Brian de Palma machte sich einen Namen mit "Scarface". Al Pacino legte einen seiner grandiosesten Auftritte hin und das Publikum war beeindruckt von der schonungslosen Darstellung.
2007 war es dann wieder ein Film aus der Feder von de Palma, der das Fachpublikum durchaus spaltete. Redacted ist de Palmas persönlicher Beitrag zum Irak-Konflikt.
Es ist dabei nicht verwunderlich, dass de Palma auf den Filmfestspielen von Venedig mit stehenden Ovationen bedacht wurde, wohingegen in "konservativen" Amerika sein Film kaum in den Kinos vertreten war. Dieses Bild passt demnach gut zu de Palmas Titel "Redacted" was so viel wie "zensiert" oder "bearbeitet" bedeutet.
Basierend auf einem realen Verbrechen, bei dem fünf US-amerikanische Soldaten Anfang 2006 im mittelirakischen Mahmudija ein 14-jähriges Mädchen vergewaltigten, erzählt de Palma seine Sicht der Irak-Thematik.
Redacted handelt von einem Trupp von amerikanischen GIs die im Irak stationiert sind. Anhand eines Videotagebuches wird die - nach Aussagen des Regisserus - frei erfundene Story erzählt. Es werden fünf amerikanische Soldaten mehr oder weniger detailliert vorgestellt. Mit ihnen wird der Zuschauer auf eine "Reise" in den Alltag eines - im Irak stationierten - Soldaten genommen. Deutlich wird dabei herausgestellt, dass die Soldaten ständig unter Anspannung leben. Sie müssen an einem Kontrollstützpunkt ihren Tag verbringen, in der brütend heißen Sonne mit ca. 30kg Gepäck stehen und einer doch teilweise sehr monotonen Arbeit nachgehen. Dennoch bietet jeder neue Passant eine hochexplosive Gefahr. Wir können förmlich in die Köpfe der Soldaten horchen, wenn sie den Kids beim Fußballspielen zuschauen und sich heimlich fragen: "Wer von euch hat gestern eine neue Bombe ausgelegt?"
In diesem ständigen Wechseln von Monotonie und Adrenalinkick kommt es zu einerm fürchterlichen Massaker. Zwei GIs haben sich nicht mehr unter Kontrolle und vergewaltigen ein 15-jähriges Mädchen und töten anschließend sie und ihre gesamte Familie.
Wie in de Palmas Titel schon erkennbar, geht es um ein Stück zensiertes Material der amerikanischen Kriegsgeschichte. Mit dem Mittel der "Zensur" arbeitet de Palma in seinem Film durchgehend. So finden sich durchgestrichene Gesichter, Zeitunsartikel oder Homepages.
Sicherlich stellt de Palma mit seiner Sicht des Irak-Konfliktes keine Neuheiten im Kriegsgenre dar. Jedoch positiv zu erwähnen ist, dass hier keinerlei amerikanische Glorifizierung betrieben wird, sondern eher ein sehr kritisches Bild der Soldaten gezeichnet wird. Nichtsdestotrotz ist es keine reine Rebellion gegen den Krieg. Immerhin bedient sich de Palma auch der anderen Seite, indem er die terroristischen Akte aufzeigt und auch den Konflikt - in welchem die stationierten Soldaten stehen - durchaus gelungen herausarbeitet.
Erinnert man sich an Michael Moores 911, so ist de Palmas Bild - der amerikanischen Soldaten - sicherlich nicht gänzlich abwegig. Zeigte Moore noch Soldaten, die zu "let them burn motherfucker" auf Iraker feuerten, so bedient sich de Palma - zumindest in der dt. Synchro - den Begriffen wie: Hadjis, Wüstenarsch oder weiteren diffamierenden Worten. Von daher scheint de Palma ein durchaus realistisches Bild der heutigen Situation im Umgang der stationierten Soldaten und ihrer Denkweise zu zeichnen.
Redacted ist auch kein typischer Kriegsfilm, in dem es hauptsächlich um ordentliche "Kampfszenen" à la Saving Private Ryan, Black Hawk Dawn oder Platoon geht. Vielmehr versucht Redacted ein realistisches Abbild der Vorgänge im Irak zu zeichnen, wobei er sich ausschließlich darauf beruft, reine Fiktion darzustellen. Durchaus gelungen ist die sprunghafte ERzählweise. Sicherlich ist sie nicht so schön stringend und nachvollziehbar, aber mit ein bisschen Köpfchen und Wachsamkeit kann man dem Plot doch gut folgen.
Kritisch ist anzumerken, dass Redacted stellenweise langatmig ist und nicht immer mit gelungenen Dialogen aufwartet.
Durchaus positiv hervorzuheben ist die schauspielerische Leistung von Private Rush & Flick. Man bekommt eine richtige Abneigung gegen die Beiden. Besonders in der Verhörszene sind die Charaktere sehr gelungen gespielt und offenbaren durchaus einen Einblick in das amerikanische Patriotenverständis, wobei auch hier sowohl die negative Seite (Kämpfen für den Frieden - egal um welchen Preis) als auch die positive Seite (Wir schießen den Hadjis den Kopf weg, damit ihr nachtsruhig schlafen könnt) festgehalten.
Fazit: Redacted stellt einen realistisch-fiktiven Blick auf die aktuellen Geschehnisse im Irak dar. Filmtechnisch durchaus mit einigen sprunghaften Storyelementen sowie teilweise zähflüssigen Dialogen und in die länge gezogenen Szenen bietet er sicherlich interessanten Stoff, um über die Grausamkeit des menschlichen Wesens zu diskutieren. 4/10