„Volcano“ ist übertriebenes Katastrophenkino, das zwar viel Action bietet, aber mit dramaturgischen Schwächen zu kämpfen hat.
Schauplatz der kommenden Katastrophe ist hier Los Angeles, als potentiellen Helden bietet man uns Mike Roark (Tommy Lee Jones) an, den Chef des Katastrophenschutzes. Der hat zwar frei und will die Zeit mit seiner Tochter Kelly (Gaby Hoffman) verbringen, doch als einige Arbeiter der Stadtwerke verbrüht werden, untersucht er die Sache selbst. Natürlich muss Mike den Platz vorsichtigen Denkers einnehmen, der aber von den ehrgeizigen Obrigkeiten ignoriert wird.
Er zieht die Seismologin Amy Barnes (Anne Heche) zu Rate, die aber keinen genauen Befund stellen kann, obwohl sich in der Stadt seltsame Vorkommnisse häufen: Unerwartet starke Erdbeben, Temperaturanstieg eines Sees und der Tod der Arbeiter. Natürlich klettert Amy, vorsichtiger Denker Nr. 2 in dieser Geschichte, mitsamt Kollegin illegal runter zur Unfallsstelle der Arbeiter, wo dann die Kollegin im dramaturgisch richtigen Moment verbrutzelt wird. Hieran merkt man schon schnell die Formelhaftigkeit des ganzen Films.
Natürlich ist es dann schon zu spät, denn unter L.A. haben sich zwei Erdspalten verschoben, Magma ist ausgetreten und die Metropole wird von einem Vulkanausbruch heimgesucht. Mike, Amy und die Leute des Katastrophenschutzes versuchen alles Mögliche, um den Bevölkerung zu schützen und den Vulkan aufzuhalten…
Als man von Universals „Dante’s Peak“ hörte, wollte man bei 20th Century Fox auch noch einen Vulkanfilm fabrizieren, der mehr Spektakel bieten sollte. Doch die gewisse Ironie von „Dante’s Peak“ fehlt, auch wenn die Geschichten beide nach dem gleichen Strickmuster ablaufen (kluge Köpfe warnen, Bonzen ignorieren, Kacke ist am dampfen). „Volcano“ baut zwar in der Anfangsphase weniger Spannung auf, aber dafür geht die Action sehr viel früher los und der Film hält ein ziemlich hohes Tempo, sodass es nicht wirklich langweilig wird. Im Gegensatz zu „Dante’s Peak“ verfolgt man hier den unrealistischeren Ansatz, man könne einen Vulkan aufhalten und ihm nicht bloß entkommen.
Die meisten Effekte sind auch gelungen und können sich sehen lassen; nur einige der Tricks sind mäßig gemacht. Realismus wird hier eher klein geschrieben, denn „Volcano“ baut deutlich auf die Schauwerte eines Vulkans mitten in L.A. Dafür gibt es reichlich Action und diverse recht aufwendige Zerstörungsorgien, weshalb der Film auf rein oberflächlicher Ebene punkten kann. Die Inszenierung der Action ist schick gemacht und die musikalische Untermalung gestaltet den Kampf gegen den Vulkan packend, auch wenn die Bewohner von L.A. dabei übertrieben heroisiert werden (flammende Reden Mikes sind Pflicht). Genretypisch gibt es auch ein paar coole und recht treffende Sprüche, meist von Mike oder seinem Stellvertreter Emmit Reese (Don Cheadle), die man bei dem eh unrealistischen Szenario gern willkommen heißt.
Doch trotz der großen Actionmenge will der Funke nicht so recht überspringen und das liegt an der vorhersehbaren Dramaturgie: Bei fast jedem Charakter kann man direkt am Anfang sehen, ob er Held oder Stümper ist (man vergleiche z.B. die Ärztin und ihren Lebensgefährten) und es werden viele Klischees benützt: Da verbünden sich der schwarze Jugendliche und der weiße Polizist, die sich vorher noch angekeift haben, im Kampf gegen die Flammen, das anfangs ängstliche Mädchen wächst bei der Hilfe im Lazarett über sich hinaus und die obligatorischen Heldentode bleiben auch nicht aus. Leider werden viele Spannungsmomente übertrieben künstlich herbeigeführt: Vor allem wie Mike, Kelly und ein ihr anvertrauter Rotzlöffel gegen Ende auf recht unglaubwürdige Art noch mal in Lebensgefahr geraten ist fast schon unfreiwillig komisch.
Tommy Lee Jones spielt gewohnt bärbeißig und liefert sich keine Glanzleistung ab, aber seine Performance ist mehr als akzeptabel. Anne Heche ist auf gleichem Niveau, aber vor allem ein launiger Don Cheadle kann punkten. Der Rest der Darsteller macht auch einen soliden Job, verblasst aber neben den Effekten.
„Volcano“ bietet sehr gut gemachte und durchaus packende Action, aber die Geschichte schwächelt und viele Sachen sind sehr formelhaft gemacht. So bleibt nette Unterhaltung, aber „Dante’s Peak“ klar unterlegen.