"Wisst ihr was in diesem Krieg das erste Opfer sein wird?"
Gestützt durch die wahren Ereignisse am 12. März 2006 erzählt Regisseur Brian de Palma ("Scarface") mit "Redacted" die Umstände der Vergewaltigung und Ermordung einer 14-jährigen Irakerin während des Irak-Kriegs nach. Dieses Ereignis wurde später als Massaker von Mahmudija bekannt.
In Form von einer wilden Collage aus fiktiven TV-Reportagen, Videotagebüchern, Helmkamera-Aufnahmen, Überwachungskameras sowie Standaufnahmen aus dem Internet berichtet "Redacted" episodenhaft die Geschichte um fünf an einem Kontrollpunkt stationierten Soldaten der US-Armee.
De Palma verzichtet dabei nicht, direkt von Beginn an anzumerken, dass die tatsächlichen Ereignisse in seinem Film nicht mit wirklichen Bildern wiedergegeben werden, sondern durch nachgestellte Aufnahmen einen pseudo-dokumentarischen Charakter darstellen. Die Wahl des Titel "Redacted" ist somit ein Kunstgriff, der aussagt, dass uns de Palma nur zeigen will, was er für richtig empfindet. Denn redacted ist beim Militär ein gerne verwendeter Begriff eines Zensurverfahrens, bei dem gewisse Stellen in Berichten geschwärzt werden.
Diese schwarzen Balken finden sich dann auch im Finale des Films, in der de Palma eine Ausnahme macht und auf echtes Material aus dem Krieg zurück greift. Interessanterweise ist dieser Moment der ausdrucksstärkste des Films.
Segen und Fluch zugleich ist de Palma's Stilmittel den Film als Pseudo-Dokumentation zu präsentieren. Einerseits bringt diese Methode etwas frischen Wind in das Genre, andererseits entfernt es den Zuseher vom Geschehen. Denn obwohl "Redacted" handwerklich und technisch gelungen, wenn auch weit weniger oppulent als von de Palma gewohnt, ist, liegt wenig Aussagekraft in dem Film.
Dies liegt unter anderem an der losen Aneinanderreihung von Erzählsträngen. Häufig kommt es vor, dass gar plötzlich ein Erzählstrang abgebrochen und an einem völlig anderem Ort und Zeitpunkt weiter geführt wird.
Auch die Geschichte selbst erweist sich als sehr zwiespältig, denn im Grunde erzählt "Redacted" nichts Neues. Dass der Krieg das Schlimmste im Menschen hervor bringt und ihn auf abscheuliche Weise verändert, müsste gerade beim Zielpublikum längst angekommen sein. Sicherlich sind die geschehenen Taten ohne Zweifel grausam und zumindest in wenigen drastischen Bildern dokumentiert, diese können den Zuschauer allerdings nie ergreifen. Gerade aus dem Grund, da die Charaktere und deren Psyche nur oberflächlich betrachtet werden.
Hinzu kommen noch einige langwierige Passagen in der die Handlung streckenweise in die Länge gezogen wird. Somit kommt gesamt gesehen nur wenig Spannung auf.
Gesamt gesehen bietet "Redacted" wesentlich weniger als es hätte bieten können. Man bemerkt die Möglichkeiten wenn sich die Bilder der müden, gelangweilten oder unter Druck stehenden Soldaten mit klassischen Melodien mischen. Die Kriegsdokumentation ist allerdings zu Kleinlaut um genau diese Stellen noch weiter heraus zu heben, dies gelingt erst ganz zum Schluss. Somit lässt der fehlende Mut und das oberflächliche Charakterdesign nur wenig Nähe zur Thematik zu. Zumindest offeriert uns die Dokumentation das erste Opfer des Krieges: die Wahrheit.
3 / 10