Die Gross-Out-Komödie, die den Boom erst losgetreten hat, der die Kinos in den Jahren rund um den Milleniumswechsel überfallen hat, ist zwar aufgrund mehrerer einzelner hervorragend gespielter absolut geschmackloser Comedysequenzen durchaus genießbar, wird jedoch von vorne bis hinten überbewertet.
Das liegt jetzt weniger daran, daß der Film abgesehen vom Gross-Out-Humor schwach wäre, doch die Love-Story verträgt sich nicht so recht mit den vereinzelt auftretenden Spermawitzen. Weder die Konstruktion noch die Ausarbeitung ist wirklich raffiniert und läßt die Erwartungen bei Nichtkenntnis ins Unermeßliche steigen, obwohl der Film letztendlich da nicht mithalten kann.
Da es aber die Absicht der Macher, mittels Geschmacklosigkeiten zu schocken und zu unterhalten, kann man positiv vermelden, daß das Ziel erreicht wurde und gemessen an den reichlich schwächeren Nachfolgern sogar noch passable Unterhaltung verbreitet.
Das liegt an der fulminanten Besetzung. Cameron Diaz' strahlendes Lächeln reißt den ganzen Film an sich, während die aufregende Biederkeit Ben Stillers einen guten Kontrast dazu bildet, als Pechvogel, der in die schlimmsten Situationen gerät. Matt Dillon hat endlich einmal eine Rolle gefunden, die länger im Gedächtnis bleibt, während Brit-Star Lee Evans eigentlich mehr kann, aber trotzdem solide spielt. Schön fies eklig auch Chris Elliot mit absolutem Mut zur Abartigkeit.
Interessanterweise versucht sich der Film gar nicht erst an einer Zentralisierung, sondern gönnt seinen fünf Hauptfiguren mehr oder weniger gleich große Teile der Handlung, verläßt den einen, um wieder auf andere zu blenden, bis alle in der Schlußszene zusammengeführt werden. Dadurch wird Abwechslung garantiert und auch die Tatsache, daß hier keiner ist, was er zu sein vorgibt, sorgt für Überraschungspotential, zumindest beim ersten Mal.
Wirklich gelungen die legendären Sequenzen der Geschmacklosigkeit, wobei das Sperma als Haargel und die Wiederbelebung eines betäubten Hundes mittels Elektroschock sicherlich zu den witzigsten Augenblicken gehört.
Makellos übrigens das Timing aller Akteure, so weit erfreulich, da keine Comedysequenz über Gebühr gemolken werden muß.
Wenig brauchbar die deutsche Synchro, die ständig von "Stelzböcken" redet (damit sind wohl Typen gemeint, die fanatisch bestimmte Frauen verfolgen und beobachten) und sämtliche zwischenzeitlichen Musikstücke, die die Handlung kapitelweise untermalen, übersetzt haben, was auf Kosten des gesamten Witzes ging.
Insgesamt ist "Verrückt nach Mary" ein solider, unkonventioneller Spaß, aber sicherlich kein komödiantischer Überflieger. Eine Fußnote der Komödiengeschichte sicherlich, aber nur, weil sie weitergegangen ist, als sich bisher jemand getraut hat und anschließend noch der Mut bewiesen wurde, gerade diesen Faktor zu bewerben. (7/10)