Das Endergebnis von Tsui Harks „Double Team“ schien Moshe Diamant, in den Neunzigern vorwiegend Produzent brachiale Actionkracher wie „Men of War“ und fast jedes Jean-Claude van Damme-Films (u.a. „Hard Target“, „Sudden Death“), so gefallen zu haben, dass er ein Großteil des Teams bei der Stange hielt und gleich wieder an die französische Riviera zurückkehrte. Das Drehbuch wurde zwar mit der heißen Nadel gestrickt und das Budget wurde im Vergleich zum vorhergegangenen Film auch klar heruntergeschraubt, doch trotzdem mach „Simon Sez“ dem anspruchslosen Actiongeek jede Menge Spaß.
Das hat er vorwiegend Actiondirector Xin Xin Xiong zu verdanken. Während Regisseur Kevin Elders („Jane Doe“), dem passionierten B-Movie-Fan besser als Drehbuchautor von Sidney J. Furies „Iron Eagle“ und Albert Pyuns „Raven Hawk“ bekannt, für die Erzählung des simplen Plots zuständig war, übernahm Xin Xin Xiong jedes Mal das Regiezepter, wenn Autoverfolgungsjagden, Schießereien und Martial-Arts-Fights angesagt haben. Diese Regiesymbiose, ja in Filmen wie „The Transporter“ ähnlich praktiziert, funktioniert überraschend gut. Dank Xin Xin Xiong hält der Hongkong-Style Einzug, was zur Folge hat, dass die Kloppereien mit allerlei akrobatischen Wireworkaktionen und Zweckentfremdungen von Tischdecken oder Gardinen visuell einiges hermachen. Gleiches gilt dementsprechend natürlich auch für die blechschadenträchtigen Car Chase-Aktionen. Lediglich die auf ein PG-13 abgerichteten Schießereien können in dieser Hinsicht nicht ganz überzeugen, weil brutale Szenen natürlich wegfallen.
Inmitten dieser munteren Hatz steht Interpol-Agent Simon (Dennis Rodman, „Double Team“, „Cutaway“) wie ein Fels in der Brandung. Rodmans schauspielerische Fähigkeiten lassen wie auch schon in „Double Team“ zu wünschen übrig, aber er beherrscht die Rolle des coolen Mackers ganz solide. Sein exotischer Touch, der ihm noch neben Van Damme anhaftete, fehlt ihm hier allerdings. Er probierte sich hiernach dann auch noch mal in den luftigen Höhen von „Cutaway“, worauf er dann wohl einsah, dass das mit der Schauspielerkarriere hier nichts wird. Ein großartiger Held ist er nicht, für eine B-Produktion soweit aber brauchbar. Den Genreregeln entsprechend stehen so einem Agenten aber nicht nur technisch versierte Helfer (die Mönche aus „Double Team“ lassen grüßen), sondern auch ein comedian Sidekick zur Verfügung. Das ist in diesem Fall ein feiger Lügenbold mit Namen Nick Miranda (Dane Cook, „The Touch“, „Torque“). Durch ihn wird er in eine Entführungsgeschichte und einen Waffendeal um eine megamächtiges Laserstrahlgeheimwaffe gezogen. Anstatt schnellstmöglich den Abgang zu machen, lässt er sich aber von Nick einspannen, denn Simons Ex (das schwedische Model Emma Sjöberg, bekannt aus den „Taxi“ - Filmen) mischt da auch irgendwie mit.
Dane Cook gibt sich hier wieder bemüht witzig, ist als Blödian mitunter etwas überdreht, lässt aber ähnliches Talent wie als Henchman im schwachen „The Torch“ aufblitzen. Eigentlich macht er sich in jeder Szene zum Affen, nicht immer funktioniert das, aber meistens – was man von den Mönchen nicht behaupten kann.
Die Story ist selbstverständlich reichlich banal und abstrus und die Logik wird auch auf ein Minimum heruntergefahren, dafür gibt es jedoch Action en masse. Wie gesagt, Xin Xin Xiong versteht sein Handwerk, darf hier auch kämpferischer Chauffeur selbst zum Zuge kommen und sich später einen Fight mit Rodman liefern.
Wer sich darauf einlässt, bekommt immerhin anspruchslose Unterhaltung geboten. Etwas wüst werden noch Bond-Gimmicks wie an Fallschirmen baumelnde High-Tech-Autos, mit denen man selbstverständlich am Strand landet, eingebaut. Rodman selbst darf dann auch als larger than life-Agent wild ballernd Fassaden herunterrutschen und mit mächtig vielen Drahtseilen in die Kämpfe schwingen.
Wirklich ärgerlich ist dabei nur der sich sehr witzig findende Oberbösewicht Ashton (Jérôme Pradon). Als main villain ist er zu wenig bedrohlich, als Psychopath nicht irrsinnig genug und als ebenbürtiger Kämpfer sowieso ein Witz. Seine Zirkusclowns, die er da als Handlanger im Gepäck mit sich schleppt, taugen erschwerend dazu nur als nicht beachtenswertes Kanonenfutter. Selten so viele Dilettanten, die umgehend den Löffel abgeben, am Werk gesehen.
Die CGI-Kreationen zum Schluss sind als solche erkennbar, gehen aber soweit noch in Ordnung, weswegen man mit Abstrichen bei „Simon Sez“ von grundsolider B-Unterhaltung schreiben darf. Immerhin stand hier ein brauchbares Budget zur Verfügung, womit die fähigen Inszenatoren auch umzugehen vermochten. Nur sollte bitte jemand Moshe Diamant verbieten Drehbücher zu schreiben.
Fazit:
Sicher, das Drehbuch ist lau, der Humor durchwachsen und die schauspielerischen Leistungen auch nur gerade mal zufriedenstellend. Weil „Simon Sez“ in gut 80 Minuten aber flott abgezogen wird und die Hongkong-Action trotz Zugeständnissen bezüglich des PG-13-Ratings wirklich handwerklich top ist, liegt der B-Action-Fan hier gar nicht mal so falsch.