Review

Nicht die hellste Lavalampe


Ich weiß es noch, als ob es gestern war: die halbe Familie fährt in die Kölner Schildergasse, wo damals, im Oktober 1997, noch unser kleines Stammkino lag. Ich, noch ein kleiner Stöppes, aber mit großer Vorfreude und Bibbern in der Seele. Wir hatten uns den neuen Bruce Willis-Kracher „Das Fünfte Element“ in der Zeitung eingekreist, wo damals noch die Laufzeiten vermerkt waren. Doch als wir im Innenstadtkino ankamen, wurde dieser spontan (nach nur einem Monat!) aus dem Programm genommen, sodass wir ernüchtert und spontan umplanen mussten. Unsere Wahl fiel auf den „heißen“ Katastrophenfilm „Volcano“, in dem ein Vulkan Los Angeles den Hintern heiß macht. Um einen kurzen Moment damals im Kino sogar erleichtert, um die 12er-Freigabe zu bekommen - sonst wäre ich mit 9 wohl auch kaum schon mit reingekommen. Das war uns aber egal bzw. wussten wir gar nicht. Merkten wir auch nicht. Luc Bessons futuristischer Kultfilm sollte später auf Video einer meiner Alltime-Lieblinge werden. Und „Volcano“?! Auch für Tommy Lee Jones' Kampf gegen die Lavamassen habe ich seit diesem Nachmittag in der Schildergasse einen weichen Punkt - wenn auch aus heutiger Sicht nicht mehr ganz so wie damals, als ich gut durchgeschwitzt aus dem Kino kam...

„Volcano“ zieht nicht nur gegen „Das fünfte Element“ den Kürzeren, wohl auch gegen das direkte Konkurrenzprodukt „Dantes Peak“, der nur wenig Monate zuvor die Kinos erschütterte. Und dennoch hat „Volcano“ für mich einen hohen Unterhaltungswert und definitive Stärken. Der grimmige Tommy Lee Jones passt sehr gut in die Rolle des unfreiwilligen Helden. Die Soundkulisse ist schlicht bis heute atemberaubend und krachend. Sehr viel ist handgemacht und spürbar. Und die komplette Art, wie hier die Verschiebung zweier Erdplatten und der damit einhergehende Lavastrom dargestellt wird, ist trotz allem Rumble und Getöse irgendwie erstaunlich bodenständig und fast schon in echt denkbar. Denn selbst wenn am Ende wirklich ein kleiner Vulkan im Herzen von L.A. steht - die meiste Zeit bahnt sich einfach „nur“ ein langsamer, aber nahezu unaufhaltsamer Strom aus Lava den Weg die Hauptstraße entlang. Und Feuerwehr, Experten und eben der mürrische Tommy Lee Jones versuchen diesen glühenden Fluss umzuleiten oder aufzuhalten oder zumindest möglichst viele Menschen und Gebäude zu retten. That's It. Aber es funktioniert. Und die Lava kann man fast durch die Leinwand fühlen. Nur Jones' Filmtochter ist damals wie heute frustrierend nervig, sieht aus wie 16, verhält sich aber wie 6. Und wirklich viele Klischees (Hundeszene etwa) werden nicht ausgelassen. Dennoch: „Volcano“ hat einen Platz in meinem Herzen der Katastrophenreisser aus Hollywood. Und auch sicher seinen Teil dazu beigetragen, dass ich das Subgenre noch immer zu meinen „Schwächen“ und liebsten Guilty Pleasures zähle... Trotz aller Zerstörung ein echter Wohlfühlfilm für mich. 

Fazit: selbst wenn „Volcano“ den (Marketing-)Mund etwas zu voll nahm und einige Figuren brutal nerven (Tochter) - die zerstörerische und höllisch-heiße Katastrophenaction reißt einiges raus, geht gut nach vorne und lässt das Soundsystem glühen! 

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