Turbulenz oder Flatulenz?
„Turbulence“ sieht man sein Jahrzehnt an und er wäre mit Sicherheit gerne sowas wie ein „Die Hard 2“, ein „Speed“ oder ein „Passsgier 57“. Jedoch kommt er nie in solche Höhen und war wohl damals der typische Freitagabendactioner, den man zufällig bei Premiere oder einem der dortigen Channels entdeckt, hängen bleibt - und danach die Zeit mit ihm zumindest nicht bereut. Um die Jahrtausendwende hatte man dann aber schon vergessen, ihn je gesehen zu haben und in seiner Sammlung hat man ihn auch nie wirklich vermisst… „Turbulence“ handelt von einem Passagierflugzeug an Heiligabend (!), in das man ganz selbstbewusst auch ein paar Schwerverbrecher (!!) setzt, um diese in eine andere Haftanstalt zu bringen. Da ist die toughe Stewardess schnell die Einzige, die dem kriminellen Gesindel und vor allen einem diabolischen Ray Liotta die Stirn bieten kann und will…
Zu sehr im Sinkflug an den Kinokassen kann „Turbulence“ nicht gewesen sein, da er sogar noch zwei lose DTV-Sequels spendiert bekommen hat. Die werde ich mir nie genehmigen, da „Turbulence“ schon zwei Logen unter seinen Vorbildern sitzt und sehr sein Malen nach Zahlen, Fliegen mit Ziegen durchzieht. Ein wirklich guter Actionfilm geht anders. Dennoch: kann ein Flieger mit Ray Liotta, Brendan Gleeson und der süßen Lauren Holly wirklich komplett abstürzen? I don't think so. Erst recht wenn man ihn mit banalster Action von heute vergleicht, etwa dem gerade gestarteten Liam Neeson-Vehikel „Redemption“. „Turbulence“ ist plump, dumm und straightforward. Seine größten Stärken wie Schwächen zugleich. Zwei Jahrzehnte zuvor wäre das noch ein blasses TV-Filmchen gewesen mit Lebensmittelvergiftung statt Kriminellen an Bord. Mitte der 90er wird das halt mit Steroiden, Testosteron und Schlafzimmerblick fast schon comichaft aufgepumpt. Und das funktioniert. Die Baddies sind mittlerweile All-Star-Darsteller. Hier mit viel Schwung, Bosheit und Spaß bei der Sache. Vor den Terroranschlägen von New York Jahre später konnte man sich in Sachen Flugsicherheit fast alles irgendwie vorstellen. Und das beschränkte und beklemmte Setting im Flugzeug eignete sich schon eh, je und wohl auch in Zukunft für spannungsgeladene Szenarien. „Turbulence“ ist oft an den Haaren herbeigezogen, als pures Derivat abzustempeln, mit rein gar nichts Neuem für den schmalen Aufklapptisch vor dir. Und dennoch kann man seinen Unterhaltungswert und seine stabile, erprobte Flugkurve nicht verleugnen. Es wird durchaus viel, ruppig und blutig gestorben, eine über sich hinauswachsende Heldin war auch in den 90ern immer wieder effektiv, Liotta dreht kontinuierlich immer mehr auf. Manchmal wackelt mir die Kamera etwas zu sehr, fast wie 10 Jahre später eigentlich erst hip wurde. Und die dauerflackernde Beleuchtung in dem halbzerstörten Flieger ist zwar atmosphärisch, kann aber auch nerven. Das Weihnachtsdatum ist nur Gimmick. Und das Gefühl eines nahezu reinen Studiodrehs wird man nicht los. Ein leichter Hang zum Positiven bleibt aber für meinen Geschmack.
Fazit: typischer 90s-Actioner mit Luft- und Logiklöchern galore. Sicher kein „Con Air“ oder „Air Force One“. Aber jetzt auch keine Zeitverschwendung für Leute, die damals schon laufen konnten und sich an die Abende freitags in der Videothek wärmstens erinnern. „Turbulence“ ist heiße Luft - stinkt aber nicht!