O ist die Nummer 1 der Killer Asiens. O ist smart, hat immer (fast) alles im Voraus geplant, und lebt ein perfekt organisiertes Leben in den Schatten. Tok ist jung, ehrgeizig und wagemutig – und er fordert O heraus, denn Tok will die Nummer 1 werden. Ein Spiel, quer über den ostasiatischen Raum beginnt, doch zwei Sandkörner sind im Getriebe dieses Räderwerks: Das eine Sandkorn ist Chin, die bei O die Tarnwohnung pflegt und in die O sich ein wenig verliebt hat. Und die sich selber in Tok verliebt hat, der so ganz anders ist. Meint sie jedenfalls. Das andere Sandkorn ist Inspektor Lee von Scotland Yard, der O jagt und dabei Tok auf die Spur kommt. Und sich plötzlich im Schusswechsel zwischen den beiden befindet. Und dabei lernen muss, dass der Feind meines Feindes – auch mein Feind sein kann …
Wie so oft die Sache mit der Erwartungshaltung. Johnnie To verdanken wir immerhin Filme wie EXILED oder den grandiosen VENGEANCE. Dass To auch anders kann weiß ich seit ich SPARROWS gesehen habe. Wenn Sergio Leone jemals ein Musical gedreht hätte, dann wäre wahrscheinlich SPARROWS dabei herausgekommen. Aber bei dem Namen To erwarte ich halt von Grund auf erstmal stylische Action und coole Helden ...
FULLTIME KILLER vereint nun das klassische To’sche Todesballett mit den anscheinend mainstreamigen Gefühlswelten von Wai Ka-Fai (zumindest sieht es für mich so aus, wenn ich in der OFDB die Einträge begutachte und schaudernd zurückschrecke). Und heraus kommt – ein etwas unentschiedener Hitman-Film mit einigen Gefühlsszenen zuviel. Interessant ist es allemal, wie immer wieder die Perspektive gewechselt wird, wie vor allem gegen Ende hin plötzlich Simon Yam im Mittelpunkt der Geschichte steht, nur um dann wieder den Killern Platz zu machen und auf die Erzählung von Chin zu wechseln. Es gibt keine klare Hauptfigur, und das ist einer der großen Pluspunkte des Films. Dass er seine Handlung auch mal in düstere Träume und quälende Erinnerungen verlegt, und dass O und Tok gleichberechtigte Protagonisten sind, das zieht in die Story hinein und lässt mitfiebern. Dagegen steht, dass es sich weder um einen obercoolen Gangsterfilm noch um eine düstere Ballade handelt, sondern dass FULLTIME KILLER sich nicht so recht entscheiden mag wo er denn nun hin möchte. Andy Lau kaspert zum Teil recht eigenwillig herum, Takashi Sorimachi fehlt stellenweise ein wenig das Flair um wirklich düster zu sein, Simon Yam hat zu wenig Screentime um den Film in trockene Tücher zu bringen, und Kelly Lin ist klasse, kommt aber erst viel zu spät wirklich zur Geltung. Dazu die durchwachsene Musik (was macht eigentlich die Hochzeit des Figaros bei manchen Szenen für einen Sinn?) und das Showdown in einer Feuerwerkfabrik, das ausschaut, als wenn POLICE STORY 2 von John Woo gedreht worden wäre. Leider muss ich auch zugeben, dass die Shootouts für meinen Geschmack zu sehr auf Coolness und Style getrimmt wurden, und die Zeitlupe einfach nicht das hergibt was sie verspricht. Weniger wäre da mehr gewesen, wie man am Beispiel der Schießerei im und am Hochhaus sehen kann. Allein der Abgang der Protagonisten von oben nach unten ist feinstes HK-Kino wie es sein soll.
Insgesamt also ein wenig zuviel Mischmasch für meinen Geschmack. Im Internet wird der Film oft mit ASSASSINS – DIE KILLER mit Sylvester Stallone und Antonio Banderas verglichen. Den kenne ich nicht, aber mir ist Michael Manns HEAT oft eingefallen, vor allem in Bezug auf Attitüde und Stimmung. Auch das spielerische Einbinden US-amerikanischer Vorbilder wie POINT BREAK - GEFÄHRLICHE BRANDUNG oder DESPERADO macht Laune, es wird gekonnt mit den ausgelutschten Klischees gearbeitet. Aber es ist einfach ein bisschen zu viel Zutat im Eintopf, was den Gesamtgeschmack etwas stört. Vielleicht hätte man das Gewürz namens Wai Ka-Fai nicht dazu tun sollen, um das Gericht strenger im Geschmack zu gestalten …