Hier ist er also: Brian DePalmas Beitrag zum Irak-Konflikt!
Im Vorfeld wurde viel über den Film geredet, mittlerweile herrscht betretenes Schweigen.
In den Staaten nur begrenzt in den Kinos gelaufen, hat er in Deutschland nicht mal einen Starttermin.
Zu unbequem, zu wahrheitsgemäß zeichnet DePalma das schonungslose Bild der stationierten US-Streitkräfte im Krisengebiet und bezieht sich auf ein tatsächlich stattgefundenes Ereignis. Gezeigt wird eine Gruppe von GIs, die im eintönigen Alltag an einem Checkpoint Wache hält und trotz der aufkommenden Langeweile und ständig umgebende feindlichen Haltung der einheimischen Bevölkerung auf der Hut sein müssen, aus Angst vor Selbstmordattentätern. Erschwerend kommt hinzu, das die unterschiedliche Religion und damit verbundene sittliche Gepflogenheit für die jungen Soldaten kaum oder nur schwer zu begreifen ist. Die Zusammensetzung des Zuges ist bunt gemischt: ein Puerto-Ricaner, der mit seiner Videokamera den Tag beleuchtet und quasi ein Tagebuch führt; ein schwarzer Zugführer; ein Weißer aus der Mittelschicht mit ehernen Motiven; zwei weitere aus der Unterschicht, wobei gerade diese beiden noch für zusätzlichen Zündstoff sorgen werden – was in einer Vergewaltigung und im mehrfachen Mord enden wird! Was wurde dem Film so alles vorgeworfen: pseudo-dokumentarisch; dramaturgisch schwach; klischeehafte Darstellung der Medien….bis hin zum Vaterlandsverrat (der Produzent wurde von einem Nachrichtensprecher als „Feind der tapferen Soldaten, die ihre Pflicht tun!“ dargestellt!)
Ganz subjektiv nun meine Sichtweise: ich sehe junge Allerwelts-Gesichter (es wurde keine bekannten Schauspieler gecastet), die das tun, was Soldaten im Auslandseinsatz nun mal so machen; im Camp rumhängen, Karten spielen, Scherze treiben, mit ihren daheim gebliebenen Familienmitgliedern via Internet kommunizieren. Ich sehe den eintönigen Alltag am Checkpoint, ständig unter Anspannung (dort, die vermummte Frau mit den sackartigen Kleidern – könnte sie eine Bombe darunter haben? Warum hält der Wagen nicht an, warum drosselt er nicht einmal die Geschwindigkeit – ein Selbstmordattentäter?). Eine Sprengfalle detoniert, unvermittelt, reißt einen der Kameraden von einer Sekunde in die andere in den Tod! Und dann wieder das gefährliche Gemisch aus Anspannung, Angst und Langeweile…….und irgendwann muß sich diese Anspannung entladen….. Ich sehe einen realistischen Film, der so ziemlich genau zeigt, was derzeit im Irak geschieht. Mit allem, was dazugehört! Kein überflüssiges Pathos, aber auch keine Beschönigung. Es wird keine Sympathie verteilt, der Mensch ist Mensch! Greueltaten auf beiden Seiten geschehen - wie im wirklichen Leben - willkürlich, plötzlich und deshalb um so schockierender. Wer hier von „Dramaturgie“ spricht, hat das Leben nicht begriffen!
Klar müssen Abstriche gemacht werden: es ist schließlich - trotz aller Detailgenauigkeit - ein SPIELFILM, der naturgemäß Vorgänge rafft, um sie in einem abgesteckten Zeitrahmen von ca. 100 Minuten auch unterzubringen. Das ist wichtig zu begreifen, um den Film eine Chance zu geben.
Wichtig ist die Aussage: Wir haben keine Ahnung, was wir hier machen; Wir sind unzureichend vorbereitet; Wir sind nicht die Guten!