendwann kam dann der absolute Tiefpunkt meiner Filmleidenschaft: HEISSER SEX IN BANGKOK - Schlimmer geht nimmer …
Aber seit einiger Zeit entdecke ich zunehmend psychotronische Tendenzen in Dietrichs Filmen: Der unglaubliche, mit Geräuschen aus einem Fußballspiel unterlegte und mit Mehrfachbelichtung gedrehte Rudelbums aus DIE BETT-HOSTESSEN zum Beispiel, oder die Entdeckung der Metaebene in ADAM & EVA – MÄDCHEN, DIE ES GERNE MACHEN. Oder eben DER TEUFEL IN MISS JONAS …
Wir begleiten die erotisch aufgeladene Christa Free als Marilyn Jonas zuerst einmal bei ihrem Tod. Sie landet in der Hölle, beim Teufel: Herbert Fux als der süffisant-zynische Verderber himself. Allerdings erfährt sie auch, dass sie einen Tag zu früh in die Hölle kam, und der Leibhaftige gibt ihr die Chance, für diese eine Nacht zurückzukehren und ein Leben in Buße zu führen. Weiß er doch schließlich genau, dass ihre Lust unstillbar ist, da er ja höchstpersönlich in ihr steckt.
Marilyn kehrt also zurück, erinnert sich an ihre verflossenen Liebhaber, und holt einige davon zu sich, um soviel wie möglich Sex zu haben, bevor es dann endgültig in die Hölle geht. Das nymphomane Dienstmädchen Dorthe muss genauso ins Bett wie Carlos, Jacques und Otto, die allerdings, wir dürfen dem beiwohnen, gleich nach Marilyns Tod ebenfalls mit Dorthe in die Kiste gehüpft sind. Und der Teufel freut sich, und lacht, und lacht …
Psychotronisch? Ja durchaus, denn zwischen den einzelnen Akten rennt Marylin nackt durch den verregneten Wald und begegnet einem Dämon, der sich über sie hermacht, während sie sich lüstern im Gras wälzt. Noch intensiver ist es, wenn Dorthe nackt im nassen Laub liegt, das Becken unaufhörlich hoch und runter stößt, während eine ganze Gruppe von Dämonen sich an ihr delektiert: Marilyn, Otto, Carlos, und auch der Teufel persönlich, alle regennass und mit Dämonengesichtern, befriedigen die kleine und zart gebaute Dorthe. Eine intensive und dunkelerotische Szene, die wie ein Drogenrausch wirkt und den Betrachter geradezu in sich hineinzieht. Ein heidnisches Fest zu Ehren des Gottes Lug, ein Samhain–Ritual im finsteren Wald, so wirkt diese Szene, und alles andere verblasst daneben.
Alles andere? Nein, denn Christa Free mit ihrer Ausstrahlung beherrscht den gesamten Film. Sie steht meilenweit über den idiotischen Dialogen, sie ist Sexus, sie ist die wahre Magierin der Liebe. Ihr Prachtkörper darf in allen erdenklichen Arten bestaunt, und gemeinsam mit den Liebhabern erkundet werden. Was für ein Kontrast daneben die kleine und zart gebaute Marianne Dupont, und gerade aus diesem Wechselspiel ergibt sich trotz aller Billigkeit der Produktion eine ungeheuer starke erotische Wirkung.
Und noch etwas sorgt für Begeisterung beim Zuschauer, nämlich die fantastische Kameraarbeit von Peter Baumgartner. Herbert Fux als Teufel, sowieso schon DIE Rolle seines Lebens, der in einer Einblendung zu sehen ist wenn Marilyn und/oder Dorthe Sex haben, das ist einfach überwältigend. Der Teufel grimassiert, höhnt, lacht, und ist eindeutig derjenige, der die beiden Hauptfiguren zu ihrer Lust führt. Optisch ist dies ein Hochgenuss, und auch die Sexszenen sind hier einige Male sehr gekonnt in Szene gesetzt.
Filme von Erwin C. Dietrich faszinieren mich immer mehr, je mehr ich sehe. Es zeigt sich wieder einmal, dass man die Flinte einfach nicht so schnell ins Korn werfen darf, die wahren Schätze sind oft tief unter dem filmischen Müll der Jahrzehnte verborgen. In Miss Jonas steckt auch so ein Schatz …