Review

Wir steuern ein wenig auf die deutsche Variante von „Severance“, „Wilderness“ und anderen Wald - und Wiesen-Slashern zu, wenn die Chose im Endeffekt darauf hinaus läuft, dass eine Gruppe junger Menschen relativ planlos durch den Wald rennt, während ein schizophrener Naturbursche hinter ihnen her ist.
Da hätten Regisseur Sebastian Panneck und Autor Christoph Willumeit deutlich mehr Originalität an den Tag legen müssen, um sich von der breiten Masse abzuheben.

Es beginnt wie ein Aufruf fürs Überlebenstraining in der Wildnis: Konzernchef Takahashi richtet sich mit einer Videobotschaft an die potentiellen Bewerber einer Berliner Business-Schule, um den Teilnehmern einen aussichtsreichen Elite-Job schmackhaft zu machen.
Die siebenköpfige Gruppe um Leiter Tom, Sarah und Brad ist rasch gefunden, doch als man nach einigen Kilometern Einöde in der Nähe von Krakau das Camp vorfindet, ist es völlig zerstört.
Noch rechnet man mit rabiaten Wilddieben, doch schon bald offenbart sich, dass einer in der Gruppe durchtickt…

Die professionelle Aufmachung verspricht schon mal keine Gurke, denn bis auf ein paar Unschärfen geht die Bildqualität in Ordnung, die Kamera arbeitet solide und die jungen, international besetzten Gesichter agieren im Schnitt solide.
Nach kurzem Leerlauf im Wald, bei dem die Figuren zwar vage, aber glaubhaft eingeführt werden, benötigt es eine ganze Weile, bis sich böse Vorzeichen in Form von einem toten Reh und Streit in der Gruppe verdichten.
Auf atmosphärischer Ebene punkten zu diesem Zeitpunkt vor allem die blasse Farbgebung und der zurückhaltende Score, der hauptsächlich mit Hüllkurven Akzente setzt.

Jedoch weicht die auf Ungewissheit beruhende Spannung, als kurz darauf klar wird, wer von der Gruppe psychopathische Züge an den Tag legt und einen nach den anderen unsanft um die Ecke bringt. Wobei die wenigen Höhepunkte tatsächlich auf zum Teil explizit dargestellte Gewalt beruhen, welche das Einschlagen eines Schädels per Stein und einen Kehlenschnitt aus ungewöhnlichem Blickwinkel einbeziehen, teilweise auch in Nahaufnahme.
Ansonsten leidet die Geschichte unter stark unter mangelndem Tempo, zuviel Geschwätz und dem allgemein eintönigen und gleichermaßen vorhersehbaren Ablauf.
Nach einer halben Stunde deutet sich bereits an, welche zwei Figuren zum Showdown aufeinander treffen dürften.

Während zwischendurch noch versucht wird, dem Treiben mit Filmzitaten durch den Nerd ein wenig Augenzwinkern zu verleihen, nimmt sich der Stoff anderweitig reichlich ernst, was besonders bei den manipulativen Einsätzen des asiatischen Konzernchefs oftmals ins unfreiwillig Komische abdriftet. Hinzu gesellen sich eklatante Logiklücken, da der Background in keinerlei Hinsicht durchleuchtet wird und das Handeln der Protagonisten einige Male in Frage gestellt werden muss.

Im Gesamtbild passiert schlichtweg zu wenig. Leute laufen durch die austauschbare Gegend, der Irre beobachtet und holt der Reihe nach aus, doch an mitfiebernden Momenten hapert es gewaltig, - da können auch Spannungen innerhalb der Überlebensgruppe kaum etwas ausrichten, wenn der Rest fast schon Gelassenheit ausstrahlt.
Die kurzen Gewaltausbrüche mit ordentlicher FX, die weitgehend authentischen Charaktere und das passable Handwerk können am Ende nicht allzu viel kaschieren, auch wenn es immer wieder heißt „es gibt keine Moral, es gibt nur Ziele“, - so unverfroren garstig kommt der Stoff leider zu keiner Zeit rüber…
3,5 von 10

Details
Ähnliche Filme