Review

Irak, 2006: Der in Samarra stationierte Private Angel Salazar führt eine Art Video-Tagebuch und dokumentiert den weitestgehend von quälender Langeweile geprägten Alltag der amerikanischen Truppen eines Kontroll-Stützpunkts, die die ein- und ausfahrenden Autos und ihre Insassen auf Waffen und Sprengsätze durchsuchen sollen. Eines Tages kommt es zu einem Zwischenfall, bei dem der rassistische Redneck Reno Flake das Feuer auf einen Wagen eröffnet und dabei eine darin befindliche, hochschwangere Irakerin tötet. Kurz darauf stirbt der Kommandant der Einheit durch eine versteckte Mine, was die Hassgefühle der Soldaten auf die einheimische Bevölkerung so richtig hochkochen lässt. Um Dampf abzulassen, dringen Flake, sein tumber Kumpel B.B. und einige weitere Soldaten eines Nachts in der Absicht, ein 15jähriges Mädchen zu vergewaltigen, in ein Haus ein und löschen dabei eine komplette Familie aus... Same shit, different war: 18 Jahre nach seinem "Die Verdammten des Krieges" begibt sich Brian De Palma mit "Redacted" erneut auf unbequemes Kriegsfilm-Terrain, indem er wie bei dem besagtem Streifen wiederum eine tatsächlich stattgefundene Gräueltat aufgreift (hier: das Massaker von Mahmudiyya von 2006) und innerhalb einer fiktionalisierten Handlung aufarbeitet... dieses Mal halt nur nicht in einem Vietnam-Setting, sondern vor dem Hintergrund des Zweiten Irakkriegs. Inhaltlich ist das alles ergo nur alter Wein in neuen Schläuchen, was aber insofern akzeptabel ist, als dass der sinnlose Verlust menschlichen Lebens und das durch und während Kriegshandlungen verursachte Leid der Zivilbevölkerung ja eigentlich nicht oft genug thematisiert werden können... und der völlige Verzicht auf bekannte Hollywood-Gesichter in sämtlichen Rollen vermittelt dieses Mal zudem auch eine gewisse Authentizität, die dem überinszenierten 1989er-Streifen völlig abging. Das eigentliche Problem, das "Redacted" hat, ist ein anderes und wird deutlich, wenn man einen Blick auf die Entstehungsgeschichte wirft: Tatsächlich ist da im Vorfeld Mark Cuban, der Besitzer der Dallas Mavericks, als Produzent an De Palma mit dem Vorschlag herangetreten, mit einem - für seine Verhältnisse - Minimal-Budget von fünf Millionen Dollar einen Film mit freier Themenwahl zu machen... unter der einzigen Vorgabe, dass das Ganze für Cubans HD-Fernsehsender auch wirklich in hochauflösender Digital-Optik gedreht wird. Der technische Rahmen war also zuerst da, die Idee kam später. Die niederen Produktions-Bedingungen haben dabei dann fast schon automatisch zur Folge gehabt, dass das Ganze in Richtung "Found Footage" gehen musste und ebenso wie der andere Altmeister George A. Romero um denselben Dreh mit seinem "Diary of the Dead" scheitert auch Brian De Palma zur Gänze an der Erzählweise im hippen Mockumentary-Stil, die er niemals gewinnbringend gehändelt bekommt, wodurch "Redacted" leider nur zu einer filmischen Collage gerät, der die verbreitete Message über alles geht, aber bei der die Plausibilität, was die gezeigten Aufnahmen und deren Montage anbelangt, hinten anstehen muss. Inszenatorisch ist das alles nach dem noch ziemlich bombastischen "Black Dahlia" aus dem Vorjahr verständlicherweise nur Magerkost, für die es eigentlich mal echt keinen Regie-Virtuosen gebraucht hätte. Okay, dass "Redacted" das Herz am rechten Fleck hat, kann man ihm durchaus zugutehalten, aber gut gemeint ist ja nicht dasselbe wie gut gemacht...

3/10

Details
Ähnliche Filme