Große Spannung auf möglichst begrenztem Handlungsspielraum zu erzeugen, egal ob es sich dabei um Busse, Boote, Telefonzellen usw. handelt, das ist die Prämisse vieler Actionfilme und Thriller, wobei sich „Turbulence“ das Flugzeug dafür aussucht.
Als propere Heldin bietet sich die Stewardess Teri Halloran (Lauren Holly), die schon dadurch des Zuschauers Mitgefühl erringt, dass sie am Heiligabend schuften muss. Mit dabei ist auch noch die nette Kollegin, die aber nicht so gewitzt wie Teri ist, und daher auch im ersten Filmdrittel noch dran glauben muss, wie man es aus diversen anderen Genrefilmen kennt. Auch die Idee Weihnachtsstimmung mit rohem Geschehen zu kreuzen, ist nicht neu, wie unterschiedliche Filme wie „Stirb langsam“ oder „Kevin – Allein zu Haus“ schon zeigten.
An Bord ist auch ein Transport von zwei Schwerverbrechern, darunter auch der Serienkiller Ryan Weaver (Ray Liotta), den der Cop Aldo Hines (Hector Elizondo) noch in einem netten Standardopener dingfest machen darf. Natürlich sind die Bewacher herrlich unfähig, es kommt zum Handgemenge, in dem alle Polizisten, Ryans Mitgefangener Stubbs (Brendan Gleeson) und die Piloten das Zeitliche segnen. Ryan macht als Psychopath erstmal auf charmant und sanftmütig, die Beweise gegen ihn hat man ihm hier sogar mal wirklich untergeschoben (eine der wenigen halbwegs originellen Ideen).
Doch obwohl man ihm wenig bis gar nichts nachweisen kann, ist Ryan zu Recht angeklagt, wie er schnell zeigt: Er reißt die Befehlsgewalt an sich, ermordet Teris Kollegin und will ihr danach an die Wäsche. Doch das sind nicht alle Pläne und Teri ist die einzige, die ihn aufhalten könnte…
„Turbulence“ lief zwar im Kino, doch das Potpourri aus Klischees, Standards und Unglaubwürdigkeiten wäre als direct to video Film angemessener vermarktet gewesen. So bleibt dem Zuschauer kaum ein Klischee erspart, angefangen bei der Tatsache, dass der Psychopath die Heldin aus reiner Begierde erstmal am Leben lässt, obwohl sie andauernd Pläne zu vereiteln versucht. Dazu kommen noch Nebenfiguren, die allesamt zwischen komplett passiv und hoffnungslos dämlich anzusiedeln sind, und die obligatorische, unglaubwürdige Schlusssequenz, in der die Stewardess das Flugzeug notlanden muss – und das mit weniger Ironie als der thematisch verwandte „Einsame Entscheidung“.
Doch darüber hinaus türmen sich die Logikfehler weiter als es feierlich ist. Es wird zwar zum Schluss erst klar, ob Ryan die restlichen Passagiere wirklich umgebracht oder nur weggesperrt hat, aber beides ist allein schwer zu schaffen (auch wenn man eine Schusswaffe hat). Warum Ryans Motive so krude sind und er nicht versucht wie jeder andere Schwerverbrecher versucht zu fliehen (Fallschirme müsste es an Bord ja geben), will sich dem Zuschauer auch nicht so recht erschließen. Hinzu kommen noch reichlich formelhafte Dialoge, die auch nicht gerade zur Steigerung des Zuschauerinteresses beitragen.
Doch trotz dieser Mängel hat „Turbulence“ einen gewissen Unterhaltungswert. Durch flackernde Beleuchtung und recht gute Ausnutzung des Schauplatzes Flugzeug kann Regisseur Robert Butler dann zumindest mit den Bildern ein kleines Maß an Spannung erzeugen – vornehmlich dann, wenn die wenig schmissigen Dialoge des Drehbuchs gerade schweigen. Auch der Showdown bietet dann trotz aller Unglaubwürdigkeit schick getrickste Schaueffekte, wenn der Flieger im Tiefflug Hausdächer rasiert und ein paar dort geparkte Autos schrottet.
Neben dem ordentlichen Krawall rettet hier vor allem Ray Liotta hier noch was zu retten ist. So klischeehaft seine Psychopathenrolle auch sein mag, so ist er doch als Fiesling ziemlich charismatisch und besitzt die nötige bösartige Präsenz. Lauren Holly hingegen wirkt recht blass und man kauft ihr die Heldin nur teilweise ab. In Nebenrollen tun dann noch Hector Elizondo und Brendan Gleeson ihr möglichstes, beide bekommen aber nur wenig Screentime.
„Turbulence“ ist ziemlich klischeehaft und unlogisch, aber dank einigen handwerklichen Könnens (vor allem im Showdown) und eines gut aufgelegten Ray Liotta reicht es dann doch zu einem beschränkten Unterhaltungswert.