Ein junger Mann betritt ein Geschäft für Schädlingsbekämpfung. Er beabsichtigt den Kauf einer Tierfalle und entscheidet sich nach erfolgter Beratung für eine schwere Raubtierfalle. Der Verkäufer (Fernando Arrabal) beginnt, den Kunden auf sonderbare Weise einer Art Psychoanalyse zu unterziehen.
Der junge Mann lebt allein auf einem sehr großen Anwesen in einer Art Schloß - angefüllt mit mehr oder weniger wertvollem Inventar.
Seine Urängste, bestohlen zu werden, treiben ihn dazu, vor einer Erziehungsanstalt zwei junge Mädchen anzusprechen, von denen eine gerade aus der Anstalt entlassen wurde. Er gibt den Mädchen seine Visitenkarte und bittet sie, ihn aufzusuchen, wobei er auf seine wertvolle Kunstsammlung hinweist. Wieder daheim, stellt er seine Falle auf und sichert das Gebäude notdürftig. In der nächsten Nacht schleichen sich die beiden Mädchen auf sein Gelände und brechen bei ihm ein, wie er es befürchtet, aber auch geplant hat.
Soweit die Einleitung zu einem kleinen Meisterwerk des Surrealismus, das Baratier effektvoll in Szene gesetzt hat und dabei mit Mitteln des expressionistischen Stummfilms arbeitete. Fernab von Klischees und der üblichen Erzähltechnik führt Baratier seine bis dahin nur leicht bizarr wirkende Geschichte weiter zu einer Vermischung von Wahn, Wirklichkeit und völliger Abkehr vom Realismus. - Die beiden Mädchen, kaum in das Schloß eingedrungen, werden von einer Raserei der Zerstörung ergriffen. Sie verwüsten das ganze Haus und werden dabei die ganze Zeit durch Spiegel, Vorhänge, Gucklöchern etc. bei ihrem Treiben vom Hausherrn beobachtet, der - in seinem eigenen Haus gefangen - sich einer selbst gewollten Hilflosigkeit ausliefert. Die Mädchen hingegen nehmen immer groteskere Gesichtszüge an, während sie ihren Zerstörungsdrang fortsetzen. Inzwischen kommt der Film längst ohne Dialoge aus. Die zunehmend ins Gespenstische abgleitenden Szenen werden nur noch von einer unheimlichen stimmigen Musikkulisse begleitet, die den Zuschauer mitnimmt auf eine Reise ins Absurde. Eine Unterscheidung zwischen Traum, Alptraum und Realität ist kaum mehr möglich. Der Hausherr versteckt sich längst nicht mehr, sondern ist aktiver Teil des von ihm inszenierten Rollenspiels. Er werden auch sado-erotische Tendenzen angedeutet in der Ankettung eines der Mädchen. Das bevorstehende Unheil kündigt sich an. Das ganze Haus droht einzustürzen und die Protagonisten unter sich zu begraben.
Baratier schafft eine klaustrophobische Atmosphäre, die kafkaeske Züge angenommen hat. Einiges erinnert an Edgar Allan Poe's House of Usher oder E.T.A. Hoffmanns Sandmann. Filmemäßig sind Anleihen an Bunuel oder Murnau wahrnehmbar.
Dennoch, Baratier kopiert nicht, sondern liefert mit Piège ein durchaus authentisches experimentelles Stück visueller Erfahrung ab, dass trotz oder gerade wegen seiner kurzen Laufzeit den Zuschauer in seinen Bann zieht. Ganz anders als das ebenfalls experimentelle Erzählkino eines Jacques Rivette, der durch seine epischen Längen dem Zuschauer weit mehr abverlangt.
Leider werden nur Wenige diesen Film oder auch den Regisseur kennen. Das ist insofern schade, weil sich Piège durchaus mit großen Erfolgsfilmen wie Roman Polanski's Repulsion oder Jean-Luc Godard's Week-End messen lassen kann. - Ein verstörendes Meisterwerk, das hoffentlich eines Tages wiederentdeckt wird. Bis dahin nur als Mitschnitt beim WDR zu erhalten.